Frequenz: 1917-1921, 13 Hefte
Auflage: bis zu 1200 Exemplare
Preis: 40-60 Pf
Ort: München
Hg.: Ret Marut
Verlag: Der Ziegelbrenner, München 23, Clemensstraße
Inhalt: Anarchistische Texte gegen Bürgertum, Militarismus und Kirche
Seitenanzahl:
etwa 100, 8°

Der Ziegelbrenner

Kritik an Zuständen und widerwärtigen Zeitgenossen

Die erste Ausgabe der Zeitschrift erscheint am 10. September 1917. Sie trägt den Untertitel „Kritik an Zuständen und widerwärtigen Zeitgenossen“. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kritik an der zensierten Presse, dem Bürgertum, dem Militarismus und der Kirche. Der Name Der Ziegelbrenner soll das symbolisierte „sozialpolitische Baumaterial“ deutlich machen. Damit gelingt es dem Herausgeber Ret Marut während des Ersten Weltkriegs eine Zeitschrift herauszugeben, die sich konsequent gegen den Krieg und die kriegshetzende Presse richtet.

Der Ziegelbrenner erscheint von September 1917 bis Dezember 1921. Er wird unregelmäßig in 13 Heften (40 Nummern) herausgegeben, jedes Heft unter einem bestimmten Titel. Von Anfang an wollte Marut als Herausgeber anonym bleiben. Ab Heft Nr. 2 wird als Geschäftsstelle nur „München 23“ angegeben und zusätzlich mit dem Vermerk ergänzt: „Besuche wolle man unterlassen, es ist nie jemand anzutreffen. Fernsprecher haben wir nicht.“ Nach seiner Beteiligung an der Münchener Räterepublik 1919 wird der Ziegelbrenner verboten und erscheint von da an illegal. Der Herausgeber druckt die Texte selbst und erklärt dem Zensor, es handle sich um eine harmlose, mehr vereinsmäßige Maurerzeitschrift.

Die Zeitschrift findet große Beachtung in den links-literarischen Kreisen des frühen 20. Jahrhunderts, dennoch bleibt ihre Auflage und damit Verbreitung in München, z.T. auch Berlin und Köln, gering. Inhalte sind z.B. die Erstübertragung des Pamphlets Die Menschenrechte von Percy Bysshe Shelley von 1812, u.a. mit einem Nachruf auf Frank Wedekind, oder der Versuch einer wissenschaftlich-philosophischen Abhandlung, mit der Ret Marut seine Weltanschauung im Sinne von Max Stirner manifestieren möchte. In Der Ziegelbrenner veröffentlicht Marut aber auch (unter dem Pseudonym Richard Maurhut) seine Novelle An das Fräulein von S...

Am 14. Dezember 1918 findet im Kunstsaal Steinicke ein sog. Ziegelbrenner-Abend statt, auf dem der um Anonymität bemühte Marut, sich als einen fremden Rezitator ausgebend, im abgedunkelten Saal den Aufruf zu einer individual-anarchistischen Revolution vorliest. Ein Protokoll dazu findet sich im nächsten erschienenen Heft.

Als Marut 1921 aus München in Richtung Rheinland flieht, hilft ihm der progressive Künstler F. W. Seiwert beim Vertrieb des Ziegelbrenners und liefert auch Illustrationen für das letzte Heft „Gegensatz. Sieben Antlitze der Zeit“. Danach verlässt Marut Deutschland, was das Ende für den Ziegelbrenner bedeutet.

1927 veröffentlicht Erich Mühsam, der auch an der Münchner Räterepublik beteiligt ist, den Aufruf „Wo ist der Ziegelbrenner?“ und fordert den Untergetauchten zur Rückkehr auf, von woher auch immer:

Wo ist der Ziegelbrenner? Weiß keiner der Leser des FANAL, wo der Ziegelbrenner geblieben ist? Ret Marut, Genosse, Freund, Kampfgefährte, Mensch, melde dich, rege dich, gib ein Zeichen, daß du lebst, daß du der Ziegelbrenner geblieben bist, daß dein Herz nicht verbonzt, dein Hirn nicht verkalkt, dein Arm nicht lahm, dein Finger nicht klamm geworden ist.

Sekundärliteratur:

http://www.rotes-antiquariat.de/_pdf/Traven_1266940879.pdf, (19.06.2019).

Kommentar schreiben