Info
Geb.: 15. 6.1854 in München
Gest.: 11.7.1925 in München
Foto: Ingvild Richardsen/Haushofer-Archiv
Namensvarianten: geb. Merk, verh. Emma Haushofer-Merk (seit 1902)

Emma Haushofer-Merk

Emma Haushofer-Merk, geb. Merk ist eine erfolgreiche Münchener Autorin ihrer Zeit, die zahlreiche Novellen und Romane veröffentlicht und für bekannte Zeitschriften schreibt. Sie gilt als große Kennerin Bayerns und spielt zu Lebzeiten eine führende Rolle in der bürgerlichen Frauenbewegung Bayerns. Mit Vorliebe stellt sie in ihren Werken München und das Leben seiner Bewohner im Wandel der Zeit dar. Stets wird ihr bescheinigt, wie treffend ihr das gelingt. Doch thematisiert sie auch immer wieder die Beziehung zwischen Mann und Frau, die Rolle und das „Recht“ der Frau. Kennzeichnend für ihr Erzählen ist die psychologische Perspektive.

Emma Merk stammt aus der alten wohlsituierten Münchener Künstlerfamilie Merk und wird 1854 in der Schönfeldstraße 8 geboren. Ihr Vater, Eduard Merk (1816-1888), ist Genre- und Historienmaler, und so verkehrt sie von Kind auf in Künstler- und Malerkreisen: Hier lernt sie auch Max Haushofer kennen, ihren zukünftigen Mann und den späteren Professor der Nationalökonomie, Politiker und Dichter. Die Sommermonate verbringt der Maler Merk mit seiner Familie am Tegernsee, im Werdenfelser Land, in Südtirol und am Chiemsee. Und so dienen diese Orte später oft als Kulisse ihrer literarischen Werke. Bis zum Alter von sechzehn Jahren besucht Emma Merk das Mädcheninstitut von Therese Ascher. 1875, mit 21 Jahren, veröffentlicht sie ihre erste Novelle und erregt bald Aufsehen als Autorin von Novellen und Feuilletons. In den 1880er- und 1890er-Jahren publiziert sie in bekannten zeitgenössischen Zeitschriften: Die Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Die Gartenlaube, Ueber Land und Meer und Vom Fels zum Meer. 1886 erscheint ihr Debütroman Ein Liebestraum in der Deutschen Romanbibliothek. 1893 publiziert sie den Band Evas Töchter mit Illustrationen des Graphikers Emanuel Spitzer (1844-1919). Humorvoll führen beide vor, wie ein bürgerliches Frauenleben im Fin de Siècle aussieht. Das Werk stellt ein wichtiges kulturhistorisches Zeugnis dar, denn es zeigt, welche Rollenvorstellungen das Bürgertum im 19. Jahrhundert prägen. Vor der Jahrhundertwende veröffentlicht sie mehrere Novellenbände, darunter die vielgelobten Chiemseenovellen (1897), publiziert auch Artikel in Die Jugend und im Simplicissimus und engagiert sich nun auch als Frauenrechtlerin. Seit 1894 ist sie in dem von Anita Augspurg gegründeten späteren Verein für Fraueninteressen e.V. im Vorstand tätig. Er hat großen Anteil daran, dass sich die bürgerliche Frauenbewegung, die 1865 in Leipzig begonnen hat, in Bayern verbreiten kann. Diese bekämpft die traditionellen Rollenvorstellungen und tritt für mehr Rechte der Frauen und Mädchen ein. Merk führt nun auch einen Salon, der Treffpunkt der „bewegten Frauen“ ist, aber auch jahrzehntelang von Künstlern, Schriftstellern und Gelehrten besucht wird. 1902 heiratet sie ihren langjährigen Freund Max Haushofer. Im gleichen Jahr erscheint Drei Frauen. Ein Münchner Roman, in dem sie ein Jahrhundert München vorführt. Nach dem Tod ihres Mannes 1907 stürzt sie sich in Arbeit. Hervorzuheben unter ihren vielen Werken ist der 1909 in Reclams Universalbibliothek veröffentlichte Band Seine Frage und andere Novellen. Hier wird sie als Autorin gerühmt, die „auf dem Gebiete der psychologischen Novelle seit einigen Jahren schöne Erfolge erzielt hat“. Als 1913 der Roman Der Pakt mit dem Himmel erscheint, lobt die Neue Freie Presse Wien: „Ein Klosterroman, in dem uns die Verfasserin mit aller psychologischen Feinheit [...] ein junges Mädchen schildert, das gegen eine Freude und Glück verleugnende Weltanschauung kämpft“. Ludwig Thoma und Georg Queri präsentieren sie 1913 in ihrem Bayernbuch. Hundert bayrische Autoren eines Jahrtausends als „Verfasserin zahlreicher psychologischer Novellen und Skizzen“.

