Info
Geb.: 26. 1.1759 in Kloster Frauental bei Creglingen
abweichendes Datum: 1760, 1762
Gest.: 13.5.1829 in Frankfurt am Main
Namensvarianten: Wilhelm Friedrich Meyer (eigentl. Name)

Wilhelm Friedrich v. Meyern

Wilhelm Friedrich von Meyern wird als Sohn eines Rentbeamten und Gutsherren im Kloster Frauental bei Creglingen geboren. Bis zum zwölften Lebensjahr erhält er Privatunterricht bei einem Landpfarrer, danach studiert er in Erlangen und Altdorf Jura und schlägt dann eine militärische Laufbahn bei der österreichischen Armee ein. 1786 quittiert er den Militärdienst und lebt fortan ohne Beruf in Wien und Prag. 1787-1790 ist er Mitglied in der dortigen Freimaurerloge „Wahrheit und Einigkeit“, längere Reisen nach England und Schottland verarbeitet er in seinem Roman Die Ruinen am Bergsee, der 1795 in Druck geht. Er hält sich in Sizilien auf, wo er Pläne zur wirtschaftlichen Entwicklung und Ansiedlung deutscher Kolonisten schmiedet, doch verlieren sich seine Lebenspuren bald, und er ist wieder in Wien anzutreffen, wo er den Landsturm gegen Napoleon organisieren hilft.

Von Meyern wird zum Hauptmann im Generalstab des mit ihm befreundeten Feldmarschalls Fürst Schwarzenberg befördert, nimmt an der Schlacht bei Leipzig teil (1813), beteiligt sich im österreichischen Auftrag bei der Kommission zur Auslieferung der von Napoleon aus Italien geraubten Kunstgegenstände (1815) und ist anschließend längere Zeit als Diplomat in Madrid tätig. In den 1820er-Jahren wird er zudem Mitglied der Militärkommission der Bundesversammlung in Frankfurt am Main.

Eher heimlich betätigt sich von Meyern als Schriftsteller. Viele seiner Werke erscheinen anonym – in Abdul Erzerums neue persische Briefe (1787) thematisiert er metaphernreich eine an der Aufklärung orientierte Sozialkritik an den schlechten Zuständen seiner Zeit. Sein Hauptwerk, der Roman Dya-Na-Sore (3 Bde., 1787-91, ca. 2500 Seiten), hat die Umwandlung eines absolutistischen Staates in einen konstitutionellen Rechtsstaat zum Gegenstand und wird wegen dessen politischer Wirkung in Wien verboten.

Es ist die Geschichte von vier Söhnen des Priesters Athor und spielt in einem weltabgewandten Fabelreich. Die Söhne erhalten auf ihrer Wanderung durch geheimnisvolle Welten ebenso geheimnisvolle Botschaften zu Geheimbünden, die das Volk von seiner Unterdrückung befreien sollen. Für einen Umsturz ist das Volk jedoch nicht reif genug, und die Verschwörer fliehen in die Wüste. Die Anpreisung des Krieges als „Vater aller Dinge“ und Thesen wie „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ oder „Das Volk ist alles, der einzelne nichts“ rücken das Werk von Meyerns in die fatale Nähe zur Ideologie des späteren Nationalsozialismus in Deutschland. Gleichwohl ist es ein „filosofisch-patriotischer Roman“, der die politischen und philosophischen Zeitströmungen (von Jean Paul über Clausewitz bis Friedrich Ludwig Jahn) in sich aufnimmt und destilliert. In der zweiten Auflage (1791-00) hat von Meyern seine eigene Wandlung vom Republikaner zum Monarchisten an den entsprechenden Textstellen im Buch markiert.

Daneben verfasst der Autor noch ein Trauerspiel unter dem Titel Die Regentschaft. Sein Nachlass, dessen größter Teil verschollen ist und den Ernst von Feuchtersleben 1842 als Hinterlassene kleinen Schriften in drei Bänden herausgibt, enthält Auszüge umfangreicher wissenschafts- und staatstheoretischer Schriften, die von Meyern nach 1805 geschrieben hat.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Diterich, Helmut (1971): Der Ansbacher Kreis. In: Buhl, Wolfgang (Hg.): Fränkische Klassiker. Eine Literaturgeschichte in Einzeldarstellungen mit 255 Abbildungen. Verlag Nürnberger Presse, Nürnberg, S. 378-395.

Griep, Wolfgang: Meyern, Wilhelm Friedrich von. In: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 397f., http://www.deutsche-biographie.de/ppn118868403.html, (09.07.2015).


Externe Links:

Literatur von Wilhelm Friedrich von Meyern im BVB

Literatur über Wilhelm Friedrich von Meyern im BVB

Wilhelm Friedrich von von Meyern in der BLO

Digitalisate im Münchener DigitalisierungsZentrum

Wilhelm Friedrich von Meyern bei Wikisource

Kommentare

Maik Schnitzler am 21.10.2017 um 12:49

Wie können Schriften aus dem 18. Jahrhundert die "politischen und philosophischen Zeitströmungen (von Jean Paul über Clausewitz bis Friedrich Ludwig Jahn) in sich" aufnehmen und destillieren?



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