Info
Geb.: 9.11.1905 in München
Gest.: 27.8.1969 in Zürich
Erika Mann beim Besuch ihres Vaters Thomas Mann in München, Oktober 1952 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Namensvarianten: Erika Julia Hedwig Mann

Erika Mann

Erika Mann wird am 9. November 1905 als erstes Kind von Katia und Thomas Mann in München geboren. Einem häufig zitierten Brief an seinen Bruder Heinrich ist zu entnehmen, dass Thomas Mann zunächst enttäuscht ist und einen erstgeborenen Sohn als „poesievoller“ empfunden hätte. Kaum ein Jahr später wird Erikas Bruder Klaus geboren. Von Anfang an sind die Geschwister unzertrennlich und werden häufig wie ein Zwillingspaar gekleidet. Erika Mann wächst in München auf, zunächst in der Schwabinger Franz-Joseph-Straße, 1914 zieht die Familie nach Bogenhausen, wo Thomas Mann an der Poschinger Straße 1 eine herrschaftliche Villa errichten lässt. Bis 1917 hält sich die Familie auch häufig in ihrem Landhaus in Bad Tölz auf. Erika Mann genießt eine privilegierte Kindheit. Als Schülerin besucht sie zunächst das gehobene Privatinstitut von Ernestine Ebermayer in Schwabing, dann die Städtische Höhere Mädchenschule am St. Annaplatz. Als Erika und Klaus Mann zusammen mit anderen Jugendlichen aus dem Bogenhausener Herzogpark eine „Bande“ bilden und groben Unfug verüben, scheint es den Eltern geboten, ihre ältesten Kinder in reformpädagogische Landerziehungsheime zu geben.

Erika Mann gilt als aufgeweckt und temperamentvoll. Früh entdeckt sie ihre Leidenschaft für das Theater und gründet zusammen mit Klaus und gemeinsamen Freunden aus dem Herzogpark den „Laienbund deutscher Mimiker“. 1924 legt Erika Mann das Abitur am Luisengymnasium ab und zieht unmittelbar darauf in die Metropole Berlin, um an der Schauspielschule von Max Reinhardt Unterricht zu nehmen. Im selben Jahr schreibt Klaus Mann sein erstes Theaterstück Anja und Esther, mit dem die Geschwister 1925 zusammen mit Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens auf der Bühne stehen. Im Juli 1926 heiratet Erika Mann den aufstrebenden Theaterstar Gustaf Gründgens, doch bald schon kommt es zu Zerwürfnissen und zur Auflösung der Ehe. Im Oktober 1927 brechen Erika und Klaus Mann als „Literary Mann Twins“ zu einer Weltreise auf, die sie unter anderem in die USA, nach Honolulu, Japan, Korea und in die Sowjetunion führt. Nach der Rückkehr verfassen sie zusammen den Reisebericht Rundherum. Das Abenteuer einer Weltreise (1929). Das Buch wird ein Erfolg, und fortan arbeitet Erika Mann auch als Journalistin und Kolumnistin u.a. für das Berliner Magazin Tempo, die Münchner Neuesten Nachrichten und für den Bayerischen Staatsanzeiger. Im Mai 1931 bricht die leidenschaftliche Autofahrerin mit einem Ford zu einer 10.000-km-Ralley quer durch Europa auf und gewinnt einen der ersten Preise. Die Erlebnisse während der Tour hält sie in unterhaltsamen Reisefeuilletons fest. Nach einer weiteren gemeinsamen Tour entlang der französischen und italienischen Rivieraküste schreiben Klaus und Erika Mann Das Buch von der Riviera, das 1931 in der Reihe Was nicht im Baedecker steht im Piper Verlag erscheint. Im darauf folgenden Jahr kommt Erika Manns erstes Kinderbuch Stoffel fliegt übers Meer (1932) heraus, 1934 folgt Muck, der Zauberonkel.

