Info
Geb.: 15.12.1842 in München
Gest.: 12.4.1885 in München
Druck nach Holzstich nach einer Fotografie von Franz Seraph Hanfstaengl. Aus: "Leipziger Illustrirte Zeitung" vom 2. Mai 1885 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)

Karl Stieler

Karl Stieler wird als Sohn des königlich-bayerischen Hofmalers Joseph Stieler und dessen zweiter Frau Josephine von Miller in München geboren. Trotz seiner literarischen Neigungen hegt er einige Zeit den Wunsch, wie sein Vater Maler zu werden. Er entscheidet sich aber fürs Jusstudium, das er 1869 mit dem Staatsexamen und der Promotion abschließt. Am Bayerischen Reichsarchiv München wird er als Archivbeamter angestellt. Seit 1882 ist er hier Assessor.

Am 27. Mai 1871 heiratet Stieler die Nürnberger Kaufmannstochter Mary Bischof, mit der er drei Töchter hat, von denen Dora Stieler die dichterische Begabung des Vaters erben und drei Gedichtbände in Hochdeutsch und Mundart veröffentlichen wird. Karl Stieler selbst gehört wie seine Dichterkollegen Heyse und Geibel der literarischen Vereinigung Das Krokodil an und beteiligt sich an der Herausgabe illustrierter Prachtfolianten der Gründerzeit.

Seine eigenen literarischen Früchte spiegeln sich in Form von Reisebildern in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, aber auch Gedichtbänden wider. Bereits 1865 erscheint sein Lyrikband Bergbleamln, 1869 das Buch Posthornklänge mit Reisebildern. Sowohl schriftdeutsche Gedichte (Hochlandslieder, 1879; Neue Hochlandslieder, 1881; Ein Winteridyll, 1885) als auch – an Franz von Kobell erinnernde – Mundartlyrik (Weil's mi freut!, 1876; Habt's a Schneid!?, 1877; A Hochzeit im Gebirg, 1880; In der Sommerfrisch, 1883) zählen zu Stielers dichterischem Repertoire. Viele seiner Dichtungen entstehen in seinem Haus am Tegernsee.

In seinen Erlebniswelten konkurrieren der intellektuelle Großstädter und der volksnahe, auf die Jagd gehende naturverbundene Hochländer. Seine lyrischen Genrebilder aus dem Leben der bayerischen Landbevölkerung oszillieren dabei zwischen düster-satirischer und humoristischer Färbung. Weniger Erfolg haben indes seine „Stimmungsbilder“ aus dem Krieg von 1870/71, die 1886 postum unter dem Titel Durch Krieg und Frieden herauskommen und vom deutschnationalen Hurrapatriotismus durchzogen sind.

Im Winter 1884/85 zieht sich Stieler eine schwerwiegende Erkältung zu, von der er sich nicht mehr vollständig erholt: Nach einer Kahnfahrt im März 1885 wird er mit hohem Fieber nach München zurücktransportiert. Am 12. April stirbt Stieler in seiner Münchner Wohnung und wird drei Tage später nach Tegernsee überführt und beerdigt.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Muncker, Franz: Stieler, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 196-201, http://www.deutsche-biographie.de/pnd118618113.html?anchor=adb, (18.02.2012).

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Karl Stieler im BVB

Literatur über Karl Stieler im BVB

Karl Stieler in der BLO

Gedichte von Karl Stieler

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