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Geb.: 7. 7.1884 in München
Gest.: 21.12.1958 in Los Angeles
Lion Feuchtwanger um 1900

Lion Feuchtwanger

Lion Jacob Arje Feuchtwanger wird am 7. Juli 1884 als ältester Sohn eines wohlhabenden jüdischen Fabrikanten in München geboren. Zusammen mit seinen acht Geschwistern wächst er in großbürgerlichen Verhältnissen am Sankt-Anna-Platz im Lehel auf. Nach dem Abitur am humanistischen Wilhelmsgymnasium 1903 studiert Lion Feuchtwanger deutsche Philologie und Geschichte in München und Berlin. Als Mitbegründer und aktives Mitglied des literarischen Vereins Phoebus setzt er sich für die Durchsetzung der Werke von modernen und umstrittenen Autoren wie Frank Wedekind oder Strindberg ein. Schon während des Studiums schreibt Lion Feuchtwanger regelmäßig Theaterkritiken für die Schaubühne. Auch entstehen erste kurze Dramen, die allerdings wenig Beachtung finden. 1907 promoviert Lion Feuchtwanger in München mit einer Arbeit über Heinrich Heines Fragment Der Rabbi von Bacharach. Sein Romandebüt Der tönerne Gott erscheint 1910 im Verlag E.W. Bonsels in München. Der literarische Erfolg bleibt jedoch noch aus.

Am 12. Mai 1912 heiratet Lion Feuchtwanger die attraktive jüdische Kaufmannstochter Marta Löffler. Unmittelbar nach der Hochzeit begibt sich das Paar auf eine über zwei Jahre dauernde Reise, die über Südeuropa nach Nordafrika führt. In Tunis werden sie 1914 vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht. Lion Feuchtwanger wird vorübergehend verhaftet und entkommt auf abenteuerliche Weise einer drohenden Internierung durch die französischen Behörden, die nach militärpflichtigen deutschen Reisenden suchen. Nach der Rückkehr nach München wird Lion Feuchtwanger eingezogen und kurz darauf wegen eines Magenleidens für kriegsuntauglich erklärt. Lion Feuchtwanger schreibt mehrere Theaterstücke und wird bis Kriegsende zu einem namhaften deutschen Dramatiker. Zu seinem Freundeskreis zählen Frank Wedekind und Heinrich Mann, mit denen er sich regelmäßig in den Münchner Torggelstuben trifft. 1919 begegnet er Bert Brecht, mit dem ihn eine lebenslange Künstlerfreundschaft verbinden wird. Die Ereignisse der bayerischen Revolution 1918/19 verarbeitet Lion Feuchtwanger in seinem Stück Thomas Wendt (1919), das er im Untertitel einen „dramatischen Roman“ nennt. Das Konzept des dramatischen Romans wird bestimmend für sein weiteres Schreiben. 1922 entsteht die Romanfassung seines Stücks Jud Süß, die zu einem Bestseller avanciert und seinen Autor weltbekannt macht. Auch mit seinem nachfolgenden Buch Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch (1923) gelingt es Feuchtwanger, den historischen Roman für die Gegenwart zu erneuern.

1925 ziehen Lion Feuchtwanger und seine Frau Marta in die Großstadt Berlin, wo sie am Rande des Grunewalds ein Haus erwerben. Hier entsteht der München-Roman Erfolg (1930), der bis heute als eines seiner Hauptwerke gilt. Es ist ein Schlüsselroman, der mit der bayerischen Politik und Justiz abrechnet und das Aufkommen der nationalsozialistischen Bewegung in Bayern aufzeichnet. Der Roman zieht massive Drohungen von Seiten der Nationalsozialisten nach sich. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler verwüstet eine SA-Truppe Feuchtwangers Haus, sein Name wird auf der ersten Ausbürgerungsliste aufgeführt. Lion Feuchtwanger, der sich auf einer Vortragsreise in den USA befindet, kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück. Zusammen mit seiner Frau geht er ins Exil nach Sanary-sur-Mer in Südfrankreich, wo er von 1933 bis 1940 lebt. Feuchtwanger ist literarisch äußerst produktiv. Er arbeitet an der in Berlin begonnenen Josephus-Trilogie, die die Geschichte der Verfolgung des Judentums erzählt. Außerdem entstehen die Exil-Romane Die Geschwister Oppermann (1933) und Exil (1939), die im Amsterdamer Querido Verlag erscheinen.

