Info
Geb.: 13.12.1930 in Beuthen/Oberschlesien
Fotografie um 1958 (Bayerische Staatsbibliothek/Fruhstorfer)
Namensvarianten: Reinhard Karl Zimnik

Reiner Zimnik

Reiner Zimnik wird als Beamtensohn in der Stadt Beuthen geboren und besucht von 1936 bis 1944 in seiner oberschlesischen Heimat die Volksschule und das örtliche Gymnasium. 1945 verschlägt ihn das Schicksal der Heimatvertriebenen (wie auch das der Beuthener Autoren Gerhard Kukofka und Arno Lubos) nach Bayern. Reiner Zimnik beginnt 1945 in Landshut eine Schreinerlehre, die er 1948 mit der Gesellenprüfung abschließt. 1949 nimmt er die Gymnasialausbildung wieder auf und legt – unter besonderer Förderung im Fach „Kunsterziehung“ – 1952 sein Abitur ab. Von 1952-1957 studiert er an der Akademie der bildenden Künste in München bei Prof. Josef Oberberger. Nach seinem Abschlussdiplom lebt er als freischaffender Illustrator (für den Diogenes-Verlag), Grafiker, Maler und Schriftsteller in der bayerischen Landeshauptstadt.

Seit 1954 erscheinen erste – von ihm selbst illustrierte – Buchveröffentlichungen: Xaver der Ringelstecher und das gelbe Roß (Xaver ist hier der Blumenpage der historischen „Landshuter Fürstenhochzeit“), Jonas der Angler (an der französischen Seine, der verjagt wird, weil er den größten Fisch fängt) und die poetisch-satirischen Zeichengeschichten Der Bär und die Leute (ein Gegenmärchen zu Heinrich Heines Atta Troll). Es folgen Der stolze Schimmel, Der Kran, Der kleine Millionär, Die Ballade von Augustus und den Lokomotiven, Prof. Daniel J. Koopermans' Entdeckung und Erforschung der Schneemenschen und Die Maschine. Alle Titel werden auch als BR-Fernsehsendungen ausgestrahlt. Satire, namentlich politische Satire, wendet Reiner Zimnik in Die Trommler für eine bessere Zeit (1958) an. Die Trommler sind Ideologen, militante und uniformierte Kollektivisten – politische Ameisenmenschen, die zeitlos sind und ins Zeitlose ausgreifen: „Sie zogen weiter und weiter und immer dorthin, wo der Himmel die Erde berührt und wo die Sonne untergeht...“

Zimniks nicht nur für Kinder lesenswerte Kinderbücher werden in über 14 Sprachen übersetzt: „Was sich Unschönes in unserer Realität tut, kommentiert er gern auf dem Umweg über pfiffig-einfältige Phantasiefiguren, ob sie nun ‚Lektro‘ heißen oder als ‚kleiner Millionär‘ von einem anderen Stern kommen“, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung. 1980 erscheint Das große Reiner-Zimnik-Geschichtenbuch, 2003 als Neuausgabe nochmals erweitert. 1990 kommt sein humorig-hintersinniges Lese-Bilderbuch Baumlegenden über zwölf (kalendergerechte) altehrwürdige Bäume in bayerischen Landen heraus. In einem kleinen Anhang wird dem literaturbeflissenen Wanderfreund der genaue Standort dieser Gewächse verraten.

Von 1958 bis 1964 läuft die 24-teilige Fernsehreihe Der Lektro (Gedanken und Träume eines gleichsam ewigen Kindseins und einer verschütteten Sehnsucht ins Reich des Märchen-Abenteuers), von 1961 bis 1985 die 40-teilige Fernsehreihe Geschichten vom Sebastian Gsangl und ab Oktober 1990 Zimniks 12-teilige Baumlegenden (in der BR-Abendschau). Seine bekannteste TV-Figur ist wohl der chaplineske urbayerische Alltags-Held „Sebastian Gsangl“. Mit seinen poetischen „Bildgeschichten“, die Reiner Zimnik als „Märchen“ betitelt, schafft er in den 1950ern eine neue humoristische, gelegentlich auch satirische Aussageart im Bereich des Cartoons; seine Freunde Kurt Wilhelm, Rolf Alexander Wilhelm und Joachim Fuchsberger steuern Regie, Musik und das gesprochene Wort bei. Eine langjährige Künstlerfreundschaft verbindet den Autor mit seinem fast gleichaltrigen oberschlesischen Landsmann, Schriftsteller und Maler Janosch.

Reiner Zimnik (r.) nach seiner Lesungs-Vernissage am 25. Juni 1980 in der Weidener Galerie Christine Schlegl (der Buchhandlung Hubertus Schlegl). © Galerie & Antiquariat Schlegl

Zimnik erhält für sein literarisches und zeichnerisches Schaffen zahlreiche Preise und Auszeichnungen, so 1956 den Förderpreis des Bundesverbandes der deutschen Industrie, 1958 den Literaturpreis der Stadt München, das Eichendorff-Stipendium des „Wangener Kreises“, 1961 das Villa Massimo-Stipendium (Rom) und 1987 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. Im gleichen Jahr erhält er einen Lehrauftrag an der Sommerakademie Salzburg. 1993 folgt der Schwabinger Kunstpreis. Er ist Träger des Bayerischen Poetentalers 1994.

Seit 1972 präsentiert Zimnik große graphische und malerische Arbeiten, u.a. die Zyklen Winterzeichnungen und Frauenschmückung, und ist laufend im In- und Ausland vertreten. 1985 gibt es im Münchner Stadtmuseum eine erste große Retrospektive, gefolgt 1988 im Museum „Ostdeutsche Galerie“ Regensburg. Immer wieder ist er (seit März 1978) Gast bei der Weidener Galerie Christine Schlegl, wo auch am 6. Dezember 1990 sein Lese-Bilderbuch Baumlegenden offiziell vorgestellt wird.

Reiner Zimnik ist offizieller Gast bei den 2. Weidener Literaturtagen im Mai 1986 („Kinder- und Jugendliteratur“) und Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller sowie im Künstlersonderbund in Deutschland 1990 e.V.

Der Autor lebt in München.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

http://kulturportal-west-ost.eu/biographien/zimnik-reiner-3, (16.09.2014).

DIE ZEIT. Das Lexikon in 20 Bänden (2005). Bd. 16. Hamburg und Mannheim, S. 506.

Kunstverein Darmstadt (1978): Deutsche Radierer der Gegenwart. Darmstadt, S. 116f.

Lexikon der Illustration im deutschsprachigen Raum seit 1945 (LdI).

Lubos, Arno (1974): Geschichte der Literatur Schlesiens. Bd. 3. München, S. 416f.


Externe Links:

Literatur von Reiner Zimnik im BVB

Literatur über Reiner Zimnik im BVB

Eintrag im Künstlersonderbund in Deutschland 1990 e.V.

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