Die Republik der Literaten: Die Münchner Räterepublik

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Vollzugsausschuss Soldatenrat, Bekanntmachung zur Revolution, 7. April 1919 (Bayerische Staatsbibliothek/Münchener DigitalisierungsZentrum).

Bald nach Kurt Eisners Tod wählt der Landtag Johannes Hoffmann zum neuen Ministerpräsidenten und bestätigt dessen Kabinett. Die nächste Einberufung des Landtags durch die Regierung wird vom Zentralrat verhindert und die erste Räterepublik auf deutschem Boden gegründet; die Regierung Hoffmann und der Landtag weichen nach Bamberg aus. Am 7. April 1919 wird die erste Bairische Räterepublik ausgerufen. Der Zeitungsaufruf „An das Volk in Baiern!“ informierte die Bevölkerung von den Ereignissen:

Die Entscheidung ist gefallen. B a i e r n  i s t  R ä t e r e p u b l i k. Das werktätige Volk ist Herr seines Geschickes. Die revolutionäre Arbeiterschaft und Bauernschaft Baierns, darunter auch all unsre Brüder, die Soldaten sind, durch keine Parteigegensätze mehr getrennt, sind sich einig, dass von nun an jegliche Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende haben muss. Die Diktatur des Proletariats, die nun zur Tatsache geworden ist, bezweckt die Verwirklichung eines wahrhaft sozialistischen Gemeinwesens [...] Zum Zeichen der freudigen Hoffnung auf eine glückliche Zukunft für die ganze Menschheit wird hiermit der 7. April zum Nationalfeiertag erklärt [...] Es lebe das freie Baiern! Es lebe die Räterepublik! Es lebe die Weltrevolution!

(An das Volk der Baiern, Flugblatt vom 7. April 1919. In: Karl Ludwig Ay: Appelle einer Revolution. Dokumente aus Bayern zum Jahr 1918/1919. Anlage 98. Süddeutscher Verlag, München 1998)

Baiern wurde nun wieder mit „i“ geschrieben, anstatt mit dem durch König Ludwig I. eingeführten „y“. Der Bruch mit der Monarchie war endgültig und sollte nach außen hin durch die neue Schreibweise sichtbar werden. Weil die Räterepublik vor allem von Schriftstellern, wie Ernst Toller, Gustav Landauer, Erich Mühsam und anderen, getragen wurde, ging sie als Literaten- und Kaffeehausrepublik in die Geschichte ein.

Viel Zeit war den Räterepublikanern nicht beschieden. Auch wenn es zunächst so aussah, als ob sich das restliche Bayern der Räterepublik anschließen würde. Würzburg, Ansbach und Regensburg folgten noch am selben Tag. Schweinfurt, Hof und Rosenheim am 8. April. Nürnberg sprach sich gegen die Räterepublik aus, ebenso Bamberg. Am 10. April fielen Würzburg, Fürth und Regensburg wieder von der Räterepublik ab. Die Reaktion war bereits auf dem Vormarsch, dennoch taten die Räterepublikaner ihr Bestes, das Leben der Menschen in den wenigen Tagen, die ihnen blieben, nachhaltig zu verbessern.

(Karl, Michaela [2008]: Die Münchner Räterepublik- Porträts einer Revolution. Patmos Verlag, Düsseldorf)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

Sekundärliteratur:

Grau, Bernhard: Revolution, 1918/1919. In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44332, (25.02.2014).

Merz, Johannes: Kabinett Hoffmann I, 1919. In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kabinett Hoffmann I, 1919, (24.01.2017).

Revolution, Rätegremien und Räterepublik in Bayern, 1918/19. In: Bayerische Landesbibliothek Online, URL: http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/bayern1918, (25.02.2014).

Schmalzl, Markus: Zweite Revolution, 1919. In: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44333, (25.02.2014).



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