Von 1912 bis 1913 übernimmt sie die Leitung des Vereins für Fraueninteressen. Dann gründet sie mit der Schriftstellerin Carry Brachvogel 1913 den Verein Münchener Schriftstellerinnen. Zweck ist der „Zusammenschluss der in München lebenden Schriftstellerinnen und Journalistinnen zur Besprechung beruflicher Fragen und zur Vertretung künstlerischer und wissenschaftlicher Interessen“. Ricarda Huch, Annette Kolb, Helene Böhlau, Elsa Bernstein, Isolde Kurz und andere treten bei. Alle Mitglieder dürfen „Arbeiten nicht zu Schleuderpreisen oder umsonst abgeben, damit mit dem bei vielen Redaktionen herrschenden Vorurteil gebrochen werden kann, dass Frauenarbeit billiger entlohnt werden dürfe als Männerarbeit“. Obwohl sie im Ersten Weltkrieg sehr im Verein beansprucht ist, publiziert sie 1914 den Band Luxuspflänzchen und andere Novellen in Reclams Universalbibliothek und 1917 Die Lierbachs-Mädeln. Ein Münchener Roman, der im Malermilieu um 1870 spielt. Einige Werke, die in den 1920er-Jahren erscheinen, werden als „Meisterwerke“ gefeiert, so Die Gewissensbisse des Ignatius Stupfer und das Lieserl. Zwei Erzählungen aus dem Alten München (1921) und Es wetterleuchtete. Münchener Roman aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts (1922). Zu ihrem Siebzigsten gratulieren der Münchener Stadtrat und der Deutsche Schriftstellerinnenbund Berlin. In Zeitungen wird sie gepriesen für ihre psychologische Charakterisierungskunst, den Humor und die weltfreudige Lebensauffassung, die sich in ihren Werken spiegelt. Bewundert wird, wie authentisch sie das Lokalkolorit Münchens trifft und speziell das „alte München“ darstellen kann. Als Jacob Wolf in Die Münchnerin 1924 die Namen der Autorinnen nennt, die den „echten Münchener Roman“ schreiben können, nennt er Emma Haushofer-Merk an erster Stelle. Als sie 1925 stirbt, wird sie in der Presse als Schriftstellerin und „Vorkämpferin“ der Frauenbewegung gewürdigt. Ihr Grab lässt sich noch heute auf Frauenchiemsee besuchen.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Ingvild Richardsen

Sekundärliteratur:

http://www.zeno.org/Pataky-1898/A/Merk,+Frl.+Emma, (29.09.2015).

Brümmer, Franz (19136): Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. und Bd. 8. Leipzig.

Damm, O[skar]. F[riedrich]. (1909): Vorwort. In: Haushofer-Merk, Emma: Seine Frage und andere Novellen (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 5086). Reclam, Leipzig, S. 3f.

Haushofer, Heinz (1979): Emma Haushofer-Merk, der Altmünchner Roman und die Frauenbewegung. In: Ders.: Traditionen. Als Manuskript vervielfältigt. München, S. 158-166.

Queri, Georg; Thoma, Ludwig (Hg.) (1913): Bayernbuch. 100 bayrische Autoren eines Jahrtausends. Albert Langen, München.

Raff, Helene (1938): Blätter vom Lebensbaum. München, S. 213-217.

Richardsen, Ingvild (2015): Die Dichterin und Schriftstellerin des Alt-Münchener Lebens. In: Emma Haushofer-Merk: Alt-Münchener Erzählungen. Texte der Erstausgaben. Hg. und mit einem Vorwort und Nachwort versehen von Ingvild Richardsen (edition monacensia). Allitera Verlag, München, S. 8-17.

Dies. (2015): Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Emma Haushofer-Merk – „Carpe diem“. In: In: Emma Haushofer-Merk: Alt-Münchener Erzählungen. Texte der Erstausgaben. Hg. und mit einem Vorwort und Nachwort versehen von Ingvild Richardsen (edition monacensia). Allitera Verlag, München, S. 186-237.

Wedel, Gudrun (2010): Haushofer-Merk, Emma. In: Dies.: Autobiographien von Frauen. Ein Lexikon. Böhlau Verlag, Köln, S. 323.

Wolf, Georg Jacob (1924): Die Münchnerin. Kultur- und Sittenbilder aus dem alten und neuen München. München, S. 143-155.

Zils, W. (1913): Geistiges und künstlerisches München in Selbstbiographien. München, S. 149.


Externe Links:

Literatur von Emma Merk im BVB

Literatur über Emma Merk im BVB

Die ersehnte Stunde

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