Info
Geb.: 3. 3.1904 in Weiden i.d.OPf.
Gest.: 14.12.1988 in Regensburg
Foto: Stadtarchiv Weiden i.d. OPf.

Hertha Memmert

Hertha Memmert wird als Tochter des Buchbindermeisters Hans Gollwitzer und seiner Frau Lisette, geb. Kunz, in Weiden geboren. Ihr Elternhaus steht in der Altstadt, Türlgasse 71 (heute Türlgasse 17). Hertha Memmerts autobiographische Erzählung Alles hat seine Zeit (o. J.) – entlehnt dem alttestamentarischen Weisheitsbuch Kohelet (Prediger 3,1) – zeigt die Oberpfälzer Max-Reger-Stadt von der Jahrhundertwende über den Ersten Weltkrieg bis hin zur Nachkriegszeit. Die im Stil der liberalen Wochenzeitschrift Die Gartenlaube geschriebene Schlüsselerzählung enthält nicht nur viele Hinweise auf die Stadt und ihre Bewohner, sondern auch auf Memmerts eigene Familie. Diese benennt die Autorin „Forster“, die „Familie Nußbaum“ steht für die reale jüdische Familie Baum, „der Arzt“ ist Dr. Rebitzer, und der „Schloderer Franz“ aus der Türlgasse ist der reale Lorenz Jäger.

Originell und zeitgeschichtlich zugleich ist in der Erzählung die Erwähnung der ersten Weidener Filmvorführung „mit einem nackten Körper“. Dabei handelt es sich um den deutschen Stummfilm Wege zu Kraft und Schönheit (1924) von Wilhelm Prager, der die naturnahe Körperkultur betont. Ab März 1925 läuft der UFA-Kulturfilm in den deutschen Kinos. Hertha Memmert: „Die Kinos wagten es nicht, den Film [in Weiden, Anm. B. M. B.] zu zeigen. Doch die Arbeiter führten ihn trotzdem vor, in einem Saal auf fabrikeigenem Boden der Glashütte. Mancher wanderte zur Vorstadt hinaus, um sich ihn anzusehen und fühlte sich dabei leicht verrucht […].“

Von Hertha Memmert erscheint noch der Gedichtband leben als Frau (o. J.) und der Roman Wenn der Götterbaum blüht. Die Autorin spielt beim Götterbaum thematisch auf den Laubbaum der Gattung Ailanthus aus der Familie des Bittereschen-Gewächses an: Das schnell wachsende Gehölz breitet sich über seine Samen stark aus und bildet große Wurzelgeflechte, so dass heimische Arten verdrängt werden.

In Weiden macht sich Hertha Memmert nach dem Zweiten Weltkrieg auch einen Namen als Erbauerin des 1953 eröffneten, legendären Café-Tanz- & Nachtlokals „Teehaus“ (Dr.-Martin-Luther-Str. 2), dessen Clubname Assoziationen an die bekannte US-Filmkomödie Das kleine Teehaus (engl. „The Teahouse of the August Moon“) mit Glenn Ford und Marlon Brando erweckt. Alles, was in den 1950ern und 1960ern in Weiden Rang und Namen hat, verkehrt hier, wo in der Bar – neben agierenden GIs – Politik und Geschäfte gemacht werden.

Hertha Memmert stirbt am 14. Dezember 1988 in Regensburg.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21), S. 37f.

Porsche, Jutta (2008): In der Bar wurde in den 50ern Politik gemacht. Teehaus erwacht zu neuem Leben. In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.), Lokales, 25. Juni.


Externe Links:

Literatur von Hertha Memmert im BVB

Film Wege zu Kraft und Schönheit in der Wikipedia

Club Teehaus Weiden

Kommentare

Benno Hurt am 24.08.2017 um 14:02

Wenn man liest, was Bernhard M. Baron als literarische Ermittlungsbehörde fernab seiner Heimat in akribischer Kleinarbeit zu Tage fördert, geht man mit anderen Augen durch „sein“ Weiden und „mein“ Regensburg, zwei Städte, denen ich privat und als Schriftsteller mit Sympathie und oft wehmütiger Erinnerung wortlos verbunden bin.



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