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Geb.: 9. 2.1968 in Regensburg
© RYNEK
Namensvarianten: Greta von der Donau (Pseud.)

Ulrike Anna Bleier

Ulrike Anna Bleier wird 1968 in Regensburg geboren. Kindheit und Jugend verbringt sie in der Oberpfalz und Niederbayern in der Nähe von Regensburg. Im Herbst 1989 zieht sie von der Donau an den Rhein nach Köln, wo sie Angewandte Sozialwissenschaften, Linguistik, Phonetik und Indogermanistik studiert. Die Donau wird sie fortan in ihrem Pseudonym „Greta von der Donau“ begleiten, unter dem sie u.a. 1999 im Kölner Musikclub MTC mit Alltagslyrik und einer Tampon-Performance auftritt. Ab 2003 ist sie zusammen mit dem Musiker Gunter von der Weiden mit dem musikalisch-literarischen Bühnenprogramm „Sex und andere traurige Sachen“ unterwegs. Von 2013 bis 2015 moderieren die beiden das gleichnamige Programm im Kölner Internetradio 674.fm.

Seit 2000 veröffentlicht sie regelmäßig in österreichischen und deutschen Literaturzeitschriften, zunächst unter ihrem Pseudonym Greta von der Donau/Greta Donau, später auch als Ulrike Anna Bleier. Sie erhält diverse Auszeichnungen und Stipendien, darunter das NRW-Arbeitsstipendium und das Residenzstipendium des Landes Brandenburg im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. 2013 ist sie Finalistin beim MDR-Literaturpreis in Leipzig.

Ulrike Anna Bleiers baierische (Sprach-)Wurzeln finden sich in vielen ihrer Texte wider. So beispielsweise in der Kurzgeschichte Den Vater fahren, der 2011 in der Salzburger Literaturzeitschrift Erostepost erscheint. Darin beschreibt sie die Autofahrt eines jungen Mannes mit seinem demenzkranken Vater, die in einer Odyssee durch den bayerischen Wald endet. In dem Erzählband Miriam – Prosa und Poetologie, der als Band neun in der Edition 12 Farben erscheint, geht sie der Verbindung von Literatur und Lüge nach und analysiert das komplizierte System aus Wahrheit, Lüge und Notlüge ihrer Deggendorfer Verwandtschaft unter literarischen Gesichtspunkten.

2016 erscheint ihr Debütroman Schwimmerbecken beim niederbayerischen lichtung verlag. Der Episodenroman ist wie die oben genannten Texte in süddeutschem Hochdeutsch verfasst und spielt an einem fiktiven Ort namens Kollbach. Er folgt der sprunghaften Gedankenwelt der Protagonistin Luise, Szenen aus dem Jetzt wechseln sich ab mit Erinnerungen an die Kindheit und führen von Kollbach auch nach Landshut und Regensburg sowie in den Straubinger Tiergarten.

Der Debütroman von Ulrike Anna Bleier hat bei den Kritikern begeisterte Reaktionen ausgelöst. Sie loben den kunstvoll gewobenen Roman: Die Episoden in Schwimmerbecken können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden und folgen so der sprunghaften Gedankenwelt der Protagonistin. In der Süddeutschen Zeitung äußert Sabine Reithmaier, der Roman entfalte „einen intensiven Sog, der unaufhaltsam in die grandios dichte Spurensuche hineinreißt“. Schwimmerbecken sei mehr als ein bayerischer Dorf- oder Heimatroman, schreibt Klaus Hübner im Kulturmagazin Literatur in Bayern: „Schwimmerbecken ist ein bewegender und sehr kunstvoller Episodenroman – 58 Kurzkapitel über die Abgründe menschlichen Daseins.“ Im Januar 2017 ist der Roman „Buch der Woche“ auf WDR5, Rezensentin Mithu Sanyal spricht von einem „Kollbach-Mythos“, den die Autorin heraufbeschwöre.

2018 erscheint, ebenfalls im lichtung Verlag, der Roman Bushaltestelle – ein Buch über „Leute, für die sich niemand interessiert“ (Ulrike Anna Bleier über ihren zweiten Roman). Sie erzählt darin eine in Bayern und Tschechien angesiedelte Familiengeschichte über vier Generationen. Im Mittelpunkt steht eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, die geprägt ist von enttäuschten Hoffnungen und einem tiefen Gefühl der Entfremdung.

Bushaltestelle sei, so Anne Burgmer im Kölner Stadt-Anzeiger, kein lauter Roman: „Er fordert uns auf, genauer hinzusehen. Auf die Geschichten der anderen, aber auch auf unsere eigene Geschichte.“ „Buchkultur“-Rezensentin Miriam Mairgünther findet den Roman in einer „einzigartig poetischen Weise“ erzählt und Tobias Schmidt („Mein Passau“) verortet die „schließlich auch den Leser erfassende Souveränität“ der Protagonistin ebenfalls in der Sprache. Der Literaturwissenschaftler Wolfgang Cziesla lobt den empathischen Blick der Autorin, den im Leben Benachteiligten eine ausgleichende Gerechtigkeit als Romanfiguren zuteilwerden zu lassen: Literatur sei eben doch „die letzte Instanz.“