Kaulbachstraße 63

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Brief an Franziska zu Reventlow, 1906 (Archiv Monacensia)

München, ca. 4.8.1904

Lieber Klages,
1. Meine gegenwärtige Wohnung ist Kaulbachstraße 63, die ich auch bei Abreise beibehalte. Ich gehe jetzt nach Oberitalien, Ort noch unbestimmt, und werde wahrscheinlich auch den Winter resp. das ganze nächste Jahr dort bleiben (Rom oder Florenz).
2. Rolf ist geboren 1. September 1897.
3. Einnahmequellen: Übersetzungen und andere literarische Arbeiten (Einnahmen aus dem Roman).
4. Vom Schulbesuch ist Rolf für das Jahr 1903 auf 1904 zurückgestellt worden. Ich habe jetzt um Genehmigung nachgesucht, ihn selbst zu unterrichten, schon des wechselnden Aufenthalts wegen. Wird das Gesuch nicht genehmigt, so werde ich an meinem jeweiligen Aufenthaltsort für Schule oder Privatunterricht sorgen.
5. Vermögen ist ihm keines zugefallen.
Wollen Sie mir bitte gleich mitteilen, ob Sie wegen Niederlegung der Vormundschaft schon Schritte getan haben? Ich möchte eventuell dieser Tage dann noch selbst mit dem Amtsrichter Rücksprache nehmen. Ich reise Sonntag oder Montag und werde Ihnen meine Adresse für etwaige Mitteilungen schreiben, sobald ich eine feste habe.
Mit bestem Gruß
F.R.  

(Briefe in Sämtliche Werke 4, S. 444f)

Ludwig Klages ist der gesetzliche Vormund Rolf Reventlows. Im Sommer 1904 droht er nach einigen Auseinandersetzungen damit, die Vormundschaft niederzulegen. Er missbilligt Franziska zu Reventlows Lebensweise und lehnt ihren Lebensgefährten Suchocki ab. Da sie, zusammen mit Rolf, Suchocki und Franz Hessel, für längere Zeit nach Italien reisen will, fordert sie Klages zu einer klaren Entscheidung auf und kündigt an, selbst die Vormundschaft übernehmen zu wollen. Klages behält diese jedoch bis zu Rolfs Volljährigkeit im Jahr 1918 bei.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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