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12.11.2018, 16:14 Uhr
Stadt München
Spektakula

Programm für Herbert Achternbusch zum 80. Geburtstag

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Am 23. November dieses Jahres wird Herbert Achternbusch 80 Jahre alt. Er hat zahlreiche literarische Werke (Prosa, Lyrik, Theaterstücke, Filmbücher, Hörspiele), viele Spulen Film, hunderte Bilder, Gemälde, Zeichnungen und Plastiken geschaffen, die sich ihre Kraft und Originalität über die Jahrzehnte erhalten haben. Die Phantasie ist bei ihm so präzise wie subversiv, sie ist Widerstand gegen jede Art von Einengung: Achternbusch ist der „Anarcho-Goethe“, so der Schriftsteller Albert Ostermaier, „ohne den es unmöglich war, selbst zum Dichter zu werden, man musste zu ihm pilgern wie nach Altötting zur Schwarzen Madonna, er war der personifizierte Widerstand gegen dieses Bayern, das die Zeilen schwärzte und die Seele.“

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Zur Würdigung dieses „Gesamtkunstwerks“ hat das Kulturreferat eine kleine Programmreihe initiiert und koordiniert, die sich über einige Wochen erstreckt: Mehrere Münchner Kulturinstitutionen haben zu dieser Hommage beigetragen: Das Filmmuseum zeigt acht Filme von und mit Herbert Achternbusch und einen Dokumentarfilm über ihn. Im Künstlerhaus am Lenbachplatz ist eine Fotoausstellung von Barbara Gass zu sehen, die in vielen Achternbusch-Filmen selbst mitgespielt und das Leben und Werk des Dichters, Dramatikers und Filmemachers über dreißig Jahre hinweg mit der Kamera begleitet hat.

Am gleichen Abend gratuliert der Seerosenkreis mit einer Hommage: Michael Skasa zeichnet ein literarisches Porträt des Künstlers und die Fotografin Barbara Gass wird mit Julia Cortis über die Kunst von Nähe und Distanz in Fotografie, Bild und Wort sprechen und von der gemeinsamen Zeit erzählen.

In der Monacensia im Hildebrandhaus lesen Friedrich Ani und Albert Ostermaier aus ihren persönlich ausgewählten Prosatexten. An zwei Münchner Theatern gibt es Wiederaufnahmen: Susn an den Kammerspielen und Dogtown Munich am Volkstheater. Ebenfalls im Volkstheater findet die Veranstaltungsreihe ihren Abschluss mit einem offiziellen Grußwort von Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers. Anschließend bringt die Dramaturgin Laura Olivi mit sechs Schauspielerinnen und Schauspielern aus drei großen Münchner Theatern ihr Best of Crazy Bavarian Anarchy – mit Kostümen von Ann Poppel – live auf die Bühne.

 

Herbert Achternbusch in Das Gespenst, 1982

 

Filmreihe im Filmmuseum

19. Oktober – 25. November 2018

Obrigkeit ist ihm zuwider, vor allem die institutionelle: Kirche und Staat sind seine Hauptangriffsziele. Dazu kommt ein quälendes Bewusstsein von den Sünden der deutschen Vergangenheit und einer gleichgültigen Gesellschaft, auf die man nur mit Abscheu reagieren kann. Neben der Schwere einer ins Absurde getriebenen Ernsthaftigkeit ist Achternbusch zugleich witzig; wirklich witzig. Seine Filme sind absonderliche Mischungen aus klarer, brutaler, kritischer Gesellschaftsanalyse und absurd-komisch-anarchischen Episoden, die vor billigsten Kalauern und schlechtesten Scherzen nicht zurückschrecken. Das Komische ist dabei nicht einfach der Zucker, mit dem die Säuerlichkeit des allseitigen Grantelns halbwegs genießbar gemacht werden soll. Witz und Ernsthaftigkeit arrangieren sich vielmehr zu einem Zusammenspiel; verstärken und widersprechen sich gegenseitig. Eine schillernde Ambivalenz, die zur beabsichtigten Verunsicherung des Zuschauers führt, was denn nun eigentlich wirklich und tatsächlich gemeint sei mit diesem Film.

