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Geb.: 1. 8.1885 in Neuburg an der Donau
Gest.: 3. 8.1954 in München
Hans Ludwig Held (Archiv Monacensia)

Hans Ludwig Held

Hans Ludwig Held, Religionsphilosoph ohne Abitur und Studium, Schriftsteller, Direktor der Münchner Stadtbibliothek und von 1945 an Kulturbeauftragter der Stadt München, ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmepersönlichkeit: ein Mensch mit Visionen und der nötigen Tatkraft, diese umzusetzen.

Hans Ludwig Held wird am 1. August 1885 in Neuburg an der Donau geboren. Sein Vater, der Archivoffiziant Marcellus Held, stammt aus einem bäuerlichen Umfeld in Oberbayern, die Mutter aus einer fränkischen Müllersfamilie. Die hohe künstlerische und intellektuelle Begabung Hans Ludwigs zeigt sich schon früh in seinem musikalischen Talent. Nach dem Umzug der Familie nach München besucht Hans Ludwig Held das Ludwigsgymnasium, bricht die Schule aber 1904 nach nur sieben Jahren ohne Hochschulreife ab. Er tritt in den mittleren Verwaltungsdienst der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München ein und legt 1909 die Stadt- und Marktschreiberprüfung ab.

Seit 1906 veröffentlicht er Bücher, die seine vielfältigen Interessen spiegeln. Dämmerstunden. Ein Gedichtbuch ist sein erstes gedrucktes Werk. Darauf folgen 1907 Jakobus. Aus dem Leben eines jungen Priesters und Salome. Ein Mysterium. 1910 veröffentlicht er den Roman Maria-Fried. Er beschäftigt sich mit religiösen und historischen Themen und ediert 1912 die Hetärengespräche des Lukian. In dieser Zeit lässt er sich von der Stadt München ohne Bezüge freistellen.

Neben der schriftstellerischen und wissenschaftlichen Tätigkeit gibt Hans Ludwig Held die Zeitschriften Janus und Kritische Rundschau heraus sowie das religionswissenschaftliche Archiv Religiöse Kultur. 1911 ist er neben Thomas Mann und Frank Wedekind einer der Mitbegründer des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller. In der literarischen Welt Münchens und Deutschlands ist er hervorragend vernetzt und mit Bruno Frank, Karl Wolfskehl, Gershom Scholem und Hugo von Hofmannsthal befreundet.

Die Revolution von 1918 macht nachhaltig Eindruck auf Hans Ludwig Held, so dass er in die USPD eintritt und 1919 für diese als Fraktionsvorsitzender in den Münchner Stadtrat einzieht. Von radikaleren Kräften in der Partei abgeschreckt, gibt er den Vorsitz bereits 1920 wieder ab.

1921 wird Held vom Stadtrat einstimmig zum ersten hauptamtlichen Bibliothekar Münchens bestimmt. Er lässt 1921 alle Bücher mit München-Bezug aus der Bibliothek des Stadtrats herauslösen und ordnet sie zur Monacensia-Sammlung, die heute den Grundstock der Bibliothek der Monacensia darstellt. Ab 1923 treibt er den Ausbau der Städtischen Bibliotheken voran und gründet 1924 die Handschriftenabteilung, die Manuskripte von Münchner Literaten, Künstlern und Persönlichkeiten ab dem 19. Jahrhundert sammelt. Die Stadt München folgt seinem Vorschlag, einen städtischen Dichterpreis zu vergeben. 1928 bekommt Hans Carossa, der Hans Ludwig Held den „großen Eingeweihten im Gartenreich der Schriftwerke“ nennt, diese Auszeichnung als erster Preisträger. 1932 erhält Held die Frankfurter Goethe-Medaille und die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gehört er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die im Oktober 1933 ein an den Reichskanzler gerichtetes „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ unterzeichnen. Das Bekenntnis wird am 26. Oktober 1933 in vielen Zeitungen veröffentlicht. Einen Tag später wird Held, der wegen seines politischen Engagements von den Nationalsozialisten von Anfang an in seiner Arbeit behindert wird, auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem städtischen Dienst entlassen. 1934 zieht er sich nach Unterhaching zurück und veröffentlicht Buchbesprechungen und das Gartenbuch. 1938 erhält er Schreibverbot.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 beruft Oberbürgermeister Karl Scharnagl ihn zurück auf seine Stelle als Bibliotheksdirektor. Zusätzlich erhält er im September 1945 das Ehrenamt des Kulturbeauftragten der Stadt München. 1954, ein Jahr nach seiner Pensionierung, stirbt Hans Ludwig Held mit 68 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlags. Er vererbt seine Privatbibliothek mit 25.000 Bänden der Münchner Stadtbibliothek.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Hanko, Helmut (2005): Großer Eingeweihter im Garten der Schriftwerke. Hans Ludwig Held - Eine Lebensbeschreibung. München.


Externe Links:

Literatur von Hans Ludwig Held im BVB

Literatur über Hans Ludwig Held im BVB

Hans Ludwig Held in der BLO

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