Info
Geb.: 15. 7.1636 in Alt-Raudten bei Wohlau (Niederschlesien)
Gest.: 4. 5.1689 in Groß-Albershof bei Sulzbach
Christian Knorr von Rosenroth (vermutlich) © Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg (Inventar-Nr. 4526)
Titel: M.A.

Christian Knorr von Rosenroth

Chr. Knorr von Rosenroth

Der aus einem protestantischen Pfarrhaus stammende Christian Knorr von Rosenroth besucht die Lateinschule in Fraustadt und schließt 1660 sein Studium in Leipzig mit dem Magister ab. Nach seiner Bildungsreise nach Frankreich, Holland (wo er Kontakt zu  Mennoniten und Theosophen hat) und England tritt er 1668 als Hofkanzleirat (seit 1687 „Cantzley-Director“) in den Dienst des 1656 zum Katholizismus übergetretenen Pfalzgrafen Christian August (gest. 1708) in Sulzbach. 1670 etabliert der Gelehrte – im Range eines heutigen Ministers/Kanzlers – in Sulzbach einen Musenhof, der auf die damalige Geisteswelt großen Einfluss hat. 1677 wird er in den erblichen Freiherrnstand (Anrede: Baron) erhoben.

Dank der Arbeiten von Christian Knorr von Rosenroth entwickelt sich die kleine Residenzstadt in der Oberen Pfalz, die sich durch eine tolerante Religionspolitik auszeichnet, zu einem Zentrum der Pflege hermetisch-kabbalistischer Traditionen. Der Sulzbacher Gelehrte übersetzt bedeutende Werke der europäischen Kulturgeschichte ins Deutsche (Giovan Battista Della Porta, Thomas Browne, Johann Baptist van Helmont) und legt mit den beiden Bänden seiner Kabbala denudata (1677 -84) ein Handbuch der jüdischen Mystik vor. Mystische Züge charakterisieren auch seine Lieder:

O süßester Jesus, ich lieg in der Höhle!
Ich wart, o du Hoffnung der seufzenden Seele:
Ich suche dich emsig mit kläglichen Tönen,
Ich schrei in dem Herzen mit kläglichen Sehnen.

Andachtslieder wie „Morgen-Glantz der Ewigkeit“ (1684) stehen in der Tradition der geistlichen Naturbetrachtung:

Morgen-Glantz der Ewigkeit
Licht vom unerschöpften Lichte
Schick uns diese Morgen-Zeit
Deine Strahlen zu Gesichte:
Und vertreib durch deine Macht
Unsre Nacht.

Skulptur Christian Knorr von Rosenroths in Sulzbach-Rosenberg, gestaltet von Peter Kuschel

1676 konzipiert Christian Knorr von Rosenroth das allegorische Lustspiel Conjugium Phoebi et Palladis, oder die erfundene Fortpflanzung des Goldes. Chymische Allegorie – aus Anlass der dritten Vermählung von Kaiser Leopold. 1684 erscheint die Liedersammlung Neuer Helicon mit seinen neun Musen. Das ist: Geistliche Sitten-Lieder. 1687/88 hält sich der Philosoph Leibniz, seit 1671 mit Knorr von Rosenroth bekannt, in Sulzbach auf. Als verschollen gilt die Kindheitsgeschichte Jesu (Messias puer), die der Gelehrte noch Leibniz zeigt. Posthum erscheint 1738 eine apologetische Stellungnahme zum Unterschied der Konfessionen.

Am 4. Mai 1689 verstirbt der Polyhistor, Dichter und Schriftsteller Christian Knorr von Rosenroth auf seinem Oberpfälzer Landsassengut Großalbershof. Dem ebenfalls aus Schlesien stammenden, gleichfalls mit Leibniz befreundeten und (seit 1689) auf Gut Muglhof bei Weiden lebenden Georg Christoph Ferdinand von Räsewitz (1643-1720) gelingt es nicht, Nachfolger von Christian Knorr von Rosenroth als Sulzbacher Hofrat zu werden.

