Info
Geb.: 12.11.1944 in Steinhöring
Gest.: 30.7.2020 in Beutellohe
(c) VS Bayern
Namensvarianten: Angela Hager (Geburtsname)

Angela Baumann

1944 als Angela Hager geboren, wächst Angel Baumann in Ansbach auf. Ihr Vater Dr. Wilhelm Lorch ist Studienrat, gebürtig aus Stuttgart Vaihingen. Die Mutter, Maria Beine-Hager, ist Bildende Künstlerin. Beine-Hager besucht u.a. vier Sommerakademien in Salzburg bei Oskar Kokoschka.

Mit 17 Jahren geht Angela Hager nach Würzburg und besucht die dortige Akademie für Sozialpädagogik. Später arbeitet sie als Erzieherin und heilpädagogische Unterrichtshilfe. Im Juni 1969 heiratet sie den Kaufmann und Inhaber eines Buchgroßhandels Burkhard Baumann und hat mit ihm zwei Kinder. Außerdem singt sie im Chor der Bamberger Symphoniker. 1978 entschließt sie sich, als freie Autorin zu leben. 1984 wird sie Mitbegründerin und erste Vorsitzende der VS-Regionalgruppe Mittelfranken, 1987/88 auch stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller. Vor ihrem Umzug 1994 nach Beutellohe in der Gemeinde Weihenzell (Lkr. Ansbach) auf das Anwesen ihrer Mutter lebt sie 25 Jahre lang in Nürnberg.

Ihre Geschichte Was die alte Eiche erzählt schreibt sie bereits mit sieben Jahren. Sie sendet den Text an den Südwestfunk, der ihn sendet. Später schreibt sie Gedichte und Prosa sowie Beiträge für den Rundfunk.

1980 erscheint der Band Vision '78 und andere Prosa, 1981 der Gedichtband Steinwürfe aus dem Glashaus, beide im Nürnberger Verlag Plakaterie. Häufig publiziert sie Texte zu Fotografien, so in den Bänden Echos of Life. Die letzten Gedanken sind Bilder (1981), Atlantis-Signale der Fantasie (1982), Die Marokko-Reise des Fotografen Lajos Keresztes (1983).

Auch in Bildbänden zu Franken tritt Baumann in Erscheinung, etwa Der alte Kanal – damals und heute (1981) über den verfallenden Ludwig-Donau-Main-Kanal mit historischen Fotos und Farbaufnahmen der Gegenwart, Ansbach Stadtansichten (1997), Ansbach. Porträt einer Stadt (2005) sowie den Kurzführern St. Lorenz in Nürnberg und St. Sebald in Nürnberg (beide 1996). Wie ein Kontergewicht wirkt da ihre Mitarbeit an Bildbänden des Fernen Ostens Nepal: Traum und Wirklichkeit (2005) sowie Burma Myanmar – Buddhas goldenes Land (2006).

Als Herausgeberin verantwortet sie 1986 zusammen mit Koschka Hildenbrand die Anthologie Lust auf Literatur.

2001 erscheint im ars vivendi Verlag ihr einziger Roman Steinsterben. In seiner Laudatio auf Baumann anlässlich der Verleihung des Kulturpreises des Stadt Ansbach würdigt ihr Lektor und Entdecker Dr. Horst Lauinger, der damalige Leiter des Manesse Verlags, den Roman als „Werk über das Mysterium von Zeit und Vergänglichkeit“. Es kreise darum, „wie schwierig es ist, einen Fußabdruck in einer Stadt, an einem Ort zu hinterlassen“ (Fränkische Landeszeitung, 8. Oktober 2015). „Gegenwart, Nachkriegszeit, Vergangenheit, bis hin zum Dreißigjährigen Krieg, sind ineinander montiert“, schreibt die Fränkische Landeszeitung in einem weiteren Artikel vom 19. September 2001. Das Buch folgt dem Muster des inneren Monologs.

Baumann arbeitet auch an einem Kinderbuch, in dem sie den Ansbacher „Kaspar-Hauser-Mythos“ aufgreifen will. Kaspar und Klara – Zwei Kinder suchen ihre Eltern erzählt die Geschichte der kleinen Klara, die sich – scheinbar von den Eltern vernachlässigt – immer mehr dem sagenumwobenen Kaspar Hauser verbunden fühlt. Das Buch wird jedoch nie veröffentlicht. Bei der ersten und vermutlich einzigen öffentlichen Lesung zeigt sich, laut Fränkischer Landeszeitung vom 14. August 2000, dass der Stoff sich kaum kindgerecht darstellen lässt.

In ihren letzten Jahren tritt die Bedeutung des Schreibens für Baumann hinter die bildnerische Arbeit zurück. Sie gestaltet nun Figuren und Objekte aus Pappmaché.

Einen wichtigen Teil ihres beruflichen Lebens macht die Gestaltung des literarischen Lebens im mittelfränkischen Ansbach aus. Hier initiiert sie u.a. 1997 die Lesereihe „LesArt“, für die sie namhafte Gäste wie Tschingis Aitmatow oder Barbara Bronnen gewinnen kann. Dazu kommt die Reihe „LeseLust“ und – für Kinder – der „LeseSpaß“. Baumann ruft die Autorengruppe des Kulturvereins Speckdrumm mitsamt zugehörigem Schreibwettbewerb ins Leben sowie die Literarischen Matineen im Kunsthaus Reitbahn 3. Auch der August-Graf-von Platen-Preis geht auf ihre Initiative zurück. Nicht zuletzt setzt sie sich für die Renovierung des Platen-Grabdenkmals in Syrakus ein.

2015 erhält Angela Baumann den mit 3.500 Euro dotierten Ansbacher Kulturpreis. Sie wird Manfred Schwabs Nachruf beim VS Bayern zufolge bei dieser Gelegenheit als „Gold-Nugget im literarischen Fluss“ gewürdigt.

75-jährig verstirbt Angela Baumann am 30. Juli 2020 in Beutellohe bei Ansbach. Der Roman Ich, Agnes über die Frau Albrecht Dürers bleibt unvollendet. Ihr literarisches Credo fasst sie in folgendem Satz zusammen (Fränkische Landeszeitung, 4./5. November 2000): „Ich bin nicht für diese Art vom Literatur, die nur für die aller Eingeweihtesten geschrieben ist. Wenn man sich langweilt, soll man's weglegen.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Fränkische Landeszeitung vom 14. August 2000, 4./5. November 2000, 19. September 2001 und 8. Oktober 2015.


Externe Links:

Literatur von Angela Baumann im BVB

Nachruf Angela Baumann: Ein Leben für die Kultur

Platen-Grabmal in der DDB

Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg