Info
Geb.: 11.12.1853 in Landsberg am Lech
Gest.: 3.11.1912 in Schliersee
Lichtdruck nach einer Zeichnung. Aus: Paul Heyse: Das literarische München. München 1899, S. 12 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)
Titel: Kgl. Hofrat
Namensvarianten: Anton Alexander Albrecht Freiherr von Perfall

Anton von Perfall

Der aus einer seit dem 15. Jahrhundert in Bayern ansässigen Adelsfamilie stammende Perfall besucht das Gymnasium in Augsburg und München und studiert 1872-77 ohne Abschluss Philosophie und Naturwissenschaften in München. Durch seinen Onkel Karl lernt er die bekannte Schauspielerin am Wiener Burgtheater, Magda Irschick, kennen, mit der er seit 1877 verheiratet ist, und begleitet sie auf ihren Tourneen durch Europa und Amerika. 1883 lässt er sich mit ihr in einem Landhaus am Schliersee nieder. In malerischer Umgebung geht er hier seiner Jagdleidenschaft nach und schart einen kleinen Kreis von Jagdfreunden, Künstlern, Schauspielern sowie Musikern um sich.

Als Schriftsteller tritt Perfall seit den späten 80er Jahren in Erscheinung. Zu seinem Œuvre zählen etwa zwanzig Romane, einige Dramen, vor allem aber eine Fülle vielgelesener Jagderzählungen und -skizzen. Diese stehen in der Tendenz, die „Jagd“ als eine gegen Verstädterung und Industrialisierung gerichtete Standesbeschäftigung literarisch zu verklären, mit Anklängen an den Naturalismus Ländlich-Naturhaftes gegen die Dekadenz der Stadt ausspielend. Perfall steht dabei in der Nachfolge der oberbayerischen Landschafts- und Reiseliteratur Franz von Kobells, Ludwig Steubs oder Karl Stielers; stilistisch nähert er sich dem handfesten bzw. theoriefernen Detailrealismus seines Jugendfreundes, des Malers Wilhelm Leibl an, mit dem er sich bereits 1876/77 anfreundet und dessen berühmtes Bild „Der Jäger“ (1876) Perfall darstellt. Die Stoffe für seine Erzählungen entnimmt er jedoch fast ausschließlich seinen Jagderlebnissen. So wird Perfall selbst zu einer volkstümlichen Figur – noch der ihm 1912 am Ufer des Spitzingsees gewidmete Gedenkstein huldigt mehr dem populären Weidmann als dem Schriftsteller.

Mit seinen Dramen und Gesellschaftsromanen (Gift und Gegengift, 1890; König Erfolg, 1899; Das Gesetz der Erde, 1905) hat Perfall dagegen weniger Erfolg. Kulturhistorisch bemerkenswert ist sein Werk allemal, insofern das gesellschaftliche und künstlerische Leben Münchens vor dem 1. Weltkrieg – ähnlich den gesellschaftlichen Schilderungen Annette Kolbs – in relativ ungezwungener Weise dargestellt wird (vgl. den Roman Münchner Kindeln, 1904).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Koch OSB, Laurentius: Perfall, Anton Alexander Albrecht Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 184f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd116078774.html, (02.11.2011).


Externe Links:

Literatur von Anton von Perfall im BVB

Literatur über Anton von Perfall im BVB

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Der Jäger von Wilhelm Leibl

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