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Geb.: 29.10.1906 in München
Gest.: 11.11.1991 in München
Franziska Bilek beim Salvatoranstich am 25. Februar 1955 im Gespräch mit Thomas Wimmer (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

Franziska Bilek

Franziska Bilek, am 29. Oktober 1906 in München als Tochter eines Schneidermeisters aus Böhmen geboren, besucht im Alter von 15 Jahren die Königliche Kunstgewerbeschule in München und studiert später an der Münchner Kunstakademie. Die Zeitschrift Jugend druckt ihre ersten Zeichnungen, und sie beginnt als Illustratorin für das Münchner Abendblatt und die Münchner Neuesten Nachrichten zu arbeiten. 1935 zieht sie in ihre Wohnung am Kosttor in der Münchner Innenstadt, wo sie von nun an lebt und arbeitet.

Auf Vermittlung des Malers und Zeichners Olaf Gulbransson, mit dem sie eine lebenslange Künstlerfreundschaft verbindet – beider Briefwechsel wird unter dem Titel Lieber Olaf! Liebe Franziska! 1950 veröffentlicht – erhält sie eine Anstellung beim Simplicissimus, für den sie von 1936 bis 1944 zeichnet und textet. Von 1946 bis 1950 setzt sie diese Arbeit für das Nachfolge-Blatt Simpl fort. Heiterer Olymp wird 1940 ihre erste Veröffentlichung in Buchform. Für die Münchner Abendzeitung zeichnet Franziska Bilek ab 1952 und erfindet 1961 die außerordentlich beliebte Figur „Herr Hirnbeiß“. Ihn und andere ihrer Figuren modelliert sie auch in Wachs.

Im Jahr 1964 führt die Abendzeitung eine Wahl zum „Herrn Hirnbeiß“ durch, an der sich über hundert Bewerber beteiligen. Die 13 ähnlichsten Finalisten werden in einer stundenlangen Endrunde, die mit Einlagen von Bally Prell, Roider Jackl, Emil Vierlinger, Showgirls und Schlagersängerinnen umrahmt ist, geprüft. Schließlich setzt sich Ferdl Goldhofer, Kartenabreißer an den Münchner Kammerspielen, mitsamt seinem Dackel als Gewinner durch.

Von 1956 bis 1962 fertigt Franziska Bilek Illustrationen für die Zeitschrift der BASF an, in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren bestückt sie mehrere Ausstellungen in München mit Zeichnungen und Illustrationen, beispielsweise in der Stuttgarter Buchhandlung, dem Valentin-Karlstadt-Musäum, dem Krauss-Maffei-Verwaltungsgebäude, aber auch im Mannheimer Kunstverein und der Städtischen Kunstsammlung Rosenheim. Darüber hinaus gestaltet sie Cover und Schutzumschläge für Bücher von Joseph Maria Lutz, Ernst Hoferichter, Leo Slezak, Max Kruse, Thaddäus Troll und anderen, veröffentlicht aber auch mehrere eigene Bücher wie München und ich (1969) und Mir gefällts in München (1958). Für eine Ausgabe der gesammelten Werke von Karl Valentin fertigt sie die Illustrationen an. Dabei entsteht der charakteristische Schattenriss der überlangen dürren Figur Valentins mit dem vorgeschobenen Kopf, der Melone und den zu großen Schuhen.

Mit Lothar Kuppelmayer, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, führt Franziska Bilek eine jahrzehntelange Lebenspartnerschaft. Mit Olaf Gulbransson und dem Satiriker und Karikaturisten Horst Haitzinger ist sie befreundet.

Im Jahr 1971 erhält Franziska Bilek die Ludwig-Thoma-Medaille und 1979 den Ernst-Hoferichter-Preis. Nach Franziska Bileks Tod am 11. November 1991 lebt die Figur des Herrn Hirnbeiß weiter – die Zeichnerin hat ein Konvolut von Hirnbeiß-Bildern hinterlassen, zu denen die Redaktion der Münchner Abendzeitung jeden Tag einen passenden Text verfaßt. 2005 benennt die Stadt München den Franziska-Bilek-Weg im Westend nach der Karikaturistin.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek


Externe Links:

Literatur von Franziska Bilek im BVB

Literatur über Franziska Bilek im BVB

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