Mit dem aufziehenden Nationalsozialismus wird Erika Mann zur politischen Publizistin und Kabarettistin. Im Kampf gegen Hitler gründet sie das Kabarett Die Pfeffermühle, das am 1. Januar 1933 in der Münchner Bonbonnière sein erstes Programm präsentiert. Den Großteil der Texte schreibt Erika Mann selbst, ebenso übernimmt sie die Conférence, während als Star des Ensembles die Schauspielerin Therese Giehse die Regie übernimmt und Glanznummern spielt. Der Pfeffermühle bleibt nicht viel Zeit. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geht die Familie Mann 1933 ins Exil. Durch eine Eheschließung mit dem englischen Dichter Wystan H. Auden erhält Erika Mann einen englischen Pass. Es gelingt ihr, mit der Pfeffermühle noch drei Jahre durch Europa zu touren, dann, als die Lage für das antifaschistische Kabarett in Europa zunehmend gefährlicher wird, geht sie 1936 nach Amerika. Hier scheitert der Versuch, mit einer englischsprachigen Peppermill-Revue weiterzumachen. Erika Mann tritt fortan als politische Rednerin und Publizistin in Erscheinung. 1938 veröffentlicht sie ihr erstes Buch im Exil School for Barbarians. Education under the Nazis, in dem sie die Kindererziehung unter den Nazis thematisiert. Im Amsterdamer Querido-Verlag erscheint die deutsche Ausgabe unter dem Titel Zehn Millionen Kinder. Die Erziehung der Jugend im Dritten Reich (1938). Im darauf folgenden Jahr kommt Escape to Life (1939) heraus, eine Koproduktion mit ihrem Bruder Klaus. Das Buch ist eine Art Nachschlagewerk, ein Panorama der Vertreter der deutschen Emigration. 1940 folgt The lights go down, Erika Manns in englischer Sprache verfasste Schilderung des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland. Im Zweiten Weltkrieg reist sie als Kriegsberichterstatterin für die BBC u.a. nach London, um über den dort wütenden Blitzkrieg zu berichten. Sie ist dabei, als die Alliierten in Europa landen, und nimmt als Beobachterin an den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen teil. Über das Nachkriegsdeutschland fällt Erika Mann ein hartes Urteil; sie stellt die Demokratiefähigkeit des „garstigen, unseligen Volkes“ in Frage. Im Amerika der McCarthy-Ära sieht sie sich heftigen Vorwürfen als prokommunistische Agitatorin ausgesetzt. Eine Autobiografie, die sie 1943 mit dem Titel I of all people beginnt, bleibt unvollendet.

In den letzten Jahren ihres Lebens konzentriert sich Erika Mann ganz auf ihren Vater und dessen Werk. In der Rolle der „Tochter-Adjudantin“ steht sie Thomas Mann als Assistentin, Editorin und Beraterin zur Seite. 1952 übersiedelt sie gemeinsam mit den Eltern in die Schweiz. Erika Mann schreibt dort mehrere Kinderbücher, darunter Unser Zauberonkel Muck (1952), Christoph fliegt nach Amerika (1953) sowie die Reihe Zugvögel (1953-1959). Ein Jahr nach dem Tod von Thomas Mann 1955 erscheint Das letzte Jahr. Bericht über meinen Vater (1956). Von nun an nimmt sie die Rolle der Nachlasshüterin an und ediert Thomas Manns Briefe, die sie dann von 1961-1965 in einer dreibändigen Ausgabe herausgibt. Am 27. August 1969 stirbt Erika Mann im Kantonsspital Zürich.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Lühe, Irmela von der (2009): Erika Mann. Eine Lebensgeschichte. Reinbek bei Hamburg.

Naumann, Uwe (2005): Die Kinder der Manns. Ein Familienalbum. Reinbek bei Hamburg.

Pedarnig, Dietlind; Ziegler, Edda (Hg.) (2013): Bayerische Schriftstellerinnen. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 152-155.


Externe Links:

Literatur von Erika Mann im BVB

Literatur über Erika Mann im BVB

Erika Mann in der BLO

Kommentare

Franz Zeder am 04.06.2013 um 21:36

Erika Mann hatte zwei Wohnsitze im Tirolerischen Ehrwald, nahe an der bayrischen Grenze. Ich habe diese Aufenthalte bereits umfassend recherchiert und wäre gerne bereit, darüber mit jemandem von der großen Gemeinde der an den Manns Interessierten in Kontakt zu treten: Dr. Franz Zeder, A-8530 Deutschlandsberg (Österreich)



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