Info
Geb.: 5. 5.1893 in Pfaffenhofen a.d.Ilm
Gest.: 30.8.1972 in München
Fotografie um 1934 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)

Joseph Maria Lutz

Der Sohn eines Bezirksschulrats studiert von 1911 bis 1913 an der Landwirtschaftlichen Hochschule Weihenstephan, von 1913 bis 1914 an der Technischen Hochschule München Landwirtschaft, kann aber wegen schwerer Kriegsverletzungen seinen Beruf als „Agrikultur-Chemiker“ nicht ausüben. Er ist gezwungen, seit 1921 sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, wobei er sich überwiegend altbayerischen Themen zuwendet. Bereits 1912 hat er seinen ersten Gedichtband Junge Welten veröffentlicht. Seit 1923 lebt Lutz mit kurzen Unterbrechungen als freier Schriftsteller in München.

Seinen künstlerischen Durchbruch hat er mit dem Roman Der Zwischenfall (1928), dem später unter weiteren Werken noch ein zweiter – Das himmelblaue Fenster (1947) – folgt. Thomas Mann urteilt über den Zwischenfall: „Scharf und lustig, künstlerisch und echt. Ludwig Thoma in seinen besten Tagen hätte es nicht besser gemacht.“ Neben Gedichten, Erzählungen, Novellen und Dramen erscheinen die vier Hauptstadtgedichte „Starkbier“, „Bierkeller“, „Oktoberfest“ und „Münchner Bierpferde“, ein Novellen- und Romanfragment sowie vier Aufsätze über Kunst (für eine finnische Zeitschrift), bald darauf das Hauptwerk Bayrisch, was nicht im Wörterbuch steht (1929), in dem sich Lutz für die Pflege der Mundart einsetzt. In seine erste Münchner Zeit fällt auch die Bekanntschaft mit dem Dichter Max Halbe, Vorstand des literarischen Kegelklubs Unterströmung im Scheidecker Garten mit Lutz als Schriftführer.

1931 zieht es Joseph Maria Lutz zurück in die Holledau, wo er mit seiner Frau ein hübsches Holzhaus im Tal des Prambaches bewohnt. 1933, drei Jahre nach Richard Billingers Spiel von den Rossen, entsteht hier seine Erzählung Der Kumpf, die Lutz bereits 1930 begonnen hat. Mit der Dramatisierung von Kobells G’schicht’ vom Brandner Kaspar unter dem Titel Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies (1934) gelingt ihm eine für ihn typische Verbindung von Lust- und Mysterienspiel. Das Stück erobert die deutschsprachigen Bühnen und etabliert Lutz als Hör- und Schauspielautor. Gedichte – wie „Der alte Bauer klagt um sein Weib“ – werden zu Volksliedern. Daneben entstehen das Holledauer Schelmenstück Der Geisterbräu sowie als eine Art dichterische Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich das verbotene Drama Der fremde Kaiser (beide 1937, letzteres 1993 postum uraufgeführt).

1938 verkauft Lutz sein Haus und zieht wieder nach München. In seinem neuen Haus, Schneemannstraße 13, schreibt er kleinere Geschichten, Aufsätze und Hörfolgen (u.a. zu Morgenstern, Kobell, Stieler, Thoma) und setzt sich mit dem Tod in immer wieder auftauchenden Variationen dichterisch auseinander. Während des Bombenkriegs 1943 wird Lutz nach Oberammergau ausquartiert. Wahrscheinlich nach der Rückkehr ins zerbombte München entsteht sein Gedicht „Meinem Bayernland“ (1945).

Nach der Entnazifizierung – Lutz ist 1933-45 Mitglied der NSDAP ohne Amt oder Rang und wird als Mitläufer eingestuft – bringt er eine Reihe von Werken heraus: 1946 den zum Gedächtnis des Bildhauers Anton Erlacher geschriebenen Sonettenzyklus Vater unser; 1947 das Singspiel Birnbaum und Hollerstaudn, eine bayerische Version der flämischen Legende vom Tod im Apfelbaum, in der Lutz noch stärker als zuvor Lust- und Mysterienspiel zusammenbringt; seinen zeitgleichen Münchner Roman Das himmelblaue Fenster; 1948 eine neue Fassung der Bayernhymne. Lutz wird Pressechef der ersten Nachkriegs-Passion in Oberammergau. In den 50er Jahren folgen dann Unmengen von Lokalspitzen für Zeitungen, heitere Erzählungen, Schulfunksendungen u.v.a. 1959 ist Lutz Mitbegründer der Münchner Turmschreiber, zwei Jahre darauf erster Preisträger des Bayerischen Poetentalers zusammen mit Eduard Stemplinger und Alfred Weitnauer.

Sein dichterisches Programm changiert ein Leben lang zwischen Vergänglichkeit und Schmunzeln: „Er wollte das Stille, Bescheidene zum Gegenstand seiner Dichtungen machen und das Positive beschreiben, um den Lesern Perspektiven für ihr eigenes Leben aufzeigen zu können. Nach Sprache, Stoffwahl und innerer Einstellung war Lutz vornehmlich ein bayerischer und ein bewußt christlicher Dichter.“ (Hans Pörnbacher)

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Bekh, Wolfgang Johannes (2004): Joseph Maria Lutz (5.5.1893 – 30.8.1972). Im Hintergrund die Frauentürme. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 144-146.

Pörnbacher, Hans: Lutz, Joseph Maria. In: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 570, http://www.deutsche-biographie.de/pnd119126575.html, (20.11.2011).

Rutsch, Franz (1992): Joseph Maria Lutz. Stationen seines Lebens (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm: D'Hopfakirm, 18). o.V., Pfaffenhofen an der Ilm.


Externe Links:

Literatur von Joseph Maria Lutz im BVB

Literatur über Joseph Maria Lutz im BVB

Joseph Maria Lutz in der BLO

Digitales Museum Joseph Maria Lutz

Bayernhymne nach Joseph Maria Lutz

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