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Münchner Turmschreiber

Die Schriftstellervereinigung Münchner Turmschreiber wird am 14. Oktober 1959 gegründet. Die damals anwesenden acht Autoren benennen sich nach dem Gründungsort, dem linken Isartorturm in München, in dem kurz zuvor das Valentin-Musäum eingerichtet worden ist. Die selbst gestellte Aufgabe der Gruppe lautet, „süddeutsche Denk- und Lebensart und das bayerische Wesen in schriftstellerischen Arbeiten zu gestalten und zu dokumentieren“. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde zählen Ernst Hoferichter und Eugen Roth. Schnell erreicht der Kreis der Münchner Turmschreiber einen großen Bekanntheitsgrad. Die Mitglieder betätigen sich in vielen literarischen Genres: In ihren Reihen finden sich Romanautoren, Erzähler, Lyriker, Dramatiker und Satiriker, aber auch Historiker, Wissenschaftler, Volkskundler, Journalisten, Essayisten und Drehbuchautoren.

Von 1959 bis 1979 setzt die damals noch rein männliche Autorengruppe unter der Führung von Hanns Vogel in ihren Arbeiten vorrangig eine traditionell geprägte bayerische Literatur fort. Unter der Leitung von Kurt Wilhelm wächst ab 1980 der Bekanntheitsgrad der Gruppe innerhalb der folgenden 20 Jahre über Münchens und Bayerns Grenzen hinaus und dies vor allem durch zahlreiche gut besuchte Leseveranstaltungen.

Als Kurt Wilhelm zur Jahrtausendwende die Leitung niederlegt, übernimmt im Jahr 2000 ein Dreierteam – Norbert Göttler, Erich Jooß und Alfons Schweiggert – die Verantwortung. Die Absicht, neben Bewährtem durch Reformen eine Weiterentwicklung der Autorengruppe zu forcieren, ist bis heute Programm. So öffnet sich der Kreis auch Schriftstellerinnen sowie mehreren ehemals dem avantgardistischen Friedl-Brehm-Kreis zugehörigen Autorinnen und Autoren, was auf die Gruppe eine belebende Wirkung ausübt. 2012 zählen die Münchner Turmschreiber 85 Mitglieder, 33 davon sind bereits verstorben.

Um eine Mitgliedschaft in der Vereinigung der Turmschreiber kann man sich nicht bewerben. Die Einladung erfolgt nach Beschluss der Mitglieder an ausgewählte, Literatur schaffende Persönlichkeiten. Voraussetzung ist stets, dass sich die betreffende Person durch entsprechende Buchveröffentlichungen bereits literarische Verdienste erworben hat.

Seit 1961 verleihen die Turmschreiber jährlich den Bayerischen Poetentaler. Der Preis heißt so, weil er von der Schriftstellergruppe an Persönlichkeiten oder Institutionen vergeben wird, die sich um Kunst und Kultur in Bayern herausragende Verdienste erworben haben.

„Die Turmschreiber“, so das Urteil des Journalisten Karl Ude, „haben durch ihr Wirken die literarische Szene hierzulande nicht nur verändert, sondern angereichert ... Es bleibt auch ihr Verdienst, dass es noch Ende des 20. Jahrhunderts eine respektable bayerisch geprägte Literatur gibt.“


Externe Links:

„Turmschreiber wagen Neuanfang“ und andere Pressestimmen

Kommentare

Schreibbohéme am 25.05.2017 um 19:02

Sie sind jung, sie sind talentiert, sie sind erfolglos. Also das blanke Gegenteil der Turmschreiber. Man kann sie aber auch in einem Turm lesen: Die Schreibbohéme!



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