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Geb.: 30.11.1967 in München
© Susanne Schleyer/Suhrkamp Verlag

Albert Ostermaier

Der Lyriker, Dramatiker und Romanautor Albert Ostermaier wird 1967 in München geboren und wächst am Ammersee auf.

Gleich für seinen ersten Gedichtband Herz Vers Sagen (1995) wird er mit dem Lyrikpreis des PEN Liechtenstein ausgezeichnet. Im selben Jahr gelingt ihm am Münchner Marstall mit der Uraufführung seines ersten Theaterstücks Zwischen zwei Feuern. Tollertopographie über die Todesnacht des Revolutionärs Ernst Toller der Durchbruch als Theaterautor.

In seinem zweiten Stück Zuckersüß & Leichenbitter (1997) lässt Ostermaier seinen Protagonisten, gespielt von Udo Samel, ohne Punkt und Komma über die Einsamkeit des Lebens sowie über kleine und große Alltagsweisheiten monologisieren.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Bertolt Brecht entsteht das Auftragsstück The Making Of. B.-Movie, das 1999 uraufgeführt wird. In seiner modernen Antwort auf Brechts Baal wirft Ostermaier dabei die Frage nach Sein und Schein im Kulturbetrieb auf und lässt virtuos die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen.

Viele seiner Theaterproduktionen entstehen im Rahmen von Hausautorentätigkeiten am Nationaltheater in Mannheim (1996/1997), am Bayerischen Staatsschauspiel in München (1999/2000) und am Burgtheater Wien (2003-2009). Zu den mittlerweile über 30 Bühnenstücken, die über den deutschsprachigen Raum hinaus unter anderem auch in Los Angeles, New York, Athen, Santiago de Chile, Kiew und Teheran aufgeführt werden, zählen beispielsweise Letzter Aufruf (2002), ein Flughafenstück mit 17 sich zufällig in einer Nacht kreuzenden Figuren, Ersatzbank (2006), wo Ostermaier seiner Fußballleidenschaft Ausdruck verleiht, und eine Trilogie über die Nibelungensaga (2015-2017) für die Nibelungenfestspiele in Worms.

Neben der Veröffentlichung zahlreicher Lyrikbände tritt Ostermaier seit 2008 auch als Romanautor in Erscheinung. Sein Debütroman Zephyr basiert auf einer wahren Geschichte um den Rockmusiker Bertrand Cantat, der seine Geliebte, die französische Schauspielerin Marie Trintignant, bei Dreharbeiten in Vilnius erschlug, und besteht aus vielen raschen Perspektivwechseln.

Die Literaturkritik reagiert auf das Buch verhalten bis negativ, dafür aber umso positiver auf seinen zweiten Roman Schwarze Sonne scheine (2011). Ostermaiers Schilderungen über die existenzielle Krise eines jungen Mannes zeigen dabei autobiografische Züge. Aufgewachsen in einem katholischen Internat in Bayern und mit dem großen Wunsch, Schriftsteller zu werden, scheint sich der Protagonist zwischen sicherem Tod und ungewissem Überleben entscheiden zu müssen: Eine prominente Ärztin erklärt ihm, er habe eine nur von ihr diagnostizierbare tödliche Krankheit, die eine sofortige Therapie in den USA erfordere. Der väterliche Mentor, ein katholischer Priester, rät, der Ärztin zu vertrauen.

Es folgen 2013 der Kitzbühel-Thriller Seine Zeit zu sterben und 2015 Lenz im Libanon. Im Rahmen seiner Recherche begleitet Ostermaier dabei als Mitglied der Kulturdelegation den ehemaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei einer Reise durch den Libanon. Auf eine sehr ähnliche Reise begibt sich die an Georg Büchners Lenz angelehnte Hauptfigur – ein Lyriker, der unter seinen schlechten Kritiken leidet und auch im Libanon viel Leid erfährt.

Für sein literarisches Schaffen erhält Ostermaier unter anderem den Münchner Literaturpreis (1990), den Ernst-Toller-Preis (1997), den Ernst-Hoferichter-Preis (2000), den Kleist-Preis (2003), den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg (2010) sowie den „Welt“-Literaturpreis (2011).

Ostermaier übernimmt immer wieder verschiedene Gastprofessuren und arbeitet als künstlerischer Leiter bzw. Kurator für diverse renommierte Literaturfestivals wie das Augsburger Brecht-Literaturfestival (2006-2008) oder das Literaturfest München (2015). Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Ostermaier, Albert. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: https://www.munzinger.de/search/portrait/Albert+Ostermaier/0/23261.html, (05.08.2014).


Externe Links:

Literatur von Albert Ostermaier im BVB

Literatur über Albert Ostermaier im BVB

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