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Frequenz: Eingestellt. Erscheint 1841-1940 wöchentlich
Preis: 30 Pfennig
Ort: München
Hg.: Georg Hirth, Franz Schoenborner
Verlag: Verlag der Jugend
Inhalt: Kunst, Satire, Literatur
Seitenanzahl:
ca. 20 Seiten

Jugend

Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben

Georg Hirth (1841-1916), Redakteur u.a. der Gartenlaube, der Augsburger Allgemeinen, Mitinhaber und Leiter von Münchner Neueste Nachrichten, gründet 1896 die Jugend als Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben:

„Die Erwägung, dass unter den zahlreichen in Deutschland erscheinenden illustrirten Wochenschriften sich keine einzige befindet, welche den Ideen und Bestrebungen unseres sich immer reicher gestaltenden öffentlichen Lebens in künstlerisch durchaus freier Weise gerecht wird, hat uns zu dem Versuche ermuthigt, diese offenbare Lücke unserer Zeitschriftenliteratur auszufüllen.“

Der Name der Zeitschrift soll dem Zielpublikum entsprechen, wobei Hirth ausdrücklich betont, dass Jugend keine Frage des Alters, sondern des Herzens sei. In dieser Hinsicht ist auch das Gedicht Gruss an die Jugend von Richard Schmidt-Cabanis zu verstehen, mit dem das erste Heft eröffnet wird:

Der Jugend, die aus der Seele staunt,
Und die trotz weisser Haare
Für alles Grosse sich noch entflammt
und Schöne und Gute und Wahre.

Die Jugend legt sich nicht auf ein Programm fest, sondern bringt alles, was „schön, gut, charakteristisch, flott und echt künsterlisch ist.“ Karikaturen, Zeichnungen und Grafik, Epigramme, Gedichte, Prosa, sogar Lieder samt Noten werden gedruckt. Zwischendurch erscheinen Sonderhefte zum Beispiel zum Thema Skisport, zu Carl Spitzweg oder zur Russischen Kunst und Literatur.

Das erste Heft der Jugend erscheint am 11. Januar 1896 im eigenen Verlag. Redakteur seit der ersten Ausgabe ist Fritz von Ostini. Literarische Beiträge liefern u.a. auch Peter Paul Althaus, Richard Billinger, Ludwig Ganghofer, Hanns von Gumppenberg, Erich Kästner, Hermann Kesten, Christian Morgenstern, Erich Mühsam und Jakob Wassermann.

Die Jugend wird vor allem mit ihren Illustrationen bekannt. Die Zeitschrift wird Namensgeberin für den Jugendstil in Kunst und Literatur. In diesem Stil sind auch die zahlreichen Reklame-Anzeigen in der Zeitschrift illustriert und gestaltet. Die Jugend will gezielt einen freien künstlerischen Ausdruck fördern. Zur Anregung veranstaltet sie künstlerische Wettbewerbe. Wichtigen Einfluss auf die Gestaltung der Zeitschrift nehmen vor allem Arnold Böcklin, Franz von Stuck, Emil Nolde, Ernst Barlach, Julius Klinger, Lovis Corinth und Heinrich Kley.

Unter der Herausgeberschaft von Georg Hirth erfreut sich die Jugend großer Beliebtheit. Georg Hirth stirbt 1916 mitten im Ersten Weltkrieg, den er nicht nur mit der Jugend, sondern auch mit pragmatischen Erfindungen wie einem Vitamin-Präparat für Soldaten unterstützt hat.

Eine neue Blüte erlebt die Jugend ab 1927 unter der Schriftleitung von Franz Schoenborner. Unter ihm verschärft sich der Ton der Zeitschrift und der Schwerpunkt liegt nun auf der Satire. Autoren wie Erich Kästner und Künstler wie George Grosz liefern jetzt Beiträge.

Nach der Machtergreifung 1933 passt sich die Jugend der Linie der Nationalsozialisten an. Trotzdem wird sie 1940 eingestellt.

Sämtliche Jahrgänge wurden von der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar digitalisiert und sind online zugänglich. Alle Zitate dieses Artikels sind Heft 1, Jg. 1 vom 11. Januar 1896 entnommen.

Kommentare

Andreas M. Bräu am 15.02.2013 um 13:51

eine grandiose Theaterkarikaturenserie im ersten Heft 1896!



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