Info
Geb.: 1.11.1921 in Wien
Gest.: 11.11.2016 in Wien
Ilse Aichinger bei der Tukankreis-Lesung im Café Freilinger am 21. September 1953 (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)
Namensvarianten: verh. Eich

Ilse Aichinger

Ilse Aichinger wird als Tochter einer jüdischen Ärztin und eines nicht-jüdischen Lehrers geboren. Ihre Kindheit verbringt sie in Linz, nach der frühen Scheidung der Eltern siedelt sie nach Wien über. Sie besucht die Klosterschule und macht ihr Abitur an einem öffentlichen Gymnasium. Das gewünschte Medizinstudium kann Ilse Aichinger aufgrund der Nürnberger Gesetze nicht aufnehmen; sie nimmt Gelegenheitsarbeiten an und wird später dienstverpflichtet. Die Mutter wird aus dem städtischen Dienst entfernt und zur Fabrikarbeit gezwungen. Nur dank der nicht-jüdischen Tochter entgeht sie der Deportation, ihre Familie fällt hingegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zum Opfer.

Nach Kriegsende beginnt Ilse Aichinger ihr Studium der Medizin in Wien und bricht es im fünften Semester ab, um ihren ersten Roman Die größere Hoffnung beenden zu können. Ab 1950 wird sie Lektorin des S. Fischer Verlages in Frankfurt und arbeitet zusammen mit Inge Scholl an der von ihr gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Auf Einladung von Hans Werner Richter nimmt Aichinger im Mai 1951 zum ersten Mal an einer Tagung der Gruppe 47 in Bad Dürkheim teil, wo sie ihre Erzählung Der Gefesselte liest. Dort macht sie auch Bekanntschaft mit ihrem späteren Ehemann, dem Schriftsteller Günter Eich, den sie 1953 in München heiratet.

Bei der 19. Tagung der Gruppe 47 in Niederpöcking am Starnberger See kommt es im Anschluss an ihre Lesung aus zu keiner Stunde wegen des surrealistischen Charakters der Texte zu heftigen Auseinandersetzungen. In München gründet Ilse Aichinger das Komitee gegen Atomrüstung e.V., an dem sie seit 1958 aktiv teilnimmt. Auch sonst engagiert sich die Autorin politisch, indem sie 1960 eine Boykott-Erklärung gegen das von Konrad Adenauer geplante Staatsfernsehen mitunterzeichnet oder Jahre darauf den Brief der 36. Mitgliederversammlung der Akademie der Künste an den Bundestagspräsidenten unterschreibt, in dem für die Ratifizierung der Ostverträge plädiert wird.

Nach mehreren Wohnortwechseln in Bayern – Geisenhausen, Breitbrunn am Chiemsee und Lenggries – zieht Aichinger 1963 schließlich nach Großgmain bei Salzburg und unternimmt vier Jahre später eine längere Lesereise in die USA. Nach dem Tod ihres Mannes 1972 wird sie Mitherausgeberin seiner Gesammelten Werke. Auf Einladung des S. Fischer Verlages übersiedelt sie 1984 nach Frankfurt am Main und kehrt 1988 wieder nach Wien zurück.

Aichinger wohnt in der Herrengasse im 1. Wiener Bezirk und verbringt viele Stunden schreibend in Cafés. Zwischen 2001-2003 erscheinen jeden Donnerstag ihre Kolumnen im Wiener Standard. 2004 kommt es zum Bruch mit der Zeitung wegen eines Kolumnenbeitrags zum Nobelpreis von Elfriede Jelinek. Im Dezember noch fängt Ilse Aichinger ihre Kolumnenarbeit für die Wochenendbeilage „Spectrum“ der Zeitung Die Presse an.

Am 11. November 2016 stirbt Ilse Aichinger im Alter von 95 Jahren in Wien.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Berbig, Roland; Markus, Hannah (2007): Vita Ilse Aichinger. In: Text + Kritik. H. 175, S. 104-111.


Externe Links:

Literatur von Ilse Aichinger im BVB

Literatur über Ilse Aichinger im BVB

Schnee

Gedichte Ilse Aichingers im Frauen-Kultur-Archiv

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