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Geb.: 30. 7.1969 in Regensburg
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Titel: Dr. phil.

Matthias Kneip

Er gehört zu den Stillen im Lande und ist doch ein hochkarätiger und engagierter Autor, der europaweit literarische und publizistische Akzente setzt: Matthias Kneip, geboren 1969 in Regensburg, und noch heute in der „kleinen Welt am Strom“ (Georg Britting) dort wohnhaft.

Matthias Kneip gehört zu jener Generation von Deutschen, deren Familien eine Prägung im ostdeutschen Kulturraum durch Vertreibung oder Spätaussiedlung erhalten haben. Seine Eltern stammen aus Oberschlesien, der geistigen Heimat Eichendorffs, Heinz Pionteks und Horst Bieneks, und kommen in den 50er-Jahren in die Bundesrepublik. Kein Wunder also, wenn Matthias Kneip dann Germanistik, Ostslawistik und Politologie an der Universität Regensburg studiert. 1995/96 arbeitet Kneip als Lektor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Oppeln/Polen, 1999 promoviert er an der Universität Regensburg zum Thema „Die politische Rolle der deutschen Sprache in Oberschlesien 1921-1999“. Seit März 2000 ist Matthias Kneip wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, wo er Projektleiter für „Polen in der Schule“ ist.

Als Pendler zwischen den Kulturen ab den 90er-Jahren hat Matthias Kneip eine Vielzahl von Büchern mit hintergründigen Gedichten (Einmal Leben und zurück, 1995; In meiner Faust den Tag, 1998; zärtlich kriegen, 2006; Blöd aber sinnig, 2009) und Kurzgeschichten (Grundsteine im Gepäck, Polenreise. Orte, die ein Land erzählen) geschrieben. Im Mai 2011 erscheint sein Buch Reise in Ostpolen. Orte am Rand der Mitte – ein faszinierendes literarisches Mosaik aus Bildern und Texten. 2016 wird dieser Band komplettiert mit Reise nach Westpolen. Orte, die Geschichte erzählen. Darin nimmt Kneip den Leser mit auf eine Reise durch eine Region, die ebenso von deutscher wie polnischer Geschichte geprägt ist. Die Essays erzählen von Personen und kuriosen Ortschaften, von eindrucksvollen Begegnungen zwischen Menschen und vom Umgang mit ihrer Geschichte.

Mit Keiner versteht mich... erscheint 2013 erstmals eine Gedichtsammlung von Matthias Kneip aus mehr als zwei Jahrzehnten. Der Titel ist gleichsam Kneips lyrisches Programm: „Keiner versteht mich!, klagte das Gedicht und wurde berühmt“ lautet einer der darin enthaltenen Aphorismen, mit dem der Autor augenzwinkernd und hintergründig gegen die Unverständlichkeit moderner Poesie rebelliert. Der Leser wird auf eine poetische Reise eingeladen, auf der er sich mit der Unbeschreiblichkeit der Liebe ebenso literarisch auseinandersetzt wie mit gesellschaftskritischen Themen oder der Frage, wie sinnig Blödsinn eigentlich sein darf. Keiner versteht mich... ist ein Vademecum für den alltäglichen Gebrauch, das nicht nur Literaturfreunden neue Orientierung gibt: „Wer nach den Sternen greift, verliert leicht den Boden unter den Füßen.“

Für seine aphorismenartigen Gedichte und brillanten Kurzgeschichten erhält er bereits 1997 den Gedok-Literaturpreis, 2001 den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg und 2002 den Uslarer Literaturpreis. Im Jahr 2008 wird Kneip mit der Medaille der Kommission der Nationalen Erziehung ausgezeichnet, eine Auszeichnung des Polnischen Ministeriums für Nationale Erziehung, die Persönlichkeiten ehrt, die sich in besonderem Maße um die Kultur Polens – insbesondere der Völkerverständigung – verdient gemacht haben.

2011 erhält Matthias Kneip den renommierten Kulturpreis Schlesien 2011 des Landes Niedersachsen, der mit 4.000 Euro dotiert der Würdigung von Künstlern dient, die entweder selbst aus Schlesien stammen oder deren Werk Bezüge zu Schlesien aufweist. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u.a. Janosch, Sigmar Polke und Kurt Masur. 2012 wird ihm das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen im Rathaus zu Regensburg überreicht.

Matthias Kneip ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und im Deutschen P.E.N. Für diverse Landeszentralen für politische Bildung sowie kulturelle Stiftungen ist der engagierte kosmopolitische und humanistische Schriftsteller mit Lesungen an deutschen Schulen unterwegs. Seit 2012 agiert Matthias Kneip auch als Botschafter des Deutsch-Polnischen Jugendwerks.

In bester Erinnerung ist auch sein Auftritt bei den 20. Weidener Literaturtagen im Mai 2004 „Mitten in Europa – Eine Chance für die Literatur?“, wo er unter Moderation von Irene Radisch (Die Zeit) mit dem tschechischen Botschafter und Präsidenten des Internationalen P.E.N. Dr. Jiří Grusa diskutiert hat.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2011): Matthias Kneip erhält den „Kulturpreis Schlesien 2011“. In: Literatur in Bayern 27. Nr. 104 (Juni), S. 62.

Kempf, Susanne (2013): Das Weisse muss man mitlesen. Interview mit dem Autor Matthias Kneip über Hundehaufen, magische Berge und seinen neuen Gedichtband. In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.), Kultur, 08.11.

Marcol, Anna (2009): Mittler zwischen den Kulturen. Der Dichter, Schriftsteller und Publizist Matthias Kneip. House of the Poets, Paderborn.

Wiedamann, Susanne (2013): Keiner versteht das! – Wirklich. Matthias Kneips neuer Lyrikband ist da. Mit MZ-Redakteuerin Susanne Wiedamann debattiert er per E-Mail über seine Gedichte. In: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg), Kultur, 20.10.


Externe Links:

Literatur von Matthias Kneip im BVB

Literatur über Matthias Kneip im BVB

Zur Homepage des Autors

Youtube-Video zu Matthias Kneip

Artikel bei Spiegel Online

Polen in der Schule

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