1940 wird Lion Feuchtwanger als „feindlicher Ausländer“ im Lager Les Milles interniert. Mit Hilfe des Amerikaners Varian Fry und des Emergency Rescue Committees, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, namhafte europäische Künstler bei der Flucht aus Europa zu unterstützen, gelingt die lebensgefährliche Flucht aus dem Lager. Über Marseille, Spanien und Lissabon gelangt Feuchtwanger schließlich in die USA. Unmittelbar nach der Ankunft macht er sich an die Niederschrift des Berichtes Unholdes Frankreich (1942), in dem er die Schikanen der französischen Behörden gegenüber den deutschen Exilanten dokumentiert.

In den USA lassen sich Lion und Marta in einer großzügigen Villa im kalifornischen Pacific Palisades nieder. In unmittelbarer Nähe wohnen Bertolt Brecht und Thomas Mann mit seiner Familie. Lion Feuchtwanger beschäftigt sich mit den europäischen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, es entsteht der Roman Waffen für Amerika (1946), dann Goya (1951) und Die Jüdin von Toledo (1954), der wiederum ein Thema der jüdischen Geschichte aufgreift. Außerdem vollendet Lion Feuchtwanger mit Der Tag wird kommen (1945) seine Josephus-Trilogie.

In der McCarthy-Ära wird Lion Feuchtwanger als linksliberaler Intellektueller beobachtet und verhört. In der DDR hochgeschätzt, bleibt das Werk Lion Feuchtwangers in der Bundesrepublik lange in Vergessenheit. 1957 wird Lion Feuchtwanger von seiner Heimatstadt München der Dichterpreis verliehen, verbunden mit der Einschränkung, dass sich dieser ausschließlich auf die literarische Leistung und nicht auf die politische Haltung des Schriftstellers beziehe. Lion Feuchtwanger stirbt am 21. Dezember 1958 in Pacific Palisades. Sein Wohnhaus „Villa Aurora“ ist heute ein Ort des Kulturaustausches zwischen Deutschland und den USA.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Flügge, Manfred (2009): Die vier Leben der Marta Feuchtwanger. Berlin.

Skierka, Volker (1984): Lion Feuchtwanger. Eine Biographie. Berlin.

Sternburg, Wilhelm von (1994): Lion Feuchtwanger. Ein deutsches Schriftstellerleben. Berlin.


Externe Links:

Literatur von Lion Feuchtwanger im BVB

Literatur über Lion Feuchtwanger im BVB

Lion Feuchtwanger in der BLO

Lion Feuchtwanger relaunched

Marta & Lion Feuchtwanger in der Villa Aurora

Kommentare

Bernhard M. Baron am 17.07.2013 um 10:54

1990 wurde der Feuchtwanger-Roman Erfolg von Franz Seitz als TV-Mehrteiler verfilmt (Erstsendung ab 2.10.1992 auf arte). Sämtliche Gefängnisaufnahmen fanden mit Peter Simonischek (= Dr. Martin Krüger), Bruno Ganz (= Jaques Tüverlin) u.a. im ehemaligen Landgerichtsgefängnis in Weiden statt. Dieser Ort, einst der barocke "Waldsassener (Getreide-) Kasten", hat auch schon seinen Platz in der Weidener Literaturgeschichte: so saß hier im September 1944 der NS-Gegner und spätere sozialkritische Schriftsteller Bernt Engelmann (1921-1994) ein, bevor er weiter in das nahe KZ-Flossenbürg deportiert wurde. Auch der UFA-Drehbuchautor Erich Ebermayer wählte diesen Ort als Handlung für seine Weiden-Novelle Auferstanden (1948). 2007 verarbeitete Bernhard Setzwein das Geschehen des letzten bayerischen Scharfrichters Johann Reichhart in seinem Theaterstück 3165 - Monolog eines Henkers. Heute befinden sich im ehemaligen Landgerichtsgefängnis das Internationale Keramik-Museum und die städtische Regionalbibliothek. Wohl kaum ein Besucher von heute dürfte jedoch diesen geschichtsträchtigen Ort von dieser Seite kennen...



Elisabeth Schinagl am 30.03.2013 um 08:18

Feuchtwangers Roman Erfolg gehört für mich eindeutig zu meinen erklärten Lieblingsbüchern. Folgerichtig habe ich Autor und Werk mit "Geschichte einer Provinz" auch ein Porträt im Bayerischen Panoptikum gewidmet.



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