Info
Geb.: 21.11.1880 in Stettin
Gest.: 6. 1.1941 in Sanary-sur-Mer
Franz Hessel vor 1910
Namensvarianten: Fürchtegott Hesekiel, Hesekiel

Franz Hessel

Geboren und aufgewachsen in Stettin (Berlin), geht der Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie zum Studium nach München, wo er im Sommersemester 1901 Vorlesungen und Übungen in Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie belegt, nachdem er bereits zwei Jahre davor ein Semester Jurisprudenz dort studiert hat. In der literarischen Bohème schließt sich Franz Hessel der Schriftstellerin Franziska zu Reventlow an, mit der er in einer „Zweckwohngemeinschaft“ zusammen mit ihrem Geliebten, dem polnischen Maler Bogdan von Suchocki, von Oktober 1903 bis Ende Mai 1906 lebt. Ergebnis dieser ménage à trois ist neben der Grundlage für die Romane Der Kramladen des Glücks von Hessel und Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil von zu Reventlow die gemeinsame Arbeit an der geheimen Zeitschrift Schwabinger Beobachter, die interne Vorgänge und Auseinandersetzungen des Kosmiker-Kreises um Stefan George und „Schwabingiana“ ironisch glossiert.

1906 übersiedelt Franz Hessel nach Paris, wo er sich bis 1914 überwiegend aufhält. Seine 1913 geschlossene Ehe mit der Malerin Helen Grund, eine weitere „Ehe zu dritt“, liefert schließlich den Stoff zum Roman Jules et Jim (1953) von Helens Geliebtem Henri-Pierre Roché, der später von François Truffaut verfilmt wird. Hessel wiederum verarbeitet diese Begegnung in seinem zweiten Roman Pariser Romanze. Als Hessel aus dem Krieg heimkehrt, beschließen er und Helen nach Hohenschäftlarn zu ziehen, obgleich die Ehe zwischen den beiden längst zerrüttet ist.

In den 20er Jahren lebt Hessel abwechselnd in Paris und Berlin und arbeitet als Lektor bei Rowohlt. Er übersetzt u.a. Werke von Stendhal, Balzac, Casanova und Proust (zusammen mit Walter Benjamin) und gibt die Literaturzeitschrift Vers und Prosa (1924) heraus. Bis 1933 veröffentlicht er weitere Romane sowie kleine Prosa, etwa Heimliches Berlin (1927), Teigwaren leicht gefärbt (1926), Nachfeier (1929) oder Spazieren in Berlin (1929).

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme beschäftigt Rowohlt seinen mit Schreibverbot belegten Lektor heimlich weiter. Im Herbst 1938 flüchtet Hessel nach Paris und wird 1940 im französischen Internierungslager Les Milles bei Aix-en-Provence inhaftiert. Er stirbt an Entkräftung in Sanary-sur-Mer.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Nieradka, Magali Laure (2003): Der Meister der leisen Töne. Biographie des Dichters Franz Hessel (Reihe Literatur- und Medienwissenschaft, 91). Igel-Verlag Wissenschaft, Oldenburg.


Externe Links:

Literatur von Franz Hessel im BVB

Literatur über Franz Hessel im BVB

Heimliches Berlin

Spaziergang am Landwehrkanal längs des Originaltextes von Franz Hessel

Franz Hessel, Teigwaren, leicht gefärbt (Kurt Tucholsky)

Franz Hessel (Walter Benjamin)

Franz Hessel beim Literaturport

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