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Steinerne Brücke in Regensburg

Regensburg

Regensburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands, die im Laufe ihrer Geschichte schon viele Namen getragen hat, darunter so poetische wie Hiatopolis und Ymbripolis. Von „Radaspona“ – vermutlich eine keltische Bezeichnung – spricht Arbeo von Freising um das Jahr 770. Als Gründungsurkunde gilt heute die steinerne Inschrift, die im Jahr 179 angefertigt wird, als das von dem römischen Kaiser Mark Aurel errichtete Legionslager Castra Regina – Lager am Regen – eingeweiht wird.

Warhafftige Contrafactur des heiligen Römischen Reichs Freystadt Regenspurg (Holzschnitt von 1589/Bayerische Staatsbibliothek München)

Ein berühmtes Stück Regensburger Literatur, das manche Forscher für eine der ältesten Stadtsagen halten, spielt im 10. Jahrhundert: die Dollingersage, die vom Hunnen Krako erzählt, der die Regensburger Ritter zum Kampf fordert. Die Überlieferung der Geschichte, die allerdings erst über drei Jahrhunderte später einsetzt, besagt, dass die Auseinandersetzung auf dem Haidplatz stattgefunden habe. An diesem zentralen Altstadt-Platz, im Thon-Dittmer-Palais, ist heute die Regensburger Stadtbücherei beheimatet.

Von der großen Blütezeit der Stadt im Mittelalter zeugen die vielen romanischen und gotischen Bauten sowie die beiden Wahrzeichen von Regensburg: die Steinerne Brücke, erbaut 1135-1146, und der Dom St. Peter, der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wird. Zur selben Zeit verleiht Kaiser Friedrich II. der Stadt das Recht zur Selbstverwaltung – was womöglich auch den Chronisten Johannes Aventinus anzieht, der um 1530 nach Regensburg kommt und dort im Jahr 1534 verstirbt. Die Stadt bleibt Freie Reichsstadt bis der Immerwährende Reichstag im Jahr 1803 den Reichsdeputationshauptschluss verabschiedet und damit das Heilige Römische Reich abwickelt. Im Mai 1810 muss Kurerzkanzler Karl Theodor von Dalberg auf Druck von Napoleon das geistliche Fürstentum an das neue Königreich Bayern abgeben.

Steinerne Brücke, Kupferstich von 1714; Stadtwappen, 16. Jahrhundert, und Haidplatz, Holzschnitt von 1887 (Bayerische Staatsbibliothek München)

Ende des 19. Jahrhunderts, im Februar 1891, kommt in Regensburg Georg Britting zur Welt, der seine literarische Karriere auch in dieser Stadt beginnt: Seine ersten Texte veröffentlicht er in den Regensburger Neuesten Nachrichten, die Uraufführung seines heute verschollenen Dramas An der Schwelle findet am Regensburger Stadttheater statt. Kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs, der für Regensburg mit der öffentlichen Hinrichtung des Dompredigers Johann Maier durch die Nationalsozialisten und der Sprengung der Donaubrücken endet, werden hier vier Menschen geboren, die sich später ebenfalls als Schriftstellerinnen und Schriftsteller einen Namen machen: Albert von Schirnding, Sandra Paretti, Benno Hurt und Eva Demski.

In den 1950er Jahren übersiedelt die Familie Grill mit ihrem damals fünfjährigen Sohn von Niederbayern nach Regensburg – die Oberpfalz wird die literarische Heimat von Harald Grill werden und bleiben. Ebenfalls aus Regensburg stammt Andrea Maria Schenkel, die ungewöhnlich spät und überraschend erfolgreich eine Karriere als Krimiautorin startet. Regensburg zur zweiten Wahlheimat auserkoren haben sich Ernst-Wilhelm Händler und Anja Utler: Ersterer leitet ab 1980 das Familienunternehmen in Cham und publiziert seinen ersten Roman 1995; Zweitere wird 1973 in Schwandorf geboren und gilt aufgrund ihrer hermetischen Poesie als Ausnahmelyrikerin.

Seit dem Jahr 2003 findet in Regensburg alljährlich die donumenta statt, die sich jeweils einem Land des Donauraums widmet und dessen Gegenwartskunst präsentiert. 2011 organisiert der Schriftstellerverband Ostbayern erstmals die „Regensburger Nacht der Poesie“, die im folgenden Jahr eine Wiederholung erfährt.

Sekundärliteratur:

Barbey, Rainer; Petzi, Erwin (Hg.) (2014): Kleine Regensburger Literaturgeschichte. Pustet Verlag, Regensburg.

Dünninger, Eberhard (1979): Begegnung mit Regensburg – die Stadt im Zeugnis ihrer Gäste. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 119, S. 309-319.

Ders. (1995): Regensburg. Das Bild der Stadt im Wandel der Jahrhunderte. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg.

Gajek, Bernhard (1994): Romantiker in Regensburg. Festvortrag zur 95. Jahresversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen e.V. am 5. Juni 1994 in Regensburg (Sonderdruck für die Mitglieder der Gesellschaft der Bibliophilen e.V.). München.

König, Eginhard; Forster, Martina (1989) (Hg.): Regensburger Liederbuch. Eine Stadtgeschichte in Noten. Mittelbayerische Druckerei- und Verlagsgesellschaft i. Z. mit dem Gustav Bosse-Verlag, Regensburg.

Schnetz, Wolf Peter (2005): „Nun merket auf!“. Literatur in Regensburg von Bruder Berthold bis Eva Demski. In: Literatur in Bayern Nr. 79, S. 40-44.


Externe Links:

Homepage der Stadt Regensburg

2000 Jahre Regensburger Geschichte (regensburg.de)

Dollingersaal und -sage im Adressbuch der Abteilung für Statistik der Stadt Regensburg

Digitalisat der Dollingersage von Carl Waldemar Neumann

Aventinus-Projekt der BLO

Homepage der donumenta

Homepage des Schriftstellerverbands Ostbayern

Kommentare

Bernhard M. Baron am 27.08.2015 um 19:54

Karl May (1842-1912) war einer der erfolgreichsten Schriftsteller der deutschen Literatur. Die Anfänge des großen Sachsen beginnen kurioserweise in Regensburg. Kommerzienrat FriedrichPustet (1831-1902) bietet Ende 1879 dem freien Autor in Hohenstein-Ernstthal einen festen Vertrag an, auch wenn „das Honorar lächerlich gering war“ – wie sich Karl May rückblickend erinnert und Hans Wollschläger, Bamberg, bestätigt (Klaus Walther, Karl May, dtv-Porträt, München 2002, S. 76). So erscheinen ein Großteil der Reiseerzählungen und Abenteuerromane in Friedrich Pustets Regensburger überregionaler Wochenzeitschrift „Deutscher Hausschatz“, mit denen Karl May seinen literarischen Ruhm begründet. – Der Pustet-Verlag Regensburg, spezialisiert auf katholisch-theologische und liturgische Literatur, existiert noch heute.



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