Info
Geb.: 17.10.1815 in Lübeck
Gest.: 6. 4.1884 in Lübeck
Fotografie 1860 von Franz Seraph Hanfstaengl (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)
Namensvarianten: Franz Emanuel August Geibel, Emanuel von Geibel

Emanuel Geibel

Der Sohn eines reformierten Pfarrers besucht die Lübecker Katharinenschule, wo er sich als Musterschüler erweist und erste Gedichte schreibt. 1835 beginnt er ein Theologiestudium in Bonn, wendet sich aber schon bald der Philologie in Berlin zu; hier lernt er u.a. die Dichter Adalbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff und Willibald Alexis kennen. 1838 nimmt er auf Vermittlung Bettine von Arnims und Friedrich Carl von Savignys eine Hauslehrerstelle bei einem russischen Gesandten in Athen an, die er bis 1840 innehat. 

Während seiner Zeit in Griechenland vertieft sich die Freundschaft mit dem Altertumsforscher Ernst Curtius, mit dem er zusammen antike griechische Lyriker und Tragiker übersetzt (Klassische Studien, 1840). Nach seiner Rückkehr veröffentlicht Geibel 1840 seinen ersten Band Gedichte im romantischen Volksliedton, der schnell zum Publikumserfolg wird. Der preußische König stellt ihm Ende 1842 eine lebenslange Pension aus. In den Folgejahren hält sich Emanuel Geibel überwiegend bei Freunden wie Freiligrath, Kerner und Strachwitz auf; mit seinen gegen die Vormärzpoesie gerichteten Juniusliedern (1848) stellt er sich klar auf die Seite des politischen Konservativismus. 

1852 folgt Geibel einem Ruf König Maximilians II. von Bayern nach München, wo er eine Honorarprofessur für deutsche Literatur und Ästhetik übernimmt (ihm folgen später Friedrich Bodenstedt, Paul Heyse, Wilhelm Heinrich Riehl, Adolf Friedrich von Schack, Julius Grosse, Heinrich Leuthold, Wilhelm Hertz, Hermann Lingg und Felix Dahn). Neben Heyse wird Geibel bald zur Zentralgestalt der „königlichen Symposien“ und des Münchner Dichterkreises bzw. der aus ihm gegründeten Gesellschaft Die Krokodile. In bewusstem Gegensatz zum Jungen Deutschland und zur erstarkenden Literatur des Realismus huldigt diese einem klassizistisch-idealistischen Kult der schönen Form. 

Nach dem Kriegsjahr 1866 sucht Geibel wiederholt um seine Entlassung nach. Ein enthusiastisches Gedicht auf König Wilhelm I. führt zur Kündigung des bayerischen Ehrensolds, worauf Geibel vom preußischen König ein Gnadengehalt in Höhe von 1000 Talern erhält. Als „Reichsherold“ gefeiert und mit dem Ehrenbürgerrecht ausgezeichnet, lebt er seit 1868 wieder in seiner Heimatstadt Lübeck, wo er am 6. April 1884 stirbt. 

Mit seinen formal virtuosen Stimmungsgedichten, klassizistisch-epigonalen Dichtungen und patriotischen Gesängen (Zwölf Sonette für Schleswig-Holstein, 1846; Heroldsrufe, 1871) ist Emanuel Geibel der erfolgreichste Lyriker seiner Zeit. Seine volkstümlichen Gedichte schaffen es auf über 3600 Vertonungen, von denen heute nur noch „Der Mai ist gekommen“ oder „Wer recht in Freuden wandern will“ bekannt sind. Geibels Naturgedichte und Liebeslieder bleiben dem Stimmungsgehalt der Romantik verbunden; seit dem Aufenthalt in Griechenland kommen auch klassizistische Tendenzen hinzu, wobei Platen das große Vorbild bildet. 

Von seinen dramatischen Arbeiten sind dagegen nur die antikisierende Sophonisbe (1868), für die er 1869 den Schillerpreis erhält, sowie die Verwechslungskomödie Meister Andrea (1855) zu nennen. Bedeutender sind Geibels Übersetzungen antiker und romanischer Verskunst (Classisches Liederbuch, 1875; Spanisches Liederbuch, zusammen mit Paul Heyse 1852; Fünf Bücher französischer Lyrik, zusammen mit Heinrich Leuthold 1862).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Elschenbroich, Adalbert: Geibel, Franz Emanuel August von. In: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 139f., URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11853811X.html, (11.09.2012).

Pörnbacher, Karl (1967): Formkunst und Mundartdichtung. Literatur in München unter König Maximilian II. In: Dünninger, Eberhard; Kiesselbach, Dorothee (Hg.): Bayerische Literaturgeschichte in ausgewählten Beispielen II. Süddeutscher Verlag, München, S. 301-314.


Externe Links:

Literatur von Emanuel Geibel im BVB

Literatur über Emanuel Geibel im BVB

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Gedichte

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