Zu sehen sind unter anderem Das Andechser Gefühl, Servus Bayern, Der Komantsche, Das letzte Loch, Das Gespenst, Die Olympiasiegerin, Die Föhnforscher und Wohin?.

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Servus Bayern, 1977 © Barbara Gass

 

Fotoausstellung von Barbara Gass im Münchner Künstlerhaus

20. November – 21. Dezember 2018

Die Münchner Fotografin Barbara Gass hat das Leben und Werk des Dichters, Dramatikers und Filmemachers über dreißig Jahre hinweg mit der Kamera begleitet. In seinem ersten Film „Das Andechser Gefühl“ wie auch in weiteren seiner Filme hat sie selbst mitgespielt und die Dreharbeiten als Setfotografin aus nächster Nähe dokumentiert. Ihre Bilder sind diskret, feinsinnig, manchmal lyrisch-grotesk. Die Fotografien zeigen Herbert Achternbusch privat, bei Dreharbeiten und auf Reisen, allein, mit dem Team oder seinen Schauspielern. In ihren Bildern wird ein ganz anderer Achternbusch sichtbar, eher sensibel als provokant.

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Mix Wix, 1989 © Barbara Gass

 

Herbert Achternbusch aus der Nähe – Seerosenkreis

19. November 2018

Ob beim „Andechser Gefühl“, im „Bierkampf“, dem „Antlantikschwimmer“ oder in „Servus Bayern“: Der Maler, Dichter, Dramatiker, Schriftsteller und Filmemacher Herbert Achternbusch, der am 23. November 80 Jahre alt wird, hat über viele Jahre mit Barbara Gass gearbeitet. Als Schauspielerin und Setfotografin war sie bei Dreharbeiten an vielen Orten zwischen Ambach und Island mit dabei. Aus der Hand der Freundin stammen die wertvollen Dokumente
aus 35 Jahren seines avantgardistischen Filmschaffens, die in ihrer Ausstellung zu sehen sind.

Nach einem literarischen Portrait des Schriftstellers Achternbusch von und mit Michael Skasa wird die Münchner Fotografin mit Julia Cortis über die Kunst von Nähe und Distanz in Fotografie, Bild und Wort sprechen und von der gemeinsamen Zeit erzählen. Ein Abend über das Gesamtkunstwerk Herbert Achternbusch.

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Herbert Achternbusch im Tempel © Barbara Gass

 

Susn in den Münchner Kammerspielen

20. November 2018

Achternbusch erzählt in fünf Bildern das Leben der rothaarigen Susn aus dem Bayerischen Wald, die mit jedem Bild immer um zehn Jahre älter wird. Susn ist eine freie Radikale, die an den Zwängen ihrer Welt ebenso radikal scheitert wie sie gegen sie aufbegehrt. Man sieht sie als 17-jährige Schülerin beichten. In einem sprudelnden Erzählfluss zieht sie eine erste Lebensbilanz und verteidigt ihre wilde Entschlossenheit, aus der Kirche auszutreten. Im letzten Bild dann sitzt Susn schnapsbewehrt in einer Kirche. „Ja, oft mecht i koan Menschn mehr sehng und von koan Herrgott was wißn, aber wer solltn mir zuhörn, wenn net der Herrgott?“

Achternbusch hat seine Susn mit einem Lebenshunger ausgestattet, für den es in der Welt, so wie sie sie vorfindet, nicht die entsprechende Nahrung gibt. Zugleich besitzt sie eine ungeheure Verweigerungsenergie. Das muss natürlich himmeltraurig enden. Denn: „Wahrscheinlich ist die Revolution eben doch ein jetzt täglich zu leistender Prozess und nicht ein einziger blutiger Tag, auf den man hinarbeiten muss.“

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I know the Way to the Hofbrauhaus, 1991 © Barbara Gass

 

