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25.08.2012, 12:55 Uhr
Peter Czoik
Gespräche

Erlanger Poetenfest: Interview mit Michael Jordan

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbblogs/erlangen_blumenfresserplakat_200.jpg

Das Nürnberger Literaturmagazin Blumenfresser gibt mit seiner aktuellen dritten Ausgabe faszinierende Einblicke in die Welt der Literatur und des Comic: Unterschiedliche SchriftstellerInnen und Comic-ZeichnerInnen aus Deutschland, Österreich und Schweden wurden dazu eingeladen, Arbeiten zu dem Thema „Arten“ zu liefern. Dabei entstanden sehr eigenwillige Beiträge, die in einer Ausstellung im Gummi-Wörner im Rahmen des 32. Erlanger Poetenfests jetzt präsentiert werden. Wir sprachen mit Michael Jordan, dem künstlerischen Leiter dieser Ausstellung.

Herr Jordan, wie kamen Sie dazu, über die Zeitschrift Blumenfresser eine Ausstellung zu machen?

Ich wollte präsentieren, was in dem Heft entstanden ist. Mein Medium als Comic-Zeichner ist die Ausstellung, während das Heft, die Zeitschrift, das Medium von den Literaturleuten ist. Wir hatten dann die Präsentation in Zagreb, was insofern kurios ist, als wir ursprünglich eine Ausstellung zum Internationalen Comic-Salon mit einem kroatischen Künstler machen wollten. Ich war eigentlich nur davon ausgegangen, das Goethe-Institut um einen Fahrkostenzuschuss zu bitten, als man mir sagte, dass man eine Veranstaltung zum Thema „Comic & Literatur“ und Aisha Franz – die übrigens auch in dem Heft vertreten ist –, konzipieren möchte. So kam es dann, dass wir mit einer kroatischen Comic-Gruppe, den Komikaze, eine gemeinsame Ausstellung in Zagreb gemacht und mit eben dieser Heft-Präsentation verbunden haben.

Gibt es eine Zeichnung, die im Mittelpunkt Ihrer Ausstellung steht?

Nein, nicht wirklich. Ich habe versucht, alle Comics gleich schön zu präsentieren. Interessant ist aber die unterschiedliche Herangehensweise. Bei manchen Comics ist das, was zu sehen ist, nur ein Zwischenprodukt und wird erst am Computer zu Ende gebracht, bei anderen ist mehr das Ganze, das Werk, entscheidend. Das krasseste Beispiel ist vielleicht Jul Gordon, die sehr schnoddrig damit umgeht. Da wird etwas weggefetzt, drübergeklebt, unterschiedliche Papiersorten kommen zum Einsatz, irgendwas wird ausgeschnitten, was nicht hingehört.

Ein solches Verfahren ist eher untypisch für ein Comic...

Das würde ich nicht sagen. Das Papier ist nicht so wichtig, es geht nicht um das „schöne“ reine Bild. Eher um den Arbeitsprozess, der sich im Comic bei Jul Gordon abspiegelt. Ich persönlich finde Comics, die so perfekt, schon fast wie eine gedruckte Seite sind, nicht so spannend. Ich meine als Original zum Angucken, wenn man kaum einen Unterschied mehr zum gedruckten Heft sieht. Im Gegensatz zu Gordon steht wiederum der Schwede Dan Wirén, der eigentlich perfekte Bilder abliefert, die virtuos und abstrakt zugleich sind.

Leute in einem Gebäude: Einblicke in Jul Gordons Comic; schöne Bilderflucht oder Arten, den Salat zu waschen. Text von Nina Delante, Zeichnung von Michael Jordan

Nach welchen Kriterien haben Sie die Comics ausgewählt? Unter dem Thema „Arten“ lässt sich ja viel verstehen.

Wir hatten keinen Open-Call, wir haben unsere Kandidaten direkt angesprochen und eingeladen, zu dem Thema „Arten“ etwas zu arbeiten. Die Zusammenarbeit war sehr unterschiedlich. Zum Teil war es die klassische Illustration, z.B. von Simon Häussle, dem haben wir Texte von Ron Winkler geschickt, unter der Vorgabe sich einen auszusuchen und dazu etwas zu zeichnen. Bei diceindustries, einem Zeichner aus Hamburg, war der Weg umgekehrt: da lag zunächst eine Skizze zu einer Serie von ihm vor, die wir dann an einige Autoren verschickt haben. Die Autorin Christine Marendon hat schließlich etwas dazu geschrieben. Im Heft selbst wollten wir eine Gleichberechtigung von Text und Zeichnung. Wenn  man eine klassische Literaturzeitung hat, merkt man, dass Illustrationen einen eher untergeordneten Stellenwert haben. Uns ging es mehr darum, beide Medien in ihrer Unterschiedlichkeit zu zeigen. Was sich auch in den Autorangaben widerspiegelt: Bei Autoren ist es normalerweise üblich, dass die Namen immer beim Text mit dabei stehen, während bei Zeichnern die Namen erst hinten im Inhaltsverzeichnis genannt werden.

Bei einem der Bilder sticht diese Eigenständigkeit, von der Sie sprechen, förmlich ins Auge. Der Text oder die Schrift steht in dicken Lettern über der Zeichnung...

Ja, ich fand das ganz passend zur Ausstellung. Das Bild ist von mir und der Text von Nina Delante, den wir auch gerade im Hintergrund hören. Der Text erfährt dabei über die unterschiedlichen Übersetzungen in andere Sprachen eine leichte Bedeutungsverschiebung. „Arten, den Salat zu waschen. Ich warte, bis es regnet, und stelle mich mit dem Salat vor die Tür“ wird zu „Methoden zum Salate waschen. Ich warte, bis es regnet, und präsentiere die Salate an der Tür“. Die Zeichnung selbst hat so eine Anmutung wie aus dem Sprachlabor, was, glaube ich, ganz gut zu diesem Sprachengewirr im Text passt.

 

Mitarbeit: Susanne Taschner

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Die Ausstellung findet noch bis morgen, 26. August, im Gummi Wörner in Erlangen statt. Das Heft zur Ausstellung kann man hier beziehen.

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Information über Michael Jordan

Geboren 1972 in Erlangen (D), lebt als Zeichner und Druckgrafiker in Fürth. Studierte Medien-Illustration in Hamburg, anschließend Druckgrafik an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. 1999 errang er einen 1. Preis beim Internationalen Comixwettbewerb des Fumetto (Luzern, CH); 2002 war er UNESCO-Stipendiat an der Faculty of Fine Arts in Chiang Mai, Thailand. Seit 2003 arbeitet er mit der Künstlergruppe TONTO-COMICS aus Graz zusammen, von 2008 bis 2010 lehrte er als Stiftungsprofessor Illustration an der HfG Offenbach. Seine Werke wurden bereits unter anderem in Stockholm, Wien und Berlin ausgestellt.

www.ansichten-des-jordan.de

comics.tonto.at



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