Anfang Juni 2019 wurde in Bad Tölz der „Thomas-Mann-Weg“ eingerichtet. Nach der Auflösung des Villinos in Feldafing 2018 fand dessen Bibliothek in der Stadtbibliothek Bad Tölz eine neue Bleibe; mit den Möbeln und Bildern aus dem Film Die Manns (2001) wurde außerdem ein eigenes „Thomas-Mann-Zimmer“ dort eingerichtet. Der Spaziergang, zu dem das Thomas-Mann-Forum München e.V. während seines Sommerfests 2019 einlud, beleuchtet die wichtigsten Stationen aus dem Leben Thomas Manns und seiner Familie während ihres Aufenthalts in Bad Tölz und erinnert an die große Dichterfamilie.

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Im oberbayerischen Kurort Bad Tölz verbrachte Thomas Mann mit seiner Ehefrau Katia und den vier Kindern Erika, Klaus, Golo und Monika von 1908 bis 1917 viele gemeinsame Sommer und einige Wintermonate. Das 1909 erbaute und heute nur von außen zu besichtigende „Landhaus Thomas Mann“ war für den renommierten Schriftsteller dichterisches Refugium und Ort der Repräsentation zugleich – für die Kinder bildete Bad Tölz schlichtweg das „Paradies“.

Nach Oberammergau und Seeshaupt beschlossen die Manns, in Tölz die „Villa Held“ in der Gaißacher Straße 17 – heute befinden sich dort Reihenhäuser – als Unterkunft zu beziehen. Im Sommer 1908 hoffte Thomas Mann noch auf die Beendigung seines zweiten Romans Königliche Hoheit. Doch es kam anders und das Ehepaar begann, das Pensionsleben aufzugeben und ein eigenes Landhaus zu errichten.

Das Haus wurde von Hugo Röckl, einem Neffen des berühmten Architekten Gabriel von Seidl (1848-1913), erbaut und stellt einen zweigeschossigen Jugendstilbau mit Walmdach und Arkadenaltane dar. Über der Eingangstür sind die Initialen „Th M“ samt Jahreszahl 1909 angebracht. 1966 entschloss sich die Stadt außerdem, eine Gedenktafel vor das Landhaus aufzustellen. Ausgewählt wurden die Zeilen aus dem Schneekapitel im Roman Der Zauberberg: „Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“

Katia und Thomas Mann mit ihren Kindern Erika, Klaus und Golo vor ihrem Landhaus in Bad Tölz, Sommer 1909 (Archiv Monacensia)

Dieser Satz ist der „Ergebnissatz“, wie Thomas Mann sagt, das Fazit seines Romans Der Zauberberg. Er ruft den Menschen dazu auf, eine „Lebensfreundlichkeit“ gegenüber dem Tode zu entwickeln, was als Gegenprogramm zur „Sympathie mit dem Tode“ verstanden werden kann, einem weiteren Schlüsselbegriff in Thomas Manns Werk. Es geht demnach immer um das Sowohl-als-auch, nie um das Entweder-oder, vielmehr um die „Lebenswahrheit“ des Menschen (Dirk Heißerer).

1913 reifte bei der Familie Mann aus finanziellen Gründen der Entschluss, das schöne Landhaus zu veräußern. Nachdem die Manns 1914 ihr Wohnhaus in der Poschingerstraße 1 (heute: Thomas-Mann-Allee 10) in München bezogen hatten, stand das Landhaus – bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges – allerdings erst 1917 zum Verkauf.

Auf den Lebensspuren des Dichters und seiner Familie in Bad Tölz kann man noch heute über den sog. „Thomas-Mann-Weg“ wandeln. Der Weg startet – alternativ zum ca. 3 km langen Rundweg der Stadt – am „Alten Bahnhof“ (1), an dem die Familie Mann stets anreiste, führt dann über den „Klammerweiher“ (2), wo einige der Mann-Kinder erste Schwimmversuche starteten, vorbei an der Familien-„Baumreihe“ (3), über eine Zwischenstation (4) am Faistweg zum ehemaligen „Landhaus Thomas Mann“ (5), dem „Herrensitzchen“ des Schriftstellers in der Heißstraße 31. Anschließend geht es über die Stationen „Prinzregent-Luitpold-Heim“ (6) und „Café am Wald“ (7) zur Tölzer Stadtbibliothek, in der ein Nachbau des ehemaligen Arbeitszimmers Thomas Manns (8) mit Requisiten aus dem Film Die Manns – Ein Jahrhundertroman besichtigt werden kann.

Erweitern bzw. komplettieren lässt sich der Spaziergang über die drei zusätzlichen Standorte „Schlittenberg“ (Kalvarienberg), „Café Kogel“ (seit 2012 Wohnhaus) und „Relief bei der Stadtsparkasse“ im Stadtzentrum.

(c) Literaturportal Bayern / Dr. Peter Czoik

 


Spaziergang starten: Station 1 von 8 Stationen


 

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

 

Sekundärliteratur:

Heißerer, Dirk (2005): Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern. Verlag C.H. Beck, München [bes. S. 150-172].

Lang, Daniel (2017): „Nicht auf der Rasenkante gehen!“ Die Familie Mann und ihr Landhaus in Bad Tölz 1908-1917. Erw. Neuausg. mit einer Dokumentation (1908-2017) von Martin Hake und Dirk Heißerer (Thomas-Mann-Schriftenreihe / Fundstücke, 3). Königshausen & Neumann, Würzburg. 

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