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Geb.: 18. 8.1946 in Starnberg
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Elfi Hartenstein

„Selbständige, starke Frauen spielen eine große Rolle in Elfi Hartensteins literarischem Werk“, stellt resümierend Dietrich Mittler in der Süddeutschen Zeitung fest. Solche sind es auch, welche die in Regensburg lebende Schriftstellerin, Hörspiel-, Sachbuchautorin und Übersetzerin immer wieder literarisch festhält – seien es jüdische Emigrantinnen im New Yorker Exil (Jüdische Frauen im New Yorker Exil, 1999, Neuaufl. 2010) oder die Ingolstädterin Marieluise Fleißer, über die sie (zus. mit Annette Hülsenbeck) ein collageartiges, biographisch-literarisches Lesebuch verfasst (Marieluise Fleißer. Leben im Spagat, 2001). Darüber hinaus schreibt Hartenstein zum „Büchner-Jahr 2013“ einen Entwicklungsroman u.d.T. Auf der Suche nach Georg B. (2012) aus der Sicht des Freudenmädchens Marion, einem „Prototypen der rastlosen Frau“.

Elfi Hartenstein, gebürtige Oberbayerin aus Starnberg (deren Vorfahren aus der Nähe von Landau in der Pfalz stammen), ist nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Bremen als Lehrerin tätig. Lange Zeit ist sie Mitarbeiterin im Bremer Frauenliteraturverlag Zeichen & Spuren und Mitherausgeberin der Zeitschrift Schreiben. 1989 erwählt sie sich die Donaustadt Regensburg als Domizil, wenn sie nicht gerade als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache des Goethe-Instituts in Moldawien, Rumänien, Ukraine, Kasachstan oder Kirgisien unterwegs ist. Neben ihren eigenen Veröffentlichungen ist Elfi Hartenstein in zahlreichen Anthologien (u.a. Bad Women. Luder, Schlampen und Xanthippen, Elefanten Press, 1989; Wild Women. Furien, Flittchen, Flintenweiber, Elefanten Press, 1992; Steinsiegel. Gedichte und Geschichten aus der Oberpfalz, Buch&Kunstverlag Oberpfalz, 1993; Regensburger Requiem, KBV, 2013) und Lesebüchern (Zwischen Radbusa und Regen. Ein bayrisch-böhmisches Lesebuch, Buch&Kunstverlag Oberpfalz, 1993; OBERPFALZ. Reise-Lesebuch, edition-Lichtung, 1995) vertreten.

1984 veröffentlicht sie die Erzählung Wenn auch meine Paläste zerfallen sind. Else Lasker-Schüler 1909/1910 (S. Fischer-TB 1987). 1990 publiziert sie eine Briefauswahl Otto von Bismarck an Johanna von Bismarck. Briefe aus vier Jahrzehnten, 1991 die Begegnungen Heimat wider Willen. Emigranten in New York. Mit Geschichten mit Herbst (2001) erscheint ein Band mit 10 Geschichten aus dem Alltag eines Paares – aus der Perspektive der Frau, erzählt mit viel Ironie. Ihr autobiographisch angehauchter Kriminalroman Moldawisches Roulette (dtv-Premium 2004), der die Leser in das „Armenhaus Europas“ führt, macht die Autorin schließlich einem breiteren Publikum bekannt. Auch hat sich Hartenstein als Herausgeberin einen Namen gemacht (Allerlei Frau, 1980; ... und nachts Kartoffeln schälen, 1992; Deutsche Gedichte über Polen, 1994), nicht zu vergessen als Übersetzerin (u.a. Jake Page: Die Rache der Indianer, 1996; Marina Lewycka: Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch, 2006; Olga Grushin: Suchanow verkauft seine Seele, 2007; Ellis Peters: Der Ruf der Nachtigall, 2005 oder Peg Grymes: Die Romantikfalle und wie Frauen sich daraus befreien, 1998).

Für ihr literarisches Schaffen wird sie mehrfach ausgezeichnet: 1981 erhält sie das Förderstipendium für Literatur der Hansestadt Bremen, 1984 die „Littera-Medaille“ der Münchener Autorenvereinigung, 1985 nimmt sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. 1991 bekommt Elfi Hartenstein ein Übersetzer-Stipendium des Deutschen Literaturfonds (Darmstadt), 1994 ein entsprechendes Stipendium in Straelen und 2004 einen fünfmonatigen Stipendienaufenthalt in der Künstlerstätte Schreyahn (Niedersachsen). Im gleichen Jahr nimmt sie am „Künstleraustausch-Aufenthalt“ in The Tyrone Guthrie – Centre at Annaghmakerrig – in Newbliss (Irland) teil. 2003 und 2005 ist Hartenstein auch offizielle Teilnehmerin der Weidener Literaturtage.

Freundschaftlich verbunden ist die Schriftstellerin dem Krimi-Autor Horst Vocks (*1942 in Sonneberg), dem Erfinder der Tatort-Figur „Schimanski“ sowie Drehbuchautor der TV-Serien Reporter und Der Fahnder. Im Auftrag des Schwandorfer Künstlerhauses „Kebbel-Villa“ hat ihnen der Bezirk Oberpfalz im Sommer 2013 den „Kulturaustausch mit Rumänien“ in der Casa Dinescu, Cetate, anvertraut. 2016 erhält Elfi Hartenstein das Internationale Aufenthaltsstipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses für Veliko Tarnovo in Bulgarien.

Elfi Hartenstein und Horst Vocks. Im April 2015 erscheint ihr erster gemeinsamer Roman Ausstieg, Auftakt einer neuen Krimi-Reihe im Pendragon-Verlag. Foto: Bry.

Elfi Hartenstein ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS) und hier in der Regionalgruppe Ostbayern (VS-Ostbayern) aktiv. Regelmäßig veranstaltet sie zusammen mit der Malerin Gisela Conrad für Interessierte „Kreativwerkstätten“ sowie diverse Schreib- und Literatur-Seminare für Frauen.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Arends, Regine (2013): [Rezension zu:] Auf der Suche nach Georg B. In: Lichtung. Ostbayerisches Magazin, 26. Jg., Januar 2013.

Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.) (2004): Biografie mit Leuchttürmen: Elfi Hartenstein. In: Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. SüdOst Verlag, Waldkirchen, S. 81-84.

Voit, Stefan (2003): „Vollmondnächte lassen mich nicht schlafen.“ Zu Gast bei den 19. Weidener Literaturtagen: Elfi Hartenstein (Interview-Reihe Teil VI). In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.), Kultur, 5. April 2003.

Wiedamann, Susanne (2012): Eine Frau auf der Suche nach sich selbst. Die Regensburgerin Elfie Hartenstein […]. In: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg), Kultur, 20. Oktober 2012, S. 67.


Externe Links:

Literatur von Elfie Hartenstein im BVB

Literatur über Elfie Hartenstein im BVB

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