Info
Geb.: 9. 2.1928 in Beuthen (Oberschlesien)
Gest.: 14.11.2006 in Schweinfurt
Foto: Photo Uhlenhuth (Coburg) © Arno Lubos
Titel: Dr. phil.

Arno Lubos

Mit 16 Jahren im Januar 1944 von der Schulbank weg, vorzeitig zur sogenannten „Heimatflak“  eingezogen, wird Arno Lubos nach verkürztem „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) noch als Luftwaffenhelfer zum Kriegsende 1945 in Fürth und im Fränkischen Raum eingesetzt. Dort zieht er auch hin nach seiner Entlassung aus der US-Kriegsgefangenschaft in Salzburg (1946). Arno Lubos besucht ab Oktober 1946 das Neue Gymnasium in Bamberg, wo er 1948 das Abitur ablegt, und studiert Germanistik an der Philologisch-Theologischen Hochschule Bamberg und der Universität Erlangen. Nach dem Staatsexamen tritt er als Gymnasiallehrer 1956 in den höheren Schuldienst, kommt zuerst nach Lichtenfels, dann nach Bamberg und 1961 ans Gymnasium Casimirianum nach Coburg. 1978 promoviert Lubos an der Universität Frankfurt am Main.

Arno Lubos, geistiger Freund des Nürnberger Kulturdezernenten und Philosophen Hermann Glaser, verfasst mit diesem und Jakob Lehmann zusammen die voluminöse Literaturgeschichte Wege der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung (1961; überarb. 1989) mit dem Begleitband Wege der deutschen Literatur. Ein Lesebuch (1962; überarb. 1989) – ein Standardwerk und Vademecum für Studierende und Literaturfreunde. Parallel dazu publiziert Arno Lubos seine große dreibändige Geschichte der Literatur Schlesiens (1960, 1967, 1974), eine realistisch-sachliche Darstellung Schlesiens einschließlich polnischer und tschechischer Literatur. „Die dreibändige Ausgabe der Geschichte der Literatur Schlesiens ist vorurteilslos und von jeder falschen Heimatideologie weit entfernt“, so der Tübinger Professor Dr. Gotthart Wunberg.

Ergänzend dazu veröffentlicht Arno Lubos als Schriftsteller die Essaybände Linien und Deutungen (1963), Deutsche und Slawen (1974), Schlesisches Schrifttum der Romantik und Popularromantik (1978), die Erzählbände Kleinstadtgeschichten (1963), Der humane Aufstand (1967) und Sieben Parabeln (1969), die formal an die aufklärerischen Parabeln Bert Brechts oder Franz Kafkas erinnern. Es folgen die biografischen Monographien Valentin Trozendorf (1962), Horst Lange (1967), Jochen Klepper (1978) und Gerhart Hauptmann (1978) sowie die humorvolle Sammlung von Aphorismen, Epigrammen, Gedichten und Balladen Die ganze Welt ist dumm... Blütenlese aus dem vorigen Jahrhundert (1987).

Neben Erzählungen, Essays und kurzer Prosa schreibt Arno Lubos den umfangreichen, sensationellen, aber auch kontroversen Roman Schwiebus. Ein deutscher Roman (1980), den er als „utopischen Heimatroman“ verstanden wissen will. Schwiebus ist die (romanhafte) Fiktion eines gegenwärtigen NS-Reiches, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat. Die Handlung kann kaum spektakulärer angelegt sein: Ein Radiojournalist, Joseph Schwiebus, gerät während dieser Fiktion in Konflikt mit den Direktiven des NS-Reiches. Arno Lubos zeigt in seinem Prosastück Schlesien nach dem – rein hypothetisch – gewonnenen Zweiten Weltkrieg: „Es handelt sich also gewissermaßen um einen ‚Nicht-Vertreibungsroman‘, der allerdings doch mit der ‚Flucht‘ des Helden in die Wälder des Riesengebirges endet, wo er sich verborgen hält: Flucht in eine utopische Heimat“ (Louis Ferdinand Helbig). Mit seinem Roman Schwiebus will Lubos keine Glorifizierung der NS-Zeit erreichen, sondern eine tiefgreifende Kritik am NS-System vornehmen.

Bewusst gewählt ist dabei der Name der Hauptfigur Joseph Schwiebus, der gleichzeitig für die Ortschaft Schwiebus in der ehemaligen Provinz Brandenburg steht, die früher zum Herzogtum Schlesien gehörte. Auch stammt aus dieser Ortschaft der bekannte Schriftsteller Otto Feige (1881-1969) alias B. Traven (Pseudonym), der als Akteur der Münchener Räterepublik 1919 verwickelt war.

Wohl für seine Zeit zu früh erscheint Lubos' Roman Schwiebus, der allerdings in mehreren deutschen Tageszeitungen besprochen wird (u.a. Nürnberger Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung). Rudolf Jürgen Bartsch in der FAZ: „Der aufklärerische Impetus des Erzählers jedenfalls ist nie zu übersehen.“ Neun Jahre später ediert Ralph Giordano seinen Essayband Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg, und 1992 erscheint der populistische Thriller Fatherland von Robert Harris, der sich mit einem ähnlichen Thema befasst.

Im selben Jahr erscheint Lubos' Roman Die Geschichte des August Maltsam (1992). Es ist die Beschreibung eines Lebens der vergangenen 50 Jahre. Die zeitkritische Reportage befasst sich mit der Figur August Maltsam, der aus bürgerlichem Hause stammt und während des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs gut vorankommt. Er gerät schließlich in einen Trend von Krisen und Niedergängen: Ängste entstehen vor Rückschlägen in der Wirtschaft, vor der Zerstörung der Umwelt, vor einem Krieg. August Maltsam wird mit dem, was auf ihn zukommt, nicht mehr fertig. Anlage und Stil des Romans sind sachlich-präzise und kommen ohne poetische Finessen aus.

Bis zu seiner Pensionierung (1990) unterrichtet Arno Lubos als Studiendirektor am Gymnasium. Der Prosaist und Essayist hat als Literaturwissenschaftler grundlegende, umfangreiche Arbeiten zur deutschen Kultur- und Literaturgeschichte veröffentlicht. Er ist Mitglied des P.E.N.-Clubs Deutschland (seit 1978) und 1967 mit einem Literaturpreis, dem Förderungspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, ausgezeichnet worden.  

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Bartsch, Rudolf Jürgen (1981): Zum Glück gewannen wir ihn nicht. Ein parabolischer Roman von Arno Lubos. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 162, 17. Juli, S. 26.

Fischer, Bernard (1996): P.E.N.-Zentrum Bundesrepublik Deutschland. Autorenlexikon 1996/97. Göttingen, S. 245.

Gross, Herbert (1995): Bedeutende Oberschlesier. Kurzbiographien. Dülmen, S. 406.

Klin, Eugeniusz (2007): Arno Lubos verstorben. Zum literarischen Vermächtnis eines bedeutsamen Schlesiers. In: Oberschlesien (Görlitz), Nr. 1, 15. Januar, S. 8f.

Lemberg, Hans (1975): Mit dem Blick nach vorn. Ohne Schönfärberei. In: Die Zeit (Hamburg), Nr. 18, 25. April.


Externe Links:

Literatur von Arno Lubos im BVB

Literatur über Arno Lubos im BVB

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