Geb.: 24. 7.1864 in Hannover
Gest.: 9. 3.1918 in München
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Frank Wedekind (Archiv Monacensia)
Namensvarianten: Benjamin Franklin Wedekind; Hugo Frhr. von Trenck, Frank Querilinth, Cornelius Mine-Haha, Ahasver, Benjamin, Hermann, Hieronymus Jobs, Kaspar Hauser, Müller von Bückeburg, Simplizissimus, Tschingiskhan

Der „Bürgerschreck“ Frank Wedekind gilt als eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten, die um 1900 in München gelebt haben. Der Schauspieler und Dramatiker ist ein zentraler Protagonist der Schwabinger Bohème.

Die Eltern, Dr. Wilhelm Wedekind, ein nach Amerika ausgewanderter Arzt aus Niedersachsen, und die 25 Jahre jüngere Sängerin Emilie Kammerer aus Freiburg, lernen sich in San Francisco kennen. 1864, zwei Jahre nach der Hochzeit, kehren sie zurück nach Deutschland. Als Wohnort wählen sie zunächst Hannover, wo Benjamin Franklin Wedekind am 24. Juli 1864 geboren wird. Als Gegner des Wilhelminischen Kaiserreichs entschließt sich Wilhelm Wedekind, Hannover zu verlassen, und kauft 1872 Schloss Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau. Seit früher Kindheit schreibt Franklin Wedekind Gedichte. Während seiner Gymnasialzeit in der Kantonsschule in Aarau ist seine dichterische Produktivität bereits beachtlich.

1884 geht Wedekind nach Lausanne und anschließend nach München, um Jura zu studieren. Als der Vater erfährt, dass der Sohn seine Zeit vorwiegend in Cafés und Theatern verbringt, stellt er seine Zahlungen ein. In dieser Situation lernt Franklin Wedekind den Schweizer Fabrikanten Julius Maggi kennen, in dessen Firma er Arbeit als Reklametexter findet. In den Jahren 1887 bis 1890 lebt Wedekind in Zürich, Berlin und München, wo er häufig im Café Luitpold zu Gast ist. Zu seinem Bekanntenkreis zählen die Schriftsteller Otto Julius Bierbaum, Oskar Panizza und Hanns von Gumppenberg. Der Tod seines Vaters 1888 verschafft ihm für einige Jahre finanzielle Unabhängigkeit. Ostern 1891 erscheint das Drama Frühlings Erwachen im Eigenverlag. Für den Umschlag verwendet Frank Wedekind, wie er sich fortan nennt, eine Zeichnung, die er von dem damals noch unbekannten Maler Franz Stuck bekommen hat. Das Werk befasst sich mit der Sexualität von Jugendlichen im bürgerlichen Milieu. Im Dezember desselben Jahres geht Frank Wedekind nach Paris, wo er in einer Dachstube wohnt und mit seinem Freund, dem Komponisten Richard Weinhöppel, häufig das Moulin Rouge und ähnliche Etablissements besucht. In Paris beginnt er mit der Arbeit an seinem Drama Lulu, das ihn 1894/95 zur Recherche nach London führt, in die Stadt des berüchtigten Frauenmörders Jack the Ripper. Frauen, Erotik und Sexualität sind die großen Themen seines Lebens.

Zurück in München wird Wedekind Mitarbeiter der von Albert Langen herausgegebenen Satirezeitschrift Simplicissimus, allein im ersten Jahrgang 1896 erscheinen 24 Beiträge von Wedekind. In München begegnet er u.a. Jakob Wassermann, Korfiz Holm, Thomas Mann und Thomas Theodor Heine. 1898 wird Frank Wedekind erstmals als Schauspieler engagiert und spielt in seiner Tragödie Erdgeist (1895) am Ibsen Theater Leipzig die Rolle des Dr. Schön. Im Oktober desselben Jahres droht Wedekind eine Verhaftung wegen „Majestätsbeleidigung“. Grund ist die Veröffentlichung eines Spottgedichts in der „Palästina-Ausgabe“ des Simplicissimus. Sieben Monate verbringt er in Festungshaft. Nach der Entlassung gründet er mit anderen Künstlern in der Türkenstraße 28 das literarische Brettl Die Elf Scharfrichter, das Heuchelei und Scheinmoral anprangert. Wedekind singt dort seine Lieder und Balladen zur Gitarre.

Im Jahr 1902 kommen mehrere Dramen von ihm zur Aufführung: König Nicolo oder So ist das Leben wird am Münchner Schauspielhaus uraufgeführt, der Marquis von Keith hat in München Premiere, der Erdgeist kommt an Max Reinhardts Theater in Berlin auf die Bühne.

1905 lernt der Dramatiker die um 20 Jahre jüngere Schauspielerin Tilly Newes kennen, die in Graz die Rolle der Lulu probt. 1906 heiratet das Paar, und endlich gelingt Wedekind der künstlerische Durchbruch mit der Berliner Uraufführung von Frühlings Erwachen unter der Regie von Max Reinhardt. Am 12. Dezember 1906 wird die Tochter Anna Pamela geboren, die Familie bezieht eine Wohnung in der Münchner Prinzregentenstraße 50. Die Torggelstuben sind Wedekinds Stammlokal, dort trifft er Freunde und Bekannte wie die Schriftsteller Erich Mühsam und Waldemar Bonsels. Mit seinem Stück Oaha, die Satire der Satire kritisiert Frank Wedekind den Verleger Albert Langen, es kommt zum endgültigen Bruch mit dem Simplicissimus. 1911 wird die zweite Tochter Fanny Kadidja geboren. Gemeinsam mit Tilly steht Frank Wedekind als Darsteller auf der Bühne, unermüdlich plant er Gastspiele und Tourneen. 1918 stirbt er in München an den Folgen einer missglückten Blinddarmoperation.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Simone Egger M.A.

Sekundärliteratur:

Kieser, Rolf (1995): Benjamin Franklin Wedekind. Biographie einer Jugend. Hamburg.

Regnier, Anatol (2010): Frank Wedekind. Eine Männertragödie. München.


Externe Links:

Literatur von Frank Wedekind im BVB

Literatur über Frank Wedekind im BVB

Frank Wedekind in der BLO

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Werke bei zeno.org

Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind (EFW)



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