Info
Geb.: 20.10.1946 in Mürzzuschlag (Österreich)
Fotografie (Farbdia) Dezember 1996 (Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe)

Elfriede Jelinek

Mit einem umfassenden, heterogenen Werk aus Lyrik, Prosa, Theaterstücken, Hörspielen, Drehbüchern und Opernlibretti zählt Elfriede Jelinek zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart. Typisch für sie sind Kritikern zufolge vor allem messerscharfe Analysen zu den Themen Schuld, Macht und Sexualität. Sie gilt als „enfant terrible“ des deutschsprachigen Kulturbetriebs und wird dabei häufig im selben Atemzug wie Ingeborg Bachmann oder Thomas Bernhard genannt.

Elfriede Jelinek wächst in Wien auf. Ihre Mutter ist streng und plant schon früh sehr energisch eine musikalische Karriere für ihre Tochter. So erhält Jelinek in ihrer Kindheit und Jugend intensiven  Klavier-, Gitarren-, Flöten-, Geigen- und Bratschenunterricht. Nach der Matura beginnt sie ein Klavier- und Kompositionsstudium am Wiener Konservatorium, das sie 1971 mit dem Examen zur Organistin abschließt. Parallel dazu studiert sie Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien.

Aufgrund eines psychischen Zusammenbruchs und anhaltender Angstzustände zieht sie sich 1967 für mehrere Monate komplett aus ihrem sozialen Umfeld zurück. In ihrer Isolation wird die Sprache zu ihrem neuen Instrument und sie beginnt zu schreiben. Noch im selben Jahr erscheint ihr erster Gedichtband Lisas Schatten.

Mit ihrem Romandebüt wir sind lockvögel, baby! (1970), einem experimentellen Werk, das Elemente aus Trivialliteratur, Comic und Werbung miteinander verbindet, wird Jelinek in literarischen Kreisen erstmals größere Aufmerksamkeit zuteil. Nach einigen weiteren Veröffentlichungen folgt 1983 mit Die Klavierspielerin ein autobiographischer und für Jelineks Verhältnisse recht konventioneller Roman, der bei Lesepublikum und Kritikern gut ankommt. Erzählt wird die beklemmende Geschichte der Klavierlehrerin Erika Kohut. Sie leidet unter einer kontrollsüchtigen Mutter, die sie zur Pianistin gedrillt hat, und unter einem sadomasochistischen Verhältnis zu einem ihrer Schüler. 2001 wird der Roman von dem österreichischen Regisseur Michael Haneke verfilmt.

Lust (1989) ist Jelineks meistverkauftes und wohl provokativstes Werk. Der vieldiskutierte Roman beschäftigt sich mit patriarchalischen Machtverhältnissen und erzählt von der stark von sexueller Gewalt geprägten Beziehung zwischen einem Fabrikdirektor und seiner Frau. Die Kinder der Toten (1995) stellt eine intensive Beschäftigung mit der Erinnerung und Verdrängung des Holocausts dar. Der Roman Gier (2000) sorgt vor allem wegen seiner pornografischer Stellen für Aufmerksamkeit.

Neben ihrem literarischen Schaffen tritt Jelinek schon früh auch als Dramaturgin in Erscheinung. In Stücken wie Burgtheater (1985), Stecken Stab und Stangl  (1996), Ein Sportstück (1998) oder Das Lebewohl (2000) provoziert Jelinek mit ihrer politischen Themenwahl. Häufig verzichtet sie auf Figurenrede und herkömmliche Dramaturgie, was den jeweiligen Regisseuren umso mehr Freiheit bei den Inszenierungen gibt. Aufgrund von Anfeindungen seitens der rechten Boulevardpresse und des FPÖ-Politikers Jörg Haider verhängt Jelinek dabei zwischenzeitlich ein Aufführungsverbot ihrer Stücke in Österreich.

Für ihr Werk erhält die Autorin zahlreiche Auszeichnungen. Zu den größten zählen der Georg-Büchner-Preis (1998) sowie der Nobelpreis für Literatur (2004), den sie für ihre „einzigartige sprachliche Leidenschaft“ erhält. Jelinek bleibt der Preisverleihung in Stockholm jedoch fern und hält ihre Dankesrede stattdessen via Videobotschaft. Ab diesem Zeitpunkt tritt sie kaum noch öffentlich in Erscheinung, feiert jedoch weiterhin zahlreiche Theatererfolge, zum Beispiel mit Babel (2005) über den Irakkrieg, Ulrike Maria Stuart (2005) über die RAF oder dem Inzestdrama FaustIn and out (2012). 2017 erscheint mit Am Königsweg ein Stück über Donald Trump, das der Bayerische Rundfunk als Hörspielfassung produziert.

Bereits seit 1996 betreibt Elfriede Jelinek rege eine eigene Homepage, auf der sie sich in essayistischer Form zu den verschiedensten Themen äußert, aber auch Theatermanuskripte und mit Neid (2007/2008) nach und nach sogar einen vollständigen Roman veröffentlicht.

Seit 1974 lebt Jelinek mit ihrem Ehemann in München und Wien.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Marina Babl

Sekundärliteratur:

Jelinek, Elfriede. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: https://www.munzinger.de/search/portrait/elfriede+jelinek/0/16311.html, (06.09.2016).

Mayer, Verena; Koberg, Roland (2006): Elfriede Jelinek. Ein Porträt. Hamburg.


Externe Links:

Literatur von Elfriede Jelinek im BVB

Literatur über Elfriede Jelinek im BVB

Homepage der Autorin

Elfriede-Jelinek-Forschungszentrum

Hörspiel Am Königsweg

Elfriede Jelinek in der Wikipedia

Kommentar schreiben