Info
Geb.: 5.11.1886
Gest.: 12.6.1958 in Aschaffenburg
Willalbert Schramm. (c) Wilfried Schramm, Aschaffenburg.
Namensvarianten: Albert Wilhelm Schramm [Geburtsname].

Willalbert Schramm

Willalbert Schramm entstammt einem alteingesessenen Aschaffenburger Fischergeschlecht, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und im Laufe der Jahrhunderte eine Reihe von Fischern-, Zunftmeistern und Stadträten hervorbringt. Geboren wird Willalbert Schramm, der ursprünglich auf den Namen Albert Wilhelm Schramm getauft wird, am 05. November 1886 als Sohn des Fischermeisters Jakob Schramm und seiner Ehefrau Maria (1851–1926). Bereits Schramms Mutter Maria, eine geborene Sauer und Tochter der „Schellenmühle“, betätigt sich schriftstellerisch. Von ihr hat sich ein kleiner literarischer Nachlass in lyrischer Form erhalten: Ein schmales Bändchen mit dem Titel Wenn die Mühle steht.

Nach dem Besuch der Volksschule, tritt Schramm ab September 1897 seine Gymnasialzeit in Aschaffenburg an und besucht im Anschluss die Präparandenschule in Lohr am Main sowie ab September 1905 das königliche Schullehrerseminar in Würzburg. Für die Lehrerausbildung wird Schramm in den Jahren von 1906 bis 1908 vom Militärdienst freigestellt. 1911 wird er als Hilfslehrer von Knetzgau bei Haßfurt an die Schule in Leiden versetzt. Im Oktober 1912 absolviert Schramm schließlich erfolgreich das Staatsexamen in Würzburg. Während des Ersten Weltkriegs wird er im Januar 1915 als Ersatzreservist eingezogen und nach Metz zum 8. bayerischen Infanterie-Regiment versetzt. Im April desselben Jahres rückt er nach Frankreich aus, wo er im Juni eine schwere Verwundung am Bein erleidet.

Wie sein Freund Julius Maria Becker, beschäftigt sich Willalbert Schramm hauptsächlich mit Lyrik und verfasst später vor allem Mundart- und Heimatliteratur. Bereits während seiner Berufsjahre als Lehrer und verstärkt nach seiner Pensionierung widmet er sich fast ausschließlich der Mundartdichtung. In über 50 Jahren schriftstellerischer Produktivität entstehen zahlreiche Gedichte, Prosastücke, Erzählungen sowie zeitgeschichtliche Dokumentationen. Dabei dichtet Willalbert Schramm überwiegend im kräftigen und auch deftigen „Fischergässer Dialekt“, der heute nahezu verlorengegangenen Sprache Alt-Aschaffenburg. Der Dialekt umfasst zahlreiche Wortableitungen bzw. Begriffe aus dem Französischen der napoleonischen Zeit, vereinzelt auch aus dem Lateinischen. Schramms Werke werden wiederholt in Zeitungen Unterfrankens, vor allem Aschaffenburgs, publiziert. 1937 erscheinen 7 von 12 Gesängen des etwa 1000 Verse umfassenden Epos Die Lebensgeschichte vom Fischergässer Stöffelchen. Im Zuge der Bombardierung der Fischergasse im November und Dezember 1944 wurde ein Großteil des literarischen Werks Schramms vernichtet, darunter überwiegend Oden an das Fischergässer-Viertel und die Stadt Aschaffenburg.

Der Erbe Wilfried Schramm mit einem Gemälde Willalbert Schramm von Geo Schäfer. (c) Wilfried Schramm, Aschaffenburg.

Als Willalbert Schramm am 12. Juni 1958 verstirbt, hinterlässt er einen umfangreichen literarischen Nachlass, der sich dank des familiären Engagements – bis auf den durch Kriegseinwirkungen verlorenen Teil – bis heute nahezu vollständig erhalten hat. Im März 1948, knapp zehn Jahre vor seinem Tod, verfasst Willalbert Schramm ein Gedicht mit dem Titel Moi Denkmol, in dem es heißt: „Ich rechne mit, daß, - wenn ich sterb’, / und ihr moi Dichterroß vererb’ / moi Vadderschtadt (deß gibbt e Hetz!) / mir ocht Dog druff e Denkmol setzt! [...] Drum dring ich druff beim Denkmol-Amt / daß deß die Sache nit veschlampt [...]“. Trotz des humoristischen Tons, der sich durch das Gedicht zieht, wird hier thematisch ein durchaus ernstes Anliegen behandelt: Der Dichter will sein Andenken - seinen literarischen Nachlass - für die Nachwelt bewahrt wissen. Das Gedicht thematisiert den Wunsch der Aufstellung einer Statue, die symbolisch für das Werk des Dichters steht. Als Dialektdichter ist Schramm fest mit seiner Heimatstadt Aschaffenburg verbunden und sieht diese in der Pflicht, sein Werk zu würdigen und seinen Nachruhm als zeitüberdauernde Größe zu etablieren. Dass sich der Dichter in Bezug auf die Generierung von Nachruhm in einer Konkurrenzsituation zu anderen Schriftstellern befindet, ist ihm durchaus bewusst: „Un weil die Plätz noch rarer wern, / weil jeder Dichter hätt ähn gern, / halt ich in moine Gärtnerei / e sonniges Quadratche frei.“

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Janine Katins-Riha M.A.

Sekundärliteratur:

Schramm, Willalbert [1981]: Alt-Ascheborger Mundart-Gebabbel. Aus dem Nachlaß des Mundartdichters Willalbert Schramm. Hrsg. v. Gertrud Schramm. Aschaffenburg: Paul Pattloch Verlag.

o.A. [1956]: ‚Ich müßte das alles mal aufschreiben‘. Willalbert Schramm zum 70. Geburtstag. In: Volksblatt v. 05.11.1956.

o.A. [1958]: Der Sänger der Fischergasse. In: Main Echo v. 12.06.1958.

 


Externe Links:

Literatur von Willalbert Schramm im BVB

Artikel über Willalbert Schramm aus dem Main-Echo. Mit freundlicher Genehmigung des Medienhauses Main-Echo

 

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