Info
Geb.: 28. 8.1601 in Babenhausen
abweichendes Datum: 20.8.1601
Gest.: 9. 3.1682 in Amberg
Namensvarianten: Johann Bissel, Johannes Bisselius

Johannes Bissel

Johannes Bissel studiert in Dillingen, tritt in den Jesuitenorden ein und lehrt zu Regensburg Humaniora. Vor den Schweden flüchtet er 1632 in die obere Pfalz und unterrichtet fünf Jahre Rhetorik, Philosophie und Kontroverstheologie in Ingolstadt. 1639 wird er auf kurze Zeit Hofhistoriograph von Kurfürst Max I., in der Folge Prediger in München, Dillingen und Amberg. Bissels bedeutsamste Leistungen liegen auf dem Gebiet der Exempelpredigt sowie der Geschichtsschreibung. Seine erste Predigtsammlung De Pestiferis Peccatorum Mortalium fructibus, Exempla Tragica exposita (1652) thematisiert die tragischen Folgen der Todsünden, in der kirchengeschichtlichen bzw. erbauungsliterarischen Sammlung Digitvs Dei, Humana Corda Tangens. Das ist, Hertz-Berüerender Finger Gottes, In vnterschiedlichen Fasten-Exempeln vorgestellt (1666) exemplifiziert Bissel das Wirken göttlicher Gnade. Seine dritte Sammlung Incolarum alterius mundi Phaenomena historica (1682) behandelt dagegen Geistererscheinungen. Bissel verfasst seine Kanzelpredigten in Latein, trägt sie aber auf Deutsch vor. Aus Missionsberichten gestaltet er seine Exempel und erfüllt das Postulat der veritas. Satirisch ausgeformt ist seine Geschichte der Oberpfalz (Icaria, 1637), in den Illustrium ab orbe conditio ruinarum Deca[des] (1656-65) ist die Weltgeschichte Strafgericht des langmütigen Gottes an den weltlichen Tyrannen. Lyrische Elemente enthalten darüber hinaus sein mehrfach aufgelegter Cliens Marianus Elegidiis descriptus (1625) sowie die Elegiae sev deliciae veris (1638).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Westermayer, Georg: Bissel, Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 682, http://www.deutsche-biographie.de/pnd117751359.html?anchor=adb, (26.12.2011).


Externe Links:

Literatur von Johannes Bissel im BVB

Literatur über Johannes Bissel im BVB

Johannes Bissel in der BLO

Kommentare

Bernhard M. Baron am 10.06.2013 um 15:50

Für jeden Oberpfälzer ist Bissels amüsanter Reisebericht Icaria ein MUSS. "Icaria" - eigentlich eine ägäische Insel - ist zeitgenössisch auf die Oberpfalz übertragen: also eine Insel im Kriegsgetümmel. WEIDEN heißt hier lateinisch leicht verballhornt "Salicesurbs". Die lateinische Form "Nabis" für den Fluß NAAB wird bei Bisselius zu "Banis", SCHWANDORF nennt er Cycnosconum (vom lateinischen Cycnus = Schwan), NABBURG = Banurgum, NEUSTADT = Neapolidien usw... Der interessierte Literaturdetektiv kann die Orte leicht lokalisieren. Der literarische Spaß lohnt sich!



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