Der Spaziergang besteht aus zwei Komponenten. Die erste (Station 1-15) hat eine Länge von ca. 10,6 km und dauert über 2 Std. (reine Laufzeit). Die zweite (Station 16-26) hat eine Länge von ca. 9,3 km und dauert ca. 2 Std. (reine Laufzeit).

Der folgende literarische Stadtspaziergang begibt sich auf die Spuren der modernen Frauenbewegung in München. Er zeichnet anhand der seit den 1890er-Jahren an vorderster Front engagierten Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerinnen wesentliche Etappen bis 1933 nach. Ins Blickfeld treten zum einen ihre Wohnhäuser, zum anderen die Orte und Lokalitäten, an denen sie sich damals privat und in öffentlichen Räumen getroffen und in ihren Netzwerken, dem Verein für Fraueninteressen, dem Münchner Schriftstellerinnen-Verein und dem Künstlerinnenverein, agiert haben. Der Spaziergang kann real und virtuell insofern auch auf unterschiedliche Weisen durchgeführt werden. Mann könnte sich beispielsweise vornehmen, einen Spaziergang nur zu den Wohnhäusern der Münchner Schriftstellerinnen zu unternehmen. Ein andermal könnte man sich dann die Orte vornehmen, an denen sie ihre Netzwerke aufgebaut und unterhalten haben.

Wenn man eine Linie zieht, ausgehend vom Marienplatz, von der nahegelegenen Burgstraße nach Nordosten, durch die Königinstraße hindurch, bis zur Höhe der Münchner Freiheit; von dort dann wieder einen Bogen nach Westen durch die Herzogstraße bis zur Adelheidstraße; dann wiederum eine Linie zieht durch die Augustenstraße nach Süden bis zur Elisenstraße und von dort über den Karlsplatz wieder zum Marienplatz zurück – dann hat man das Gebiet, in dem der größte Teil der Frauen und Männer, die in der Münchner Emanzipationsbewegung engagiert waren, wohnte und in den Vereinen auch die Orte für seine Veranstaltungen und seine Einrichtungen fand: Es sind dies die heutige Maxvorstadt und Schwabing.

Im Mittelpunkt des Spaziergangs stehen: die damals deutschlandweit bekannten Schriftstellerinnen Carry Brachvogel und Emma Merk, die beide 1913 den Ersten bayerischen Schriftstellerinnenverein gründen und dafür sorgen, dass sich auch der Beruf der Schriftstellerin für Frauen etablieren kann, und die auch den Ruf haben, dass sie am besten den sog. Münchner Roman schreiben können. Wichtig ist auch die Malerin und Dichterin Marie Haushofer, die 1899 das Festspiel für den Ersten bayerischen Frauentag schreibt. Des weiteren die Jugendstilkünstlerin und Schriftstellerin Emmy von Egidy und die Schriftstellerin Helene Böhlau, die stellvertretend für so viele andere Künstler- und SchriftstellerInnen stehen, die es in den 1890er-Jahren in das so kunstsinnige München führt. In das Blickfeld tritt dann auch die damals deutschlandweit bekannte Schriftstellerin und Feuilletonistin Eva Gräfin von Baudissin, die 1908 von Lübeck nach Schwabing zieht und hier sofort Teil der modernen Frauenbewegung wird. 1914 gründet sie den Münchner Frauenklub, eine internationale Vereinigung. Und 1933 ist sie diejenige, die den Ersten bayerischen Schriftstellerinnenverein auflösen muss.

Der Spaziergang beginnt in der damaligen Schönfeldvorstadt, einem Stadtteil, der heute zur Maxvorstadt zählt. Das Quartier im Bereich der Schönfeldstraße, Königinstraße und Von-der-Tann-Straße war damals die „Keimzelle“ der bürgerlichen Frauenbewegung in München. Hier lebten bei ihrer Entstehung alle Hauptprotagonistinnen. Die Schönfeldvorstadt war die erste vom Staat geförderte und auf öffentlichem Grund nach einheitlichen Richtlinien gebaute Siedlung außerhalb der Festungsmauern Münchens. Sie entstand damals als ein Ableger des 1789 von Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, projektierten Englischen Gartens. Angelegt wurde die Schönfeldvorstadt nördlich des Hofgartens auf den Obstgärten und Äckern des vom Englischen Garten bis zur Schwabinger Landstraße reichenden „Schönfeldes“. Aufgrund der damals erfolgten ursprünglichen Bebauung mit kleineren, in Gärten gelegenen Wohnhäusern besaß sie den Charakter einer Gartenstadt und lag in der Nähe von Residenz und Innenstadt in einem gehobenen Wohnviertel. Hier lebten Aristokraten und vermögende Bürger, Staatsbeamte, Handwerksmeister und Kaufleute.

 


Spaziergang starten (Münchner Schriftsteller- und Frauenrechtlerinnen: Wohnhäuser): Station 1 von 15 Stationen



Spaziergang starten (Netzwerke der modernen Frauenbewegung: Orte und Treffpunkte): Station 16 von 26 Stationen


 

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Ingvild Richardsen

Herz, Rudolf (1986): Von-der-Tannstraße 15. Zur Geschichte eines Hauses und seiner Straße. Hof-Atelier Elvira. 1887-1928. Ästheten, Emanzen, Aristokraten, S. 43-62, hier S. 43f.

Richardsen, Ingvild (2017): Auf den Spuren der vergessenen Künstlerinnen von Frauenchiemsee. Volk Verlag. München.

Dies. (Hg.) (2018): Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894-1933. Volk Verlag. München.

Verein für Fraueninteressen (Hg.) (1994): Renate Lindemann: 100 Jahre Verein für Fraueninteressen. München, S. 89-91.

 

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