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Geb.: 28. 1.1900 in Podwoloczyska
Gest.: 3. 5.1996 in Riehen bei Basel
Hermann Kesten beim Vortrag zur Diskussion "Die Situation der deutschen Literatur 1952", 3. November 1952 (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)
Titel: Dr. h.c.

Hermann Kesten

Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns wächst ab 1904 in Nürnberg auf, wo er die Volksschule in der Bismarckstraße und das humanistische Melanchthon-Gymnasium besucht. Nach dem Abitur 1919 studiert er in Erlangen, Frankfurt und Rom zunächst Volkswirtschaft und Jura, dann Geschichte, Germanistik und Philosophie. Obwohl er an einer Dissertation über Heinrich Mann arbeitet (das Manuskript geht 1922 verloren), bricht er das Studium 1923 ab. Nach Reisen durch Europa und Nordafrika arbeitet Hermann Kesten ab 1928 als Lektor und Leiter beim Kiepenheuer-Verlag in Berlin, der durch ihn schnell zum „Zentrum der modernen deutschen Literatur“ (Marcel Reich-Ranicki) avanciert. In diese Zeit fallen auch die Freundschaften mit den Schriftstellerkollegen Erich Kästner, Josef Roth, Ernst Toller und Klaus Mann.

1933 flieht Kesten vor den Nazis nach Paris und lebt abwechselnd in Paris, Nizza, Sanary-sur-Mer, Amsterdam und Ostende. Er betreut jetzt beim Verlag Allert de Lange in Amsterdam die deutschen Exilautoren. Nach Kriegsausbruch wird er in den Lagern Colombes und Nevers als „feindlicher Ausländer“ interniert; es gelingt ihm jedoch zu fliehen und nach New York zu emigrieren. Dort ist Kesten – zusammen mit Thomas Mann – als „Honory Advisor“ im Emergency Rescue Committee für verfolgte deutsche Intellektuelle zuständig. Ab 1949 lebt er abwechselnd in Rom, New York und in der Schweiz, 1952 übersiedelt er endgültig nach Europa und hält sich bevorzugt in Rom, Paris und München auf. Schon im Oktober 1949 ist Kesten nach seinem Heimatort Nürnberg zurückgekehrt, zu dessen Ehrenbürger er schließlich 1980 erklärt wird und als der er noch 1993-95 öffentliche Ehrungen erhält (u.a. für die Stiftung der Preissumme des 1. Nürnberger Menschenrechtspreises 1995).

Kesten, dessen Werk zahlreiche Romane, Erzählungen, Dramen, Biografien, Essays, Editionen, Übersetzungen und auch Lyrik umfasst, gilt als einer der herausragenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Deutschland. Ähnlich wie Erich Kästner verfolgt er ironisch-satirische Gesellschaftskritik in aufklärerischer Absicht. Während er in seinen frühen Romanen (Josef sucht die Freiheit, 1927; Ein ausschweifender Mensch, 1929) die Auflehnung gegen Zwänge der bürgerlichen Gesellschaft thematisiert, verfasst er im Exil biografische Romane über historische Persönlichkeiten (Ferdinand und Isabella, 1936; König Philipp der Zweite, 1938), die zeitkritisch die Gegenwart spiegeln: Geist und Macht, Freiheit und Diktatur sind dabei u.a. die widerstreitenden Kräfte.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Boeck, Alice (2004): Hermann Kesten (28.1.1900 – 3.5.1996). Streitbarer Pazifist und Menschenfreund. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 177f.


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