Info
Geb.: 28. 6.1910 in Baden-Baden
Gest.: 10.9.2005 in Venedig
Erich Kuby beim Vortrag von Hans Habe in München am 1. Oktober 1954 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Namensvarianten: Alexander Parlach

Erich Kuby

Erich Kuby wird am 28. Juni 1910 in Baden-Baden geboren und kommt 1913 mit seinen Eltern ins bayerische Voralpenland, wo diese einen Bauernhof bewirtschaften. Nach dem Ersten Weltkrieg zieht die Familie nach Weilheim, dort besucht Erich Kuby das Gymnasium. Das Abitur schließt er extern in München ab und studiert in Erlangen und Hamburg Volkswirtschaft. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitet er im Bildarchiv des Berliner Scherl-Verlags.

Erich Kuby erlebt den Zweiten Weltkrieg vom 6. Oktober 1939 bis zum 16. Juni 1945 als einfacher Soldat der Wehrmacht. Tag für Tag schreibt er in kürzeren oder längeren Notizen oder in Briefen auf, was er im Kriegsalltag erlebt. Das Schreiben dient ihm als Überlebensmittel: „Es war das Seil, an dem ich mich wie am Griff in einem Autobus festgehalten hatte“, kommentiert er in einem Lebensrückblick seine täglichen Notizen. 10000 Blätter und Blättchen, die in jenen Jahren entstanden sind, haben den Krieg überdauert. Aus dieser minutiösen Chronik eines Soldatenlebens entsteht 1975 das Antikriegsbuch Mein Krieg. Aufzeichnungen aus 2129 Tagen, das von seiner Gültigkeit bis heute nichts eingebüßt hat.

Erich Kubys journalistische und publizistische Karriere beginnt im Nachkriegsdeutschland. Nach neun Monaten Kriegsgefangenschaft machen ihn die Amerikaner 1945 zunächst zum Berater der „US-Information Control“ in München und betrauen ihn mit der Aufgabe, an der Neugestaltung des bayerischen Verlagswesens mitzuwirken. In den Jahren 1946/47 wird Kuby als Nachfolger von Alfred Andersch und Hans Werner Richter zum Mitarbeiter und Chefredakteur der Zeitschrift Der Ruf, die in München erscheint. 1948 entheben ihn die Amerikaner dieser Stellung. Werner Friedmann wirbt ihn für die Süddeutsche Zeitung an, für die er 10 Jahre lang als Redakteur arbeitet. Dann führt ihn sein Weg als Redakteur zur Welt, zum Stern und zum Spiegel. Nebenbei entstehen Hörspiele, Drehbücher und Bücher mit programmatischen Titeln wie Mein Krieg (1975), Mein ärgerliches Vaterland (1989) und schließlich der Welterfolg Rosemarie, des deutschen Wunders liebstes Kind (1958).

Im Sommer 1965 darf Erich Kuby auf Anordnung des Rektorats der Freien Universität Berlin nicht an einer Diskussion über das Thema „Restauration oder Neubeginn – die Bundesrepublik Deutschland 20 Jahre danach“ teilnehmen, weil er sich sieben Jahre zuvor kritisch über den Namen Freie Universität geäußert hatte. Die Folge sind massive Studentenproteste gegen dieses Redeverbot. Vor Zerwürfnissen mit seinen Verlegern schreckt Erich Kuby nicht zurück. Er lässt sich nicht vereinnahmen, lieber trennt er sich von einer Zeitung. Die Wahrung dieser unabhängigen Haltung führt jeweils zum Abschied beim Stern und beim Spiegel.

Für seine Gesellschaftskritik erhält Erich Kuby von Heinrich Böll den durchaus anerkennenden Titel „Nestbeschmutzer von Rang“. Der Krieg, die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland und der Kampf gegen die Wiederbewaffnung sind seine zentralen Themen.

1992 verleiht die Landeshauptstadt München Erich Kuby den eben erst neu geschaffenen Publizistikpreis, der seither alternierend mit dem Literaturpreis vergeben wird. Bei diesem Preis, von Kuby im Alter von 83 Jahren entgegengenommen, handelt es sich um die erste und einzige Auszeichnung überhaupt, die er für sein Werk zu Lebzeiten erhält. Der Kurt-Tucholsky-Preis der Tucholsky-Gesellschaft wird ihm 2005 posthum verliehen.

Die letzten 25 Jahre seines Lebens verbringt Erich Kuby in Venedig, von wo aus er die deutsche Realität verfolgt und noch bis Ende 2003 kommentiert. Er schreibt für den Freitag die Kolumne „Der Zeitungsleser“. Dann hört der 93-Jährige auf zu schreiben, zeichnet und aquarelliert aber noch bis an sein Lebensende. Er stirbt im Jahr 2005 im Alter von 95 Jahren in Venedig.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek


Externe Links:

Literatur von Erich Kuby im BVB

Literatur über Erich Kuby im BVB

Artikel bei Spiegel Online

Schlagwort Erich Kuby in Zeit Online

Kommentare

Bob Redman am 17.05.2015 um 04:20

Darf ich diese Kurzbiographie auf meiner Webseite über Kuby benutzen?



Peter Czoik am 18.05.2015 um 17:01

Sehr gerne. Wichtig wäre nur, dass Sie einen Link auf das Literaturportal Bayern (http://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118567403) unter Angabe des Verfassers "Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek" setzen.



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