Flucht und Exil bayerischer AutorInnen 1933-1945

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Im Oktober 1937 starteten der Schriftsteller Bruno Frank und seine Frau Liesl mit dem Luxusdampfer "Île de France" in die Neue Welt.

Zwischen 1933 und 1945 waren Millionen Menschen auf der Flucht, darunter auch viele Künstler und Intellektuelle aus Deutschland. Der Exodus der zumeist jüdischen, pazifistischen oder marxistischen Literaten begann nicht unmittelbar am 30. Januar 1933, als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Nur wenige begriffen, welche Gefahr für Leib und Leben ihnen drohten. Zum Fanal für die Flucht aus Deutschland wurden vor allem der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und die unmittelbar danach einsetzende Verhaftungswelle. Erst jetzt ergriffen viele die Flucht und gesellten sich zu ihren Schicksalsgenossen, die von einer Auslandsreise bei Hitlers Machtübernahme nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt waren. Nicht allen gelang die Flucht. Der Dichter Erich Mühsam, als Anarchist und Mitglied der bayerischen Räterepublik, den Nationalsozialisten besonders verhasst, wurde vor seiner Flucht verhaftet und nach langen Qualen im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Spätestens als am 10. Mai 1933 ihre Bücher verbrannt wurden, war den deutschen Autoren klar, dass sich Heinrich Heines berühmter Satz: „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ bewahrheiten würde.

Wer nicht zu den verfemten Schriftstellern gehörte sah sich, so er weiter in Deutschland publizieren wollte, gezwungen, der Reichskulturkammer beizutreten, was jüdischen Künstlern gar nicht möglich war. Viele zogen es deshalb vor, das Land zu verlassen. Nach teils dramatischer Flucht fanden sie zunächst Zuflucht in Europa, wobei ihre Existenz als Emigranten vielfach prekär war. Nach ihrer Ausbürgerung durch das Deutsche Reich waren sie Staatenlose und auch im Exil Repressionen ausgesetzt. Da in den 1930er-Jahren viele Staaten noch auf Ausgleich mit Deutschland setzten, galten sie als Störenfriede. Große Geister wie Kurt Tucholsky, Ernst Toller, Walter Hasenclever, Walter Benjamin oder Stefan Zweig gingen in den Freitod. Mit Kriegsbeginn sah man in ihnen vielfach feindliche Ausländer und internierte sie. Für viele ging die Flucht nach dem Überfall der Wehrmacht auf ihre Exilländer weiter in die USA oder nach Südamerika. Während in Deutschland Jahre der geistigen Diaspora anbrachen, reagierten die Literaten auf ihre Lage als Emigranten höchst unterschiedlich. Einige verstummten, andere unterstützten mit ihrer Exilliteratur den politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Die Jahre im Exil bedeuteten in jedem Fall einen Bruch in Biografie und Werk. Manche erholten sich von diesen Brüchen nie. Viele kehrten auch nach 1945 nicht nach Deutschland zurück, sondern blieben Geflüchtete ihr Leben lang. Im Rahmen dieses Überblicks werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ausgewählte Exilorte und Autoren dargestellt, die für die Literatur in Bayern von Bedeutung waren. Die UdSSR, in die sich vor allem kommunistische Autoren flüchteten, wird dabei ausgespart. Sie war ein schwieriges Exilland, dessen spezielle Situation den Rahmen dieses allgemeingehaltenen Überblicks sprengen würde.

 

(Durzak, Manfred [Hg.] [1973]: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945. Reclam jun., Stuttgart)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Literaturverzeichnis

Externer Link:

Künste im Exil



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Exilzeitschrift Die Sammlung, 1. Heft (1933).
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