Info
Geb.: 5. 9.1862 in Fürth
Gest.: 7. 4.1926 in Würzburg
August Sperl. Zeitgenössisches Porträt
Titel: Dr. phil.

August Sperl

Obgleich in Fürth geboren, verlebt August Sperl seine Kinderjahre in Landshut, wo sein Vater Heinrich Sperl Vorstand der Gewerbeschule ist. Nach dem Abitur am Königlichen Wilhelms-Gymnasium  in München (1880) studiert August Sperl in Erlangen, Tübingen und München klassische Philosophie und Geschichte. Während seines Studiums in Erlangen tritt er der Burschenschaft der Bubenreuther bei und wird 1913 „Ehrenphilister“.

Eine langjährige Tätigkeit ab 1887 im staatlichen und privaten Archivdienst führt ihn nach Amberg (1891), Nürnberg, Castell/Unterfranken (1902), Landshut (1907) und Würzburg. Von 1920 bis 1926 ist Sperl Archivdirektor in Würzburg.

Diese Lebensstationen spiegeln sich auch in seinen kulturgeschichtlichen Erzählungen wider, besonders aber im Roman Der Archivar. Ein Roman aus unserer Zeit (1921). Hier und in seinen Ahnenbildern und Jugenderinnerungen (1922) schildert Sperl u.a. den kulturhistorischen und volkskundlichen Hintergrund der Oberpfalz (Vohenstrauß, Burg Trausnitz, Cham), wo er im ehemaligen historischen Eisenhammer  Gut „Sperlhammer“  (zwischen Weiden und dem Markt Luhe im Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab gelegen) auch verwandtschaftliche Beziehungen pflegt. Aus der Metallverarbeitungsanlage an der Haidenaab entstand um 1800 ein Glasschleif- und Glaspolierwerk.

Sperlhammer mit Eisenhammerwerk an der Haidenaab (Quelle: Staatsarchiv Amberg)

August Sperls unterhaltender, feinsinnig-gemütvoller Erzählstil ist durchaus in der Tradition des bürgerlichen Realismus in der Nachfolge Gustav Freytags (1816-1895, Werke Die Ahnen, Soll und Haben) zu verstehen. Sein Hauptwerk besteht aus historischen Romanen und Novellen. Es beginnt mit Die Fahrt nach der alten Urkunde. Geschichten und Bilder aus dem Leben eines deutschböhmischen Emigrantengeschlechts (1893), führt über den Dreißigjährigen Krieg in Hans Georg Portner. Eine alte Geschichte (1901), die ersten Kreuzzüge in Richiza (1909) über die lokalhistorische Novelle Der Ratsschreiber von Landshut (1911), die napoleonischen Befreiungskriege Burschen heraus! Roman aus der Zeit unserer tiefsten Erniedrigung (1914) bis zu seinem klassischen Roman – anlässlich des 400. Jahrestages der Deutschen Bauernkriege – über Tilman Riemenschneider Der Bildschnitzer von Würzburg (1925). Bis in die 1930er-Jahre hinein erzielen seine Werke hohe Auflagen. Ende der 1990er-Jahre beginnt eine Renaissance für den klassischen Vertreter des historischen Romans, die schließlich in Hörbuchaufnahmen mündet (Kreuzzüge in Richiza, Der Bildschnitzer von Würzburg, beide 2004).

August Sperl, Archivar, Historiker und Schriftsteller, stirbt am 7. April 1926 in Würzburg. Sein Grab befindet sich in Castell/Unterfanken.

Die Städte Amberg, Castell, Landshut, Vohenstrauß und Würzburg gedenken seiner mit eigenen Straßennamen.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard (2016): August Sperl. Fränkischer Schriftsteller und Heimatdichter der Oberpfalz. In: Oberpfälzer Heimatspiegel 2017, S. 56-61.

Biese, Alfred (2015): Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 3 (Reprint von 1917). Paderborn, S. 614f.

Dünninger, Eberhard (1992): „Kern Teutschlands, Oberpfalz, Dein Ruhm hat mich entbrannt“. Literarische Entdeckungsreise durch zwölf Jahrhunderte. Amberg, S. 85.

Gerber, Harry (1957): August Sperl (Bubenruthia Erlangen). 1862-1926. In: Burschenschaftliche Blätter. 72. Jg., S. 75.

Hoffmann, Helene (1935): August Sperl und seine Quellen in der ersten Schaffensperiode seines Lebens. Eine literarhistorische Untersuchung auf Grund seines Familienarchivs, sowie mündlicher und schriftlicher Mitteilungen seiner Angehörigen, Verwandten und Freunde. Kallmünz. (Diss.)

Killy, Walther (2011): Literaturlexikon. Bd. 11. Berlin, S. 101.

Pörnbacher, Hans; Hubensteiner, Benno (1980): Bayerische Bibliothek. Texte aus zwölf Jahrhunderten. Bd. 4: Von der Romantik zum Naturalismus. München, S. 1035-1037.

Scherzer, Walter (1993): August Sperl (1862-1926). In: Fränkische Lebensbilder (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, VII A). Bd. 15. Neustadt an der Aisch, S. 251-264.

Winkler, Karl (1940): Literaturgeschichte des oberpfälzisch-egerländischen Stammes. Bd. 1. Kallmünz, S. 319-323.


Externe Links:

Literatur von August Sperl im BVB

Literatur über August Sperl im BVB

August Sperl in der BLO

Werke bei gutenberg.spiegel.de

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