Info
Geb.: 8. 2.1942 in Eslarn
© Hubert Lankes (hubert@netzblick.de)

Marianne Ach

„Aus Bildern werden Geschichten. Die Oberpfalz, aus der ich stamme, ist reich davon. Sogar der kleine, fast unbedeutende Marktflecken Eslarn. Jahrzehnte durch den Eisernen Vorhang in seine Schranken gewiesen, haben sich die Bewohner an die Enge gewöhnt, sie haben nicht Ausladendes oder Überflüssiges in ihrer Sprechweise. Das prägte sowohl mein Weltbild als auch meinen Stil“, so resümiert die aus der nordöstlichen Oberpfalz stammende und seit über 30 Jahren in München lebende Schriftstellerin Marianne Ach über ihre geographische Herkunft und die erzählerische Basis ihrer Prosa.

Mit 13 Jahren verlässt Marianne Ach „die kleinen Stuben meines Elternhauses, vertraute Menschen, Gerüche und Düfte, den Wasserfall und die Himbeersträucher“, die karge „Steinpfalz“ an der böhmischen Grenze. Nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Schulmöglichkeiten vor Ort sucht sie das klösterliche Leben bei den Dillinger Franziskanerinnen. Mit 19 legt sie ihr Ordensgelübde („Profeß“) ab, wird Kindergärtnerin und Katechetin. Nach zehn Jahren („wieder war es an der Zeit zu gehen“) verlässt sie den Orden, macht das Abitur nach und studiert von 1974 bis 1979 in München. Ach wird Realschullehrerin für die Fächer Deutsch und Religion und heiratet. Bis 2004 ist sie im Lehramt tätig. Zwar bleibt die Ehe kinderlos, aber Marianne Ach bezeichnet noch heute einige „ihrer Schützlinge“ (aus ihrem Schulunterricht) liebevoll „als Sohn“ oder „Tochter“ (Carolin Raffelsbauer). Nicht zu vergessen, die wichtige Mitarbeit Marianne Achs in einem Wohnheim für Asylbewerber in Obersendling, in dem sie Asylsuchende in den ersten drei Monaten betreut und ihnen den ersten Zugang zur fremden Sprache vermittelt: „Ich bringe ihnen die ersten deutsche Worte, die ersten Lieder bei.“

Schon während ihrer Lehrtätigkeit hat Marianne Ach zu schreiben begonnen („Bilder und Erinnerungen kehrten zurück.“). Ihre Vorbilder sind Ilse Aichinger, Lars Gustafsson und Jon Fosse. Ihr Debüt ist 1998 die Erzählsammlung Schlimme Wörter. Episoden, angesiedelt zwischen Dorf und Stadt, Ost und West. Thematisch auf der Suche nach etwas, was das Leben selbst sein könnte. 2004 folgt Goldmarie Pechmarie über das streng-katholische Dorfleben nahe der tschechischen Grenze (in den 40er-Jahren), die unbewältigte NS-Vergangenheit, die US-Besatzungsmacht und die Hauptperson des Dorflehrers, das zu einem eindrucksvollen literarisch-sprachlichen Abbild ihre eigenen Kindheit (mit realen und fiktiven Personen) wird. Die Veröffentlichung sorgt – bedingt durch einen Kurzfilm des Bayerischen Fernsehens – in ihrem Geburtsort für große Diskussionen. Und als Marianne Ach (im Winter 2004) zu den 21. Weidener Literaturtagen im Mai 2005 eingeladen wird, wird der Initiator und Organisator des Literaturfestivals mit diffamierenden Briefen (unter Rechtsanwaltsdrohungen) überhäuft, die „zur Ausladung“ der Autorin führen sollen.

Im Roman Der Blechsoldat (2006) erleben wir das Dilemma einer schwangeren Dienstmagd – ganz in der bairischen Erzähltradition von Lena Christ und Emerenz Meier. Zu diesem Roman erscheint auch ein begleitendes Arbeitsheft für Gymnasien des Passauer Lehrers Markus Eberhardt. Die engste Familie, vier ratlose Menschen („die Großmutter, die Mutter, die Schwester und ich“), ist das beherrschende Familienquartett in Winterherzen (2008), das gleichzeitig ihre Trilogie abschließt. Mit Glück ist ein seltener Vogel (2010) präsentiert die Autorin ein sehr persönliches Buch: Drei Ansichten über das Leben einer Frau, die Nonne wird und das Kloster wieder verlässt, die auf ihre Berufsjahre als Lehrerin zurückblickt und die als Schriftstellerin auf Lesereisen unterschiedlichste Erfahrungen macht.

Mitte September 2014 erscheint in der edition lichtung (Viechtach) der Erzählband Am Horizont kein Zeichen. In den Erzählungen, die sich in verschiedenen Ländern abspielen, suchen Menschen nach einem Traum, einer alten Gewohnheit, einer vergangenen Liebe. 2017 erscheint – ebenfalls wieder in der edition lichtung – ihr neuer Roman Von gestern eine Spur: Darin ist der Sohn der Hauptfigur Therese spurlos verschwunden. Nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat, findet sie das Glück in einer neuen Beziehung.

„Das Glück finden – wo auch immer“, ist die Schreib-Philosophie der Marianne Ach – aber vielleicht auch ihrer Leserschaft.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Kratzer, Hans (2011): Geprägt von den Ecken und Kanten der Oberpfalz und des Klosters: Die ungewöhnliche Lebensgeschichte der Marianne Ach. In: Süddeutsche Zeitung (München), 14. Januar 2011.

Pedarnig, Dietlind; Ziegler, Edda (Hg.) (2013): Bayerische Schriftstellerinnen. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 213-222.

Raffelsbauer, Carolin (2008): Sprache verändert sich von „Leben“ zu „Leben“ oder: „Fünf müssen es sein...“. Über Marianne Ach und ihre ersten vier Bücher. In: Literatur in Bayern, 24. Jg., Nr. 93, S. 13-15.

Röhrl, Boris (2008): Die Entwicklung von Buchillustrationen zu dem Roman Der Blechsoldat von Marianne Ach. In: Literatur in Bayern, 24. Jg., Nr. 93, S. 16-22.

Schauer, Manuela (2015): Vom Glück der Freiheit. Warum die Münchner Autorin Marianne Ach in Gefängnissen liest – und in der Trambahn schreibt. In: Münchner Merkur Nr. 57, Kultur, 10. März, S. 16.


Externe Links:

Literatur von Marianne Ach im BVB

Literatur über Marianne Ach im BVB

Zur Homepage der Autorin

Youtube-Video zu Marianne Ach

Interview

Kommentare

Bernhard M. Baron am 19.09.2014 um 15:02

Wer den Erzählband Am Horizont kein Zeichen von Marianne Ach gelesen hat, der wird beeindruckt sein, ob ihres poetischen Stils und ihres Einfühlungsvermögens in ihre handelnden Figuren. Die manchmal parabelartigen Kurzgeschichten sind psychologisch gekonnt skizziert. Ihre prägnanten Texte erinnern ohnehin an die literarische Gattung der modernen Kurzgeschichte, die in den vergangenen Jahren fast vergessen gewesen war (in den 1950ern schrieben so Wolfgang Borchert und Marie Luise Kaschnitz).



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