Info

Bayerns beste Independent Bücher 2022

nachkommen – wenn Töchter ihren Müttern schreiben von Wiebke Dierks, erschienen im &Töchter Verlag, München (Kunst- und Sachbuch)
Die Briefsammlung von Töchtern an ihre Mütter birgt einen spannenden Erzählansatz: Die Schreiberinnen sind allesamt aktivistisch engagiert und wissen, dass ihre persönliche Prägung durch die eigene Mutter Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Von der bedingungslos unterstützenden bis hin zur distanzierten Frau, zu der nie eine tiefere Bindung entsteht – in den 21 ehrlichen Briefen findet sich jede Tochter wieder. Das mit Illustrationen von Azar Kazimir gestaltete Buch mit dem ansprechenden Cover thematisiert diese Erinnerungen berührend, erkenntnisreich und zeitgemäß.

nachkommen (&Töchter Verlag)

 

Das Haus des Paul Levy. Rothenbaumchaussee 26 von Michael Batz, erschienen im Dölling und Galitz Verlag, München (Kunst- und Sachbuch)
Das aufwändig gestaltete Sachbuch erzählt die Geschichte des ersten baugenossenschaftlichen Projekts in Hamburg und seiner Bewohner/-innen. Beginnend beim Titelbild mit Türe über das Vorsatzpapier bis hin zu Grafiken und der Verortung der Bewohner/-innen, abgerundet durch historische Fotos hat der Verlag wieder einen rundum gelungenen Titel vorgelegt, der dem Anspruch des Verlages (und der Jury) vollkommen gerecht wird.

Das Haus des Paul Levy (Dölling und Galitz Verlag)

 

... immer viel Licht! von Günter Derleth, erschienen in der edition promenade, Fürth (Kunst- und Sachbuch)
Ein großartiges, schön gestaltetes, prachtvolles, außergewöhnliches Buch. Der Fotograf Günter Derleth entschied sich, zu den Ursprüngen der Fotografie zurückzukehren, und arbeitete die letzten 25 Jahre ausschließlich mit der Lochkamera. Die Retrospektive zu Derleths Camera Obscura-Fotografie kommentiert die Arbeiten, die Arbeitsweise, die verwendeten Techniken und die außergewöhnliche Persönlichkeit des Künstlers. Ein Augenschmaus und eine inhaltliche Bereicherung für alle.

immer viel Licht (edition promenade)

 

153 Formen des Nichtseins von Slata Roschal, erschienen im homunculus Verlag, Erlangen (Belletristik)
In ihrem Romandebüt spürt Slata Roschal dem Gefühl des Dazwischenseins und Nichtdazugehörens nach, dem sich die junge Russlanddeutsche Ksenia ausgesetzt sieht. Was macht ihre Identität aus?
Ksenia ist Deutsche und Russin, Jüdin, die unter den Zeugen Jehovas aufwächst, sie ist Frau, Mutter und Wissenschaftlerin. Die Prosa-Collage aus Tagebucheinträgen, Notizen, Ebay-Anzeigen und religiösen Anleitungen verschränkt die Aspekte von Frau-Sein, Migration und religiöser Prägung zu einer pluralistischen Perspektive heutiger Lebenswirklichkeit. Aktuell, humorvoll, bissig!

153 Formen des Nichtseins (homunculus Verlag)

 

Das Schwanken des Bodens unter den Füßen von Wolfgang Martynkewicz, erschienen im Maro Verlag, Augsburg (Belletristik, Bibliophiles)
Erneut wird der Maro Verlag seinem verlegerischen Anspruch auf hervorragende Weise gerecht. Das Schwanken des Bodens unter den Füßen von Wolfgang Martynkewicz, mit Holzschnitten von Gabriela Jolowicz, stellt sowohl graphisch wie thematisch Bezüge zwischen den 1920er-Jahren und der politischen Gegenwart her: Anhand einer historischen Begebenheit – der Infragestellung von Albert Einsteins berühmter Relativitätstheorie – wird ideologisch-wissenschaftsfeindliches Denken thematisiert, das den Zusammenhalt einer Gesellschaft bedroht. Eine eindrucksvoll gelungene Verknüpfung eines brisanten Themas mit hoher Buchkunst.

