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Erlangen

Der Name der Stadt Erlangen taucht erstmals im Jahr 1002 in einer Urkunde auf: Als „Zubehör“ einer Gebietsschenkung werden sowohl die „villa erlangon“, das Dorf Erlangon, als auch eine Rodungsfläche auf der gegenüberliegenden Seite der Regnitz erwähnt. Ebendort entsteht eine Tochtersiedlung, die bald mehr prosperiert und deshalb Großenerlang heißt, während die villa erlangon ab Mitte des 14. Jahrhunderts als Alterlang, Kleinerlang oder Wenigenerlang bezeichnet wird und bis zur Eingemeindung in die Stadt Erlangen (1920) eigenständig bleibt.

Nachdem Erlangen im dreißigjährigen Krieg fast vollständig zerstört wird, verödet der Ort nahezu vollständig und bleibt beinahe zwei Jahrzehnte so gut wie unbewohnt. Als die calvinistischen Flüchtlinge aus Frankreich ins Land strömen, bietet ihnen der Markgraf Christian Ernst das Recht auf Ansiedlung in Erlangen an. Da die Stadt bald aus ihren Nähten platzt, beginnt schon im Juli 1686 der Bau der Neustadt: Eine ideale barocke Planstadt namens Christian-Erlang entsteht, deren Entwurf bald auch die 1706 bei einem Großbrand fast völlig vernichtete Altstadt einbegreift.

1743 wird die Universität nur ein Jahr nach ihrer Gründung von Bayreuth nach Erlangen verlegt. Dort lehrt von 1826 bis 1841 der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert, dessen Professur vom Tod von zweien seiner Kinder überschattet wird, die in Erlangen begraben sind und denen er über 400 Gedichte widmet, die Kindertodtenlieder, die Gustav Mahler Anfang des 20. Jahrhunderts vertont und der Rückert-Herausgeber Hans Wollschläger als „die größte Totenklage der Weltliteratur“ bezeichnet. Dass man mit Rückert einen der Begründer der deutschen Orientalistik nach Erlangen beruft, kann als Folge oder auch Symptom verstanden werden, denn im 19. Jahrhundert öffnet sich die Stadt der Welt: Seit 1810 gehört sie zu Bayern, im Jahr 1844 fährt die erste Eisenbahn durch Erlangen, ein Jahr später ist der Bau des Ludwig-Main-Donau-Kanals abgeschlossen.

Blick vom Burgberg um 1860, Stahlstich des Schlosses um 1850 und der Marktplatz mit dem Palais Stutterheim im Hintergrund, in dem die Erlanger Stadtbibliothek beheimatet ist.

Literarisch knüpft die Stadt an diese Weltoffenheit Ende des 20. Jahrhunderts an, als das Erlanger Kulturamt das Poetenfest erfindet, das im Sommer 1980 zum ersten Mal stattfindet und sich seither einer stetig wachsenden Beliebtheit bei Publikum wie Autorinnen und Autoren erfreut. Mittlerweile stellt es eine feste Größe in der deutschen Literaturlandschaft dar. Daneben bietet Erlangen einen weiteren literarischen Höhepunkt. Alle zwei Jahre dreht sich beim Internationalen Comic-Salon vier Tage lang alles um die „Neunte Kunst“. Das erste Comic-Festival findet 1984 statt.

Dass auffallend viele der Kinder, die in jenen Jahren in Erlangen aufwachsen, später in der Literatur ihr Glück versuchen und reüssieren, kann also kaum verwundern. Zu nennen sind unter anderen Stephan Puchner, Christiane Neudecker, Christian Schloyer, Thomas Klupp und Tobias Bachmann. Letzterer verfasst vor allem phantastische Literatur und hat seiner Heimatstadt in der Erzählung Der Untergang von Erlangen ein dystopisches Denkmal gesetzt. Sprichwörtlich geworden ist zudem die Wendung „Wissenswertes über Erlangen“, die der Feder von Max Goldt entspringt.

Heute sind nach wie vor das Poetenfest und der Comic-Salon die literarischen Veranstaltungs-Highlights. Außerhalb der Sommerferien kann man in der Reihe SeitenSprünge, einer Kooperation von Kulturprojektbüro, Stadtbibliothek, Volkshochschule und E-Werk,  Autoren erleben und mit ihnen in Kontakt treten. Zahlreiche Lesungen neben dieser Reihe und Veranstaltungen des örtlichen Buchhandels runden das literarische Leben in Erlangen ab. Nicht zuletzt aufgrund seines vielfältigen Literaturangebots ist Erlangen eine der literarisch aktivsten Städte in Bayern.

Sekundärliteratur:

Meidinger-Geise, Inge (Hg.) (1982): Erlangen 1950-1980. Ein literarisches Lesebuch. Hg. i. A. des Kulturreferats der Stadt Erlangen. Erlangen.

Dies. (Hg.) (1986): Erlangen 1686-1986. Kulturhistorisches Lesebuch. Hg. i. A. des Kulturreferats der Stadt Erlangen. Erlangen.


Externe Links:

Homepage der Stadt Erlangen

Online-Ausgabe des Erlanger Stadtlexikons

Die Kindertodtenlieder im Volltext

Homepage des Poetenfests

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