Info
Geburtsjahr: 1620
in Neunburg vorm Wald
abweichendes Datum: 1618
Todesjahr: 1677 in Hamburg, abweichendes Datum: 1680
Namensvarianten: Georg Greblinger, Gräflinger, Grefflinger, Grevlinger; Celadon, Seladon von der Donau

Georg Greflinger

Georg Greflinger wird um 1620 in Neunburg vorm Wald in der Nähe von Regensburg geboren. Es ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Während der junge Georg Greflinger die Schafe hütet, wird der Hof seiner Familie überfallen. Er wird von Verwandten in Regensburg aufgenommen. „Diese frühe und intensive Kriegserfahrung [...] prägt sein gesamtes späteres Werk“ (Viktoria Gutsche). Nach dem männlichen Protagonisten des Schäferromans L’Astrée von Honoré d' Urfé nennt sich Georg Greflinger bald „Seladon von der Donau“.

Greflinger besucht in Regensburg das Gymnasium poeticum und zieht im August 1632 zu Verwandten nach Nürnberg. 1635 trägt er sich in die Matrikel der Universität Wittenberg ein – allerdings ohne einen Abschluss zu erlangen. 1640 reist er von Sachsen nach Wien. Es folgen bewegte Wanderjahre und Aufenthalte in Leipzig und Dresden, in Schlesien, Danzig und Thorn, wo er Trauer- und Hochzeitsgedichte drucken lässt, die er erstmals mit „Georg Greblinger [sic] aus Regensburg“ unterzeichnet. 1643/44 hält sich Greflinger in Frankfurt am Main auf. 1649 wird er – seit 1646 in Hamburg – zum „Notarius publicus“ ernannt; Johann Rist nimmt ihn in den „Elbschwanorden“ auf und krönt ihn mit dem „Dichterlorbeer“. Zu dieser Zeit ist Greflinger schon längst zu einem Hamburger mit Bürgerrecht geworden – und verschweigt fortan seine oberpfälzische Herkunft bei der Angabe seines Namens.

1644 erscheint von Greflinger Seladons Beständige Liebe, 1648 Wahre Abbildungen der Türkischen Kayser und persischen Fürsten [...], 1651 Seladons weltliche Lieder. Nechst einem Anhang von Schimpff-vnd Ernsthaffter Gedichte. In seinem Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krieg. Poetisch erzählet durch Celadon von der Donau (1657), einer Beschreibung des Dreißigjährigen Krieges in Versform, erscheinen auch die Oberpfälzer Orte Weiden („bewällte Weyden“), Amberg, die Burg Waldeck bei Kemnath und Augsburg. Georg Greflinger übersetzt als erster Deutscher 1650 den Cid von Pierre Corneille und redigiert seit 1665 den Nordischen Mercurius, der zweimal wöchentlich erscheint und sogar bis 1730 fortgeführt wird. Die Zeitung setzt für die gesamte deutsche Presselandschaft neue journalistische Maßstäbe (Holger Böning). 1674 erscheint sein Des Nordischen Mercurij Verbässerter Weg-Weiser. Von Zehen Haupt-Reisen aus der Stadt Hamburg, worin sich auch Hinweise „auf die gute und alte Stadt“ (Regensburg) finden.

In Lied und Epigramm erreicht Georg Greflinger durch unkonventionell-frische, gemütvolle wie offene Sprache, durch witzig pointierte Diktion einen eigenen Ton. Umfangreich ist sein Werk, das neben Hunderten von Gelegenheitsdichtungen, Sammlungen lebendiger Liebeslieder, historischen Schriften auch eine große Anzahl von Anweisungsbüchern und Ratgebern umfasst. Besonders erfolgreich sind hier seine aus dem Niederländischen und Französischen übersetzten Gartenbücher.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21). Weiden i.d. OPf., S. 19.

Blühm, Elger (1966): Greflinger, Georg. In: Neue Deutsche Biographie 7, S. 19f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd118718622.html, (25.05.2014).

Gutsche, Viktoria (2014): Der Dichter des Dreissigjährigen Krieges. Georg Greflinger alias Seladon von der Donau. In: Barbey, Rainer; Petzi, Erwin (Hg.): Kleine Regensburger Literaturgeschichte. Regensburg, S. 136-142.

Hammer, Johann W. (1988): Georg Greflinger, ein Regensburger Journalist im 17. Jahrhundert. In: Regensburger Almanach, S. 155f.

Heiduk, Franz (1980): Georg Greflinger. Neue Daten zu Leben und Werk. In: Daphnis 9, S. 192f.

Meid, Volker (20062): Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren (Reclams Universal-Bibliothek, 17664). Stuttgart, S. 317f.


Externe Links:

Literatur von Georg Greflinger im BVB

Literatur über Georg Greflinger im BVB

Gedichte von Georg Greflinger

Liebesgedichte

Projekt Digitale Archiv-Edition sämtlicher Werke und Schriften

Kommentare

Bernhard M. Baron am 30.05.2014 um 11:09

Mit seiner faszinierenden (fiktiven) Erzählung Das Treffen in Telgte (1979) hat Günter Grass bewusst eine verschlüsselte Darstellung der seinerzeitigen Dichter und Schriftsteller-Treffen der legendären "Gruppe 47" skizziert, die hommageartig dem Initiator Hans Werner Richter (1908-1993) gewidmet ist. So lädt also analog der Königsberger Dichter Simon Dach im Jahre 1647 eine Reihe der damals namhaften deutschsprachigen Dichter und Verleger ein, um sich gegenseitig aus ihren Texten vorzulesen... Der Schriftsteller Rolf Schneider, der selbst an einigen Treffen der "Gruppe 47" teilgenommen hatte, stellt in seiner Rezension "Eine barocke Gruppe 47" im SPIEGEL Nr. 14 vom 2. 4. 1979 Vermutungen zu den genannten Dichtern an: So entschlüsselt er den Motor Grimmelshausen als mit Günter Grass identisch. In dem strengen und zum Dozieren neigenden Magister August Buchner erkennt der Leser Züge des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, die Kriegsgedichte Andreas Gryphius spiegeln die sogenannte "Trümmerliteratur" von Heinrich Böll wider. Natürlich erscheint auch Georg Greflinger: "Georg Greflinger aber, der [...] gen Hamburg zieht, dort ein Wochenblatt herauszugeben," ist unabweislich Gruppe 47-Gast und (damaliger) SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein. Damit hat Günter Grass auch der Autorenfigur des Georg Greflinger ein kleines Denkmal in der neueren Literatur gesetzt!



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