Das Schwanken des Bodens unter den Füßen (Maro Verlag)

 

Taras Augen von Katharina Bendixen, erschienen im Mixtvision Verlag, München (Kinder- und Jugendliteratur)
Ein Chemieunfall trennt Tara und Alún. Während Tara in die verstrahlte Zone zurückkehrt und dort frei und regellos lebt, leistet Alún mit Street-Art-Aktionen Widerstand gegen ein digital aufgerüstetes Überwachungssystem. Aus der wechselnden Ich-Perspektive der beiden Jugendlichen erzählt, wird in diesem packenden, sprachlich dichten New-Future-Roman eine zynische Welt der Umweltzerstörung, politischen Unterdrückung und Ungleichheit Kulisse für eine Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte.

Taras Augen (Mixtvision Verlag)

 

Auf ein Maoam mit Otto von Bea Michl & Emil Bach, erschienen im SchilloVerlag, München (Bibliophiles)
Ein lehrreich-lustiges kleines Buch, ein literarisches Experiment der Sonderklasse, das von der Münchner Sprach-und Literaturwissenschaftlerin Bea Michl und dem Passauer Sprachwissenschaftler Emil Bach verfasst wurde.
Mit Mini-Geschichten, die um einen älteren Herrn Otto herumspielen, werden Fachbegriffe wie Palindrom oder Metapher erklärt, aber es geht auch um DADA, Mansplaining, Alliteration, Intertextualität oder Minimalismus. Ein außerordentlich kluger Lesespaß.

Auf ein Maoam mit Otto (SchilloVerlag)

 

unVERNÜNFTIGES DESIGN von Andreas Vetter, erschienen im Spurbuchverlag, Baunach (Kunst- und Sachbuch)
Innenarchitektur und Wohndesign der 1950er- und frühen 1960er-Jahre ohne Kitsch und Biederkeit – geht das? Allerdings. Denn hier stehen Entwurfskonzepte im Fokus, die sich auf kreative Weise gegen die Konventionen des vernünftigen Funktionalismus wenden. Der sog. „Nierentisch-Tütenlampen-Stil“ wird dabei von Klischees befreit und in einer Objektsammlung aus Möbeln und Wohnaccessoires ausgewertet. Das ist nicht nur eine einzigartige Forschungsarbeit zu diesem Thema, sondern macht durch die üppige Bebilderung richtig Spaß!

unVERNÜNFTIGES DESIGN (Spurbuchverlag)

 

Emma Bonn 1879–1942. Spurensuche nach einer deutsch-jüdischen Schriftstellerin von Angela von Gans, erschienen in der STROUX edition, München (Belletristik, Lyrik)
Dem Leben ihrer fernen Verwandten Emma Bonn nähert sich die Autorin Angela von Gans schreibend an und holt damit eine deutsch-jüdische Schriftstellerin aus der Vergessenheit, die sich im Dunstkreis von Thomas Mann und Bruno Frank bewegte. In New York geboren, aus der Frankfurter Bankiersfamilie Bonn stammend, lebte und schrieb Emma Bonn in den 1930er-Jahren in Feldafing, bis sie 1942 schwerkrank in das „Altersghetto“ von Theresienstadt deportiert wurde und dort starb. Sie hinterließ neben einem Roman ein lyrisches Werk. Dieses macht die Biografie wieder zugänglich. Die Auswahl der Gedichte traf die Lyrikerin Dagmar Nick.

STROUX edition

 

Heiner von Fritz Stiegler, erschienen im Volk Verlag, München (Belletristik)
Fritz Stiegler nahm als Grundlage für sein Buchprojekt Heiner den Fund einiger Briefe und des Arbeitsbuches von Heinrich Scherzer, um die Lebensgeschichte des Knechts Heiner zu erzählen. Der Autor lässt die vergangene Welt der fränkischen Kleinbauern wiederauferstehen, ungeschönt, dabei klar im Ton und mit lakonischem Humor. Mit viel Hintergrundwissen macht der Autor die Geschichte der Kleinbauern in den 1920er-Jahren für eine breite Zielgruppe interessant und zugänglich.

Heiner (Volk Verlag)

Externe Links:

Empfehlungsliste 2022 (Inhaltsangaben und Jurybewertungen)