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Marktplatz, rechts das Falkenhaus (c) Wikicommons

Würzburg

Die Gründung der Stadt Würzburg wird auf den 1. Mai 704 datiert, da eine Schenkungsurkunde bezeugt, dass sie an diesem Tag in „castello Virteburch“ ausgestellt wurde. Manche vermuten, dass der Name keltischen Ursprungs ist. Die pikante Metapher wird jedenfalls gerne übernommen: Im frühen Mittelalter heißt die Stadt auch einmal „Herbopolis“, zu deutsch „Kräuertstadt“. Schon damals stellt sie ein literarisches Zentrum dar: Um 1230 lebt – und stirbt – Walther von der Vogelweide in Würzburg (im Lusamgärtchen steht ein Grabdenkmal), und etwa zur selben Zeit wird hier Konrad von Würzburg geboren.

Im Jahr 1402 gründet Fürstbischof Johann von Egloffstein die Würzburger Universität, die allerdings kaum zehn Jahre später wieder schließt (deshalb gilt Würzburg nicht als älteste Universitätsstadt des Freistaats; diesen Rang beansprucht Ingolstadt) und 1582 ein zweites Mal gegründet wird. 1467 beginnt zudem der Bau der Alten Mainbrücke, die nicht nur in dem Roman Die Räuberbande des in Würzburg geborenen Schriftstellers Leonhard Frank eine wichtige Rolle spielt.

Im Gegensatz zum 17. Jahrhundert, das durch das Ausmaß der Hexenverbrennungen und den Dreißigjährigen Krieg ein dunkles für Würzburg darstellt, erlebt die Stadt im folgenden 18. Jahrhundert eine Blütezeit, von der noch heute viele Bauwerke und deren Rokoko-Stil zeugen. Etwa zur selben Zeit wie die berühmte Würzburger Residenz, die seit 1981 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, wird am Marktplatz das Haus zum Falken errichtet, das einst als Gasthaus dient und heute die Stadtbücherei Würzburg beherbergt.

1803 wird Würzburg erstmals bayerisch, 1814 dann endgültig. In dieser Zeit wird Georg Joseph Manz geboren, der eigentlich nicht in die Fußstapfen seinen Kaufmann-Vaters treten will, deshalb eine Lehre als Buchhändler in Nürnberg beginnt und am Ende ein erfolgreicher Buch-Unternehmer mit Verlagen, Druckereien und mehreren hundert Angestellten ist. Ein weiterer Buchdrucker, der aus dieser Stadt stammt, ist Friedrich Karl Köhl, geboren 1846 in Würzburg, der zunächst in der Seifenproduktion tätig ist. In dieser Reihe ist auch Hermann Gerstner zu nennen, dessen Karriere als Bibliothekar ihn sowohl an die Bayerische Staatsbibliothek als auch an die Staatsbibliothek Bamberg führt.

Das 19. Jahrhundert gedenkt nicht nur seiner literarischen Vergangenheit – 1824 wird der Frankonia-Brunnen errichtet –, sondern bringt auch die literarisch berühmtesten Kinder hervor. 1867 wird Max Dauthendey hier geboren, der Zeit seines Lebens in Würzburg und zugleich in der ganzen Welt zuhause ist. 1901 erhält er Besuch von seinem Schweizer Kollegen Robert Walser, der – wie viele andere – in seiner schriftlichen Verarbeitung dieser Reise allererst auf den Wein eingehen wird. Nur zwei Jahre nach Dauthendey kommt Franz-Joseph Ahles zur Welt – wohl dessen bestes Gegenbeispiel: Ahles verlässt Oberfranken im Grunde nie, und seine Gedichte trägt er eigenhändig, während der Ausübung seines Berufs als Besenbinder, in die umliegenden Dörfer. Noch vergessener ist einer der berühmtesten Autoren der Weimarer Republik, der Dramatiker Max Mohr, der 1937 in der Emigration in Shanghai verstirbt.

Der Verlust, den Würzburg im Zweiten Weltkrieg erleidet, ist auch ein literarischer. Sowohl Ludwig Pfeuffer, geboren 1924, später: Jehuda Amichai, als auch Paul-Philipp Freudenberg, geboren 1926, später: Schraga Har-Gil, emigrieren in den 1930er Jahren nach Palästina. Kurz vor bzw. kurz nach dem Krieg werden zwei der heute erfolgreichsten Germanisten des Landes geboren: Hannelore Schlaffer und Hans-Ulrich Gumbrecht. Im Jahr 1952 zieht die Stadtbücherei ins Haus zum Falken: So sind die dichte Vergangenheit und die Gegenwart der Dichtung endlich an einem Ort vereint.

Sekundärliteratur:

Illing, Kurt (Hg.) (1992): Auf den Spuren der Dichter in Würzburg. Würzburg.


Externe Links:

Homepage der Stadt Würzburg

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