Im Auftrag der Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft gibt Rosmarie Zeller seit 1991 die Zeitschrift Morgen-Glantz heraus. Seit 2007 finden in Sulzbach-Rosenberg die überregional beachteten „Knorr von Rosenroth-Festspiele“ statt. Im Rahmen der Sulzbacher Neustadt-Sanierung (Mai 2010) errichtet der Etzelwanger Künstler Peter Kuschel zum bereits vorhandenen „Rosenroth-Brunnen“ noch eine lebensgroße Skulptur des Universalgelehrten.

Die 325. Wiederkehr seines Todestages (2014) gibt den Anlass zur Taufe einer neuen, nach dem Gelehrten benannten Rose. Die Züchtung der „Christian-Knorr-von-Rosenroth-Rose“ erfolgt durch Franz Wänninger (Altenstadt a. d. Waldnaab). Im Rahmen der Sulzbacher Hof-Musik-Tage wird der Festakt am 5. Juli 2014 von Schülern der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg auch musikalisch gestaltet.  

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Elschenbroich, Adalbert: Knorr von Rosenroth, Christian. In: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 223-226, http://www.deutsche-biographie.de/pnd118723863.html, (11.07.2014).

Dünninger, Eberhard; Kiesselbach, Dorothee (Hg.) (1967): Bayerische Literaturgeschichte in ausgewählten Beispielen. Bd. II. München, S. 41 und 282.

Knedlik, Manfred (2015): Barock und Moderne. Die Knorr von Rosenroth-Festspiele in Sulzbach-Rosenberg. In: Oberpfälzer Heimatspiegel, S. 132-135.

Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg (Hg.) (1989): Christian Knorr von Rosenroth. Dichter und Gelehrter am Sulzbacher Musenhof. Festschrift zur 300. Wiederkehr des Todestages. Sulzbach-Rosenberg.

Lubos, Arno (1960): Geschichte der Literatur Schlesiens. Erster Band. München, S. 150f.

Meid, Volker (20062): Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17664). Stuttgart, S. 537.


Externe Links:

Literatur von Christian Knorr von Rosenroth im BVB

Literatur über Christian Knorr von Rosenroth im BVB

Christian Knorr von Rosenroth in der BLO

Knorr-von-Rosenroth-Gedenkstein

Knorr-von-Rosenroth-Kreuz

Knorr von Rosenroth-Gesellschaft untersucht Geschichte

 

Kommentare

Bernhard M. Baron am 30.07.2014 um 07:00

Als ich 1989 - schon begeistert durch Umberto Ecos Der Name der Rose - zum neuen freimaurerischen Verschwörungsroman von Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel, griff und diesen gleich in einem Zug las, stutzte ich (Oberpfälzer) denn doch bei gewissen "lokalen Stellen", so als ich auf S. 332 von der Erstausgabe der Kabbala denudata des Barons Knorr von Rosenroth las, vom "Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz" (S. 470, 472), dessen freimaurischer Lordkanzler Francis Bacon ja auch den grandiosen Krönungszug 1619 durch die Obere Pfalz plante. Ein "Illuminatenmord bei Regensburg" (S. 508) rundet noch originell die eingestreuten literatur-geographischen Marginalien ab... Nach der Lektüre schrieb ich dies alles meinem (seit 1976) geschätzten Prof. Walter Höllerer nach Berlin, der mich umgehend im Weidener Rathaus zurückrief und mir "des Rätsels Lösung" offenbarte: "Ja weißt Du, dies alles konnte Umberto Eco nur hineinschreiben, weil ich seine deutsche Frau, Renate Ramge, eine Frankfurterin, die bei mir studiert hatte, sehr gut kenne ... Heute ist sie (verheiratet seit 1962) in Mailand eine Expertin für Museums- und Kunstdidaktin." Jetzt wusste ich bescheid, w i e oberpfälzische kulturgeschichtliche Raritäten in die Weltliteratur einziehen!



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