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Das Magazin des Lyrik Kabinetts (c) Lyrik Kabinett
Amalienstraße 83a
80799 München
Leitung: Dr. Holger Pils
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10.00-12.00 Uhr und 13.00-17.00 Uhr
Telefon: 089 / 34-6299
Fax: 089 / 34-5395
Website
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Lyrik Kabinett

„Ich hatte in anderen Buchläden Gedichte immer nur in der hintersten Ecke und in kleiner Auswahl gefunden – da wollte ich mit meiner Buchhandlung ausschließlich für Poesie endlich ein Zeichen setzen“: So erklärt die Kauffrau und Unternehmerstochter Ursula Haeusgen die Gründung des Lyrik Kabinetts in München, das im April 1989 mit einer Lesung von Wolfdrietrich Schnurre eröffnet. Die Buchhandlung residiert anfangs in der Herzog-Rudolf-Straße 6, später in der nahe gelegenen Maximilianstraße. Doch Haeusgens „Hoffnung, das wohlhabende Publikum der Maximilianstraße würde anstelle von Cashmere-Pullovern ab und zu auch Lyrik kaufen“, erfüllt sich nicht. 1994 gibt Haeusgen die Buchhandlung auf.

Das Literaturhaus München – damals gerade von der Stadt beschlossen, aber noch vor dem dreijährigen Umbau – bietet dem Lyrik Kabinett entsprechende Räume als Bibliothek an; ein Angebot, das Frau Haeusgen annimmt. Während der Umbauzeit ergänzt sie den Bestand laufend in Hinblick auf die Bibliothek, beginnt, den Bestand zu katalogisieren und hält Lesungen im Türkenhof ab. Aber nach Beendigung der Umbauarbeiten 1997 scheitern die weiteren Verhandlungen mit dem Literaturhaus. Prof. Hendrik Birus von der LMU bietet dem Lyrik Kabinett seine Seminarräume in der Schellingstraße 3 an, wo dann bis Ende 2004 die Bibliothek untergebracht wird und die Lesungen stattfinden. Dann werden die Räumlichkeiten zu klein, und eine Entscheidung muss fallen: entweder aufhören oder aber in größerem Maßstab weiter machen.

2003 gründet Ursula Haeusgen mit ihrem Privatvermögen eine Stiftung, die dem Lyrik Kabinett fortan die Existenz sichert, indem sie die finanziellen Mittel für Neuanschaffungen und Personal zur Verfügung stellt. Ein Jahr später bietet die Universität der Stiftung ein altes Atelierhäuschen sowie das zugehörige Grundstück in der Amalienstraße zur Pacht an. Die Stiftung finanziert einen Neubau, der sowohl den räumlichen als auch den ästhetischen Bedürfnissen der Sammlung Rechnung trägt.

Im März 2005 wird das neue Lyrik Kabinett eröffnet: Den Weg in den Hinterhof pflastern Steine mit der Aufschrift „Poesie“, blaues Licht beleuchtet die Szenerie, im Vorhof wie im Innern findet man Werke der Bildenden Kunst. Vor allem aber sind nun alle der über 40.000 Bände der Bibliothek greifbar, zudem ist ausreichend Platz für Lesungen. Auch publizistisch ist das Lyrik Kabinett tätig: Seit Ende der 1990er Jahre gibt es die Reihe der „Blauen Bücher“ heraus und seit 2005 die „Münchner Reden zur Poesie“; seit 2006 erscheint im Carl Hanser Verlag die Edition Lyrik Kabinett, die von Ursula Haeusgen, dem Schriftsteller Raoul Schrott und dem Hanser-Verleger Michael Krüger herausgegeben wird.

Ansicht von außen, Podium und Ansicht bei Nacht (c) Lyrik Kabinett

Im Sommer des Jahres 2010 gibt Ursula Haeusgen bekannt, zwar weiterhin als Vorsitzende der Stiftung zu fungieren, sich aber aus der operativen Leitung des Lyrik Kabinetts zurückzuziehen – und präsentiert auch gleich eine Nachfolgerin, nämlich die damalige Leiterin des Frankfurter Literaturhauses Maria Gazzetti. In einem Interview mit dem Münchner Merkur erklärt Gazzetti die Gründe für ihren Wechsel: „Im Literaturhaus [Frankfurt] musste man sehr viel Sponsorenarbeit leisten. Seitdem es vor fünf Jahren umgezogen ist, wurden auch immer öfter kulturfremde Vermietungen nötig, Geburtstags- und Firmenfeiern, Disko-Parties. Wenn keine Fotos von Autoren aufgehängt werden dürfen, damit der Raum neutral genug ist, dann kann Literatur keinen Staub ansetzen. Da fragt man sich irgendwann, warum man in einem Literaturhaus arbeitet. Alle Institutionen müssen sich mit Finanzen auseinandersetzen. Aber das Verhältnis darf nicht kippen. Da will ich für mich etwas anderes. Als die Anfrage kam, hab ich gedacht: Das ist wie für mich geschaffen.“

Das Lyrik Kabinett richtet im Jahr etwa 50 Lesungen und Veranstaltungen zur internationalen Lyrik aus. Für das Lesungsprogramm gilt: Etwa die Hälfte sind Autorenlesungen, die andere Hälfte bringt ‚lebendig gebliebene’ Autoren früherer Generationen zu Gehör; etwa die eine Hälfte deutschsprachige Autoren, die andere Hälfte anderssprachige Autoren, diese immer auch in der Originalsprache. Die Bibliothek sammelt Lyrik aller Zeiten und Sprachen: deutschsprachige Dichtung bzw. Übersetzungen aus der ganzen lyrischen Weltliteratur, ein- oder mehrsprachig; Lyrikbände in der Originalsprache; im Buchhandel nicht mehr lieferbare, antiquarische Bücher sowie Künstlerbücher zum Thema Poesie. Endziel ist ein Bestand an wichtigen Lyrikbänden (auch Dichter-Biographien, poetologischen Texten, allerdings keiner Sekundärliteratur im strikt akademischen Sinn), quer durch alle Zeiten und Nationalliteraturen.


Externe Links:

Welt-Artikel über das Lyrik Kabinett

Porträt aus der Zeitschrift Literaturen

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