Info
Geb.: 1.12.1893 in Samotschin
Gest.: 22.5.1939 in New York
Ernst Toller im Gefängnis Niederschönenfeld, Fotografie (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)

Ernst Toller

Ernst Toller wird 1893 in Samotschin (heute: Szamocin, Polen) als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Nach dem Abitur beginnt er ein Jurastudium in Grenoble. Als das Deutsche Reich am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärt, verlässt Toller das mit Russland verbündete Frankreich. Nur eine Woche später meldet er sich in München als Freiwilliger, 1916 bittet er um Fronteinsatz, kämpft bei Verdun und kehrt im Mai als Versehrter nach Deutschland zurück. Wie viele seiner Kameraden hat ihn der Krieg zum erklärten Pazifisten gemacht.

Ab 1917 studiert Toller an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, erst Jura und Philosophie, dann Literaturwissenschaft bei Artur Kutscher. Er lernt Kurt Eisner, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Max Weber kennen, beteiligt sich 1918 an der bayerischen Novemberrevolution, engagiert sich nach der Ermordung Eisners im Februar 1919 als Vorsitzender des Zentralrats sowie Abschnittskommandant der Roten Armee für die Münchner Räterepublik. Nach deren Niederschlagung wird er wegen Hochverrats verhaftet und – nur dank der Fürsprachen von Hugo Haase und Max Weber – im Juli 1919 nicht zum Tode, sondern zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, die er abwechselnd in den Gefängnissen Stadelheim, Eichstätt, Neuburg an der Donau und vor allem in Niederschönenfeld verbringt.

In dieser Zeit schreibt Ernst Toller die Dramen Die Wandlung, Masse Mensch, Die Maschinenstürmer und Hinkemann, die zu den wichtigsten des deutschen Expressionismus zählen. Außerdem entstehen Das Schwalbenbuch und Briefe aus dem Gefängnis, der zweite Teil seiner Autobiografie, deren erster Teil Eine Jugend in Deutschland ebenfalls erst später erscheinen wird.

Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 stürmt die SA Tollers Wohnung, der Autor befindet sich gerade auf einer Reise durch die Schweiz, kehrt nicht nach Deutschland zurück. Im Mai 1933 verbrennt man Tollers Bücher, im August wird ihm von den Nationalsozialisten die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er zieht zuerst nach London, emigriert dann in die USA. Er kämpft weiter gegen den Faschismus, der längst in Europa Fuß gefasst hat.

Am 22. Mai 1939, drei Tage nach Francos Siegesparade in Madrid, begeht Ernst Toller in einem New Yorker Hotelzimmer Selbstmord.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Barck, Simone (1994): Lexikon sozialistischer Literatur. Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945. Stuttgart u.a., S. 465f.

Distl, Dieter (2004): Ernst Toller (1.12.1893 – 22.5.1939). Revolutionär, Pazifist und gesellschaftskritischer Dichter. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 141-143.

Viesel, Hansjörg (1980): Literaten an die Wand. Die Münchner Räterepublik und die Schriftsteller. Frankfurt am Main, S. 329-410.


Externe Links:

Literatur von Ernst Toller im BVB

Literatur über Ernst Toller im BVB

Ernst Toller in der BLO

Werke auf gutenberg.spiegel.de

Das Schwalbenbuch

Digitalisierte Drucke

Ernst Toller, Quer durch (Kurt Tucholsky)

Schlagwort Ernst Toller in Zeit Online

Kommentare

Bernhard M. Baron am 07.07.2013 um 07:43

Im Juni 1919 geht im oberpfälzischen Marktflecken Floß - einer sozialdemokratischen Hochburg von SPD und USPD - das Gerücht um, Ernst Toller sei in Floß untergetaucht. Das Gerücht erweist sich aber bald - nach behördlichen Ermittlungen - als nicht richtig, wie die Weidener Tageszeitung "Oberpfälzischer Kurier" feststellt. Vgl. auch: 75 Jahre SPD in Floß: 1906 - 1981, Weiden i. d. OPf. 1981, S. 41.



Florian Sepp am 15.03.2013 um 19:09

Das Foto stammt von 1920, nicht 1926. Toller war 1926 gar nicht mehr inhaftiert



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