Lesung mit Friedrich Ani und Albert Ostermaier in der Monacensia

28. November 2018

Friedrich Ani: „Für mich war und ist er der Mutigste von allen; von allen Filmemachern hierzulande, allen Dichtern, allen Malern. Herbert Achternbusch war der Souffleur auf der Bühne meines Schreibens von Anfang an; klein beigeben oder Schwäche zeigen war nicht erlaubt; er brüllte dann und stürmte selbst auf die Bühne, und ich wurde stumm und lernte wieder einmal aufrecht gehen beim Schreiben. Außer Beckett habe ich keinen Schriftsteller je so bewundert.“

Albert Ostermaier: „Achternbusch, das musste man schon aushalten, das war immer ein Leberhaken, und ich dachte nur an einen (...) seiner Sätze, der sich mir eingehämmert hatte: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Achternbusch war für mich, den Klosterschüler, der Anarcho-Goethe, ohne den es unmöglich war, selbst zum Dichter oder Lenz zu werden, man musste zu ihm pilgern wie nach Altötting zur schwarzen Madonna, er war der personifizierte Widerstand und Widerspruch gegen dieses Bayern, das die Zeilen schwärzte und die Seele.“

Die Monacensia im Hildebrandhaus ist das Literarische Gedächtnis der Stadt München. Seit 2005 befindet sich das literarische Archiv von Herbert Achternbusch in ihrem Bestand. Der Vorlass umfasst Originaltyposkripte, Skizzen, illustrierte Briefe, Aquarelle und verschiedenste in Mischtechnik hergestellte Kleinodien. 2007 widmete die Monacensia Herbert Achternbusch eine eigene Ausstellung mit dem Titel „Das Ich ist ein wildes Tier. Der Universalkünstler Herbert Achternbusch“.

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Helga Loder und Herbert Achternbusch in Der Neger Erwin, 1980 © Barbara Gass

 

Dogtown Munich im Münchner Volkstheater

1. und 2. Dezember 2018

Der Münchner Marienplatz. Es herrscht der alltägliche Verkehr. Die Geschäftigkeit der Großstadt wird für einen Moment angehalten, wenn Herbert Achternbuschs Figuren die Verhältnisse ihrer Stadt betrachten. In einer musikalischen Farce formulieren die Jüngere und die Ältere, das Mädchen Zunge, der Schauspieldirektor, Herakles und zwölf Neonazis inmitten der postkartenkitschigen Bauten und bautechnischen Hässlichkeit ihre Liebe und Abscheu zur Weltstadt mit Herz. Bis Maria von ihrer Säule steigt und es blutig wird. Aber auch das geht vorüber. Ein Hund macht wieder sein Geschäft und Karl Valentin landet auf der Mariensäule – Dogtown Munich.

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Der Komantsche, 1979 © Barbara Gass

 

Best Of Crazy Bavarian Anarchy im Münchner Volkstheater

4. Dezember 2018

Achternbusch. Achtzig? Ah geh weida. Niemals. Der verbrennt nur wieder a Göid. Achternbusch. Achtzig? Ja mei. Unfassbar. München. Eine Stadt ehrt ihren Dichter. Achternbusch. Achtzig. Absurd. Alle Stücke auf einmal. A so, nur die, die auch komisch sind. Schweinerei. Also doch alle. Jedenfalls zum Teil. Die Handlung: An der Donau sitzen die Ella und der Gust am Weg auf verlorenem Posten. Sie wollen einen Frosch fangen. Blöde Wolke am bayrischen Himmel, an den Beinen der Stiefel und sein Socken. Sie sagt: „Mein Herbert“. Er war letzter Gast im Kafenion. Achternbusch. Achtzig.

Die Alternative: The Best of Crazy Bavarian Anarchy live on Stage. Die Münchner Theater – das Volkstheater, das Residenztheater und die Kammerspiele – feiern am 4. Dezember den großen Aktionskünstler, Blasphemiker, Komiker, Schmalfilmer, Streithammel, Regisseur, Maler und Dichter der Stadt mit einer szenischen Lesung großartiger und verdammt verrückter Texte auf der Bühne des Münchner Volkstheaters.

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Alle Details zur Veranstaltungsreihe finden Sie im zugehörigen Flyer und auf der Webseite der Stadt München.

 



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