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9. Literaturfest München veröffentlicht Programm

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© Juliana Krohn

Rund 80 internationale Autorinnen und Autoren kommen zum 9. Literaturfest München in die Landeshauptstadt. Büchner-Preisträger Jan Wagner leitet das diesjährige Kuratorenprogramm forum:autoren, das er unter das Motto „Schönes Babel. Europäische Lektüren“ stellt. Kulturreferent Hans-Georg Küppers hebt hervor: „Jan Wagner widmet sich zwei wichtigen Fragen: Wie stark ist die europäische Idee? Und welche Rolle spielt die Sprache dabei? In Zeiten, in denen Europa zerbrechlich erscheint, stehen bei Wagner die verbindenden Ansätze im Vordergrund. Rund 80 Autorinnen und Autoren zeigen, dass die europäische Vielfalt und Einheit sich gegenseitig befruchten können.“ Tanja Graf, Geschäftsführerin des Literaturfests und Literaturhaus-Leiterin, betont: „Europa brennt uns auf den Nägeln, die Weichen für die Zukunft unseres Kontinents werden jetzt gestellt. Genau der richtige Zeitpunkt, um auf dem Literaturfest München die sprachliche und literarische Vielfalt Europas zu feiern. Denn gerade unsere kulturelle Zusammengehörigkeit ermöglicht es uns, den Blick zu öffnen. So freuen wir uns, literarische Stimmen aus aller Welt zu Gast zu haben, die uns zeigen, wie bereichernd und existenziell wichtig es ist, neugierig zu bleiben.“

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Zu den über 80 Festival-Gästen gehören die aktuellen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Aleida und Jan Assmann, die Shortlist-Kandidaten des Deutschen Buchpreises María Cecilia Barbetta, Maxim Biller, und Nino Haratischwili, der chinesische Autor und Friedenspreisträger Liao Yiwu, der Schotte John Burnside und Aris Fioretos aus Schweden, die spanische Schriftstellerin Almudena Grandes, Hugo Hamilton aus Irland, die Briten A.L. Kennedy und Edward St Aubyn, aus Polen der Lyriker Adam Zagajewski sowie Serhij Zhadan aus der Ukraine, aus Deutschland Amelie Fried, Dörte Hansen, Navid Kermani, Michael Krüger, Harald Lesch und Martin Walser, aus der Schweiz Adolf Muschg, zudem kommen die Kinder- und Jugendbuch-Autoren Kirsten Boie und Jonathan Stroud. Ihre Lesungen und Gespräche sind an verschiedenen Orten der Landeshauptstadt zu erleben, insbesondere im Literaturhaus München und dem Kulturzentrum Gasteig, zudem im Marstall, in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, an der HFF, im Volkstheater und Lyrik-Kabinett, im Milla Club und im Ampere im Muffatwerk.

 

Prominente Vielfalt: die Neuerscheinungen des Herbstes bei der 59. Münchner Bücherschau

Kernprogramm des Literaturfests ist die 59. Münchner Bücherschau im Kulturzentrum Gasteig, die die gesamte Festivalzeit über 20.000 Neuerscheinungen präsentiert sowie Begleitprogramme für Leserinnen und Leser aller Generationen. Michael Then, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. eröffnete die Programmvorstellung mit den Worten: „Willkommen zur 59. Münchner Bücherschau. Blättern Sie entspannt in Büchern für alle Generationen und Interessen, lesen Sie sich durch unbekannte Geschichten, stöbern Sie in faszinierenden Bilderwelten und begegnen Sie Autorinnen und Autoren wie Amelie Fried, Dörte Hansen, Rainer Maria Schießler, Miro Nemec und Harald Lesch. Ans Herz lege ich Ihnen besonders das Schul- und Familienprogramm und das neue literarische Jugendquartett von Jugendlichen für Jugendliche. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!“

Für das begleitende Abendprogramm hat Kurator Thomas Kraft ein großes Spektrum an Lesungen zusammengestellt und namhafte Autorinnen und Autoren gewonnen. Ein Themenschwerpunkt im Bereich Sachbuch liegt aus aktuellem Anlass auf der 68er Bewegung mit dem gleichnamigen Werk des Politikwissenschaftlers Wolfgang Kraushaar sowie mit Gretchen Dutschkes „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“. Der Wissenschaftsjournalist Harald Lesch rückt die brisante Frage nach den Folgen des Klimawandels in den Fokus und präsentiert sein neues Buch „Wenn nicht jetzt, wann dann? Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen“. Zu den Angeboten im Bereich der Belletristik gehören Adolf Muschgs Roman „Heimkehr nach Fukushima“, Amelie Frieds „Paradies“ und Almudena Grandes aktuelles Buch „Kleine Helden“, die Geschichte eines Madrider Viertels in Zeiten der Globalisierung und Wirtschaftskrise. Auch für Krimi- und Thriller-Fans sind attraktive Veranstaltungen dabei: Tatort-Schauspieler Miro Nemec präsentiert sein neues Buch „Kroatisches Roulette“, und Erfolgsautor Jo Nesbø kommt mit „Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt“.

Im Ausstellungsbereich der Münchner Bücherschau im Gasteig finden tägliche Bayern 2-Diwan-Gespräche statt. Von Montag bis Freitag laden bekannte Moderatorinnen und Moderatoren des Kultursenders Autorinnen und Autoren mit ihren neuen Büchern zum Gespräch. Ein besonderes Highlight ist der Live-Diwan: Am Sonntag, den 18.11. mit John Burnside, Adolf Muschg, Jan Wagner, Sibylle Canonica und Ardhi Engl sendet das Büchermagazin auf Bayern 2 unter der Moderation von Cornelia Zetzsche direkt von der Münchner Bücherschau.

Neben dem Abendprogramm bietet die Münchner Bücherschau ein umfangreiches, von Edith Offermann zusammengestelltes Angebot für Kinder- und Jugendliche. Jonathan Stroud liest aus „Lockwood & Co. – Das Grauenvolle Grab“ und gibt Tipps, wie man zum Geisterjäger wird. Publikumslieblinge Margit Auer und Timo Parvela begeistern mit ihren neuen Abenteuern. Kirsten Boie stellt ihren Titel „Ein Sommer in Sommerby“ vor, Schauspieler Max von Thun sein erstes Bilderbuch „Der Sternenmann“. Premiere feiert dieses Jahr das Literarische Jugendquartett – von Jugendlichen für Jugendliche.

 

Europäisches Sprachen-Konzert: das Kuratorenprogramm forum:autoren

Zum forum:autoren (15.-23.11.) hat Kurator Jan Wagner Gäste aus allen Himmelsrichtungen nach München eingeladen und möchte die Stärken Europas auch dank seiner literarischen Vielfalt und Schönheit der Sprachen in den Fokus rücken. An verschiedenen Orten der Stadt sind Lesungen, Diskussionen, europäische Lyrik-Nächte und kleine Konzerte geplant. Jan Wagner betonte: „An einem Punkt der europäischen Geschichte, an dem erneut nationalistisches Denken und nationaler Dünkel an Einfluss gewinnen, an dem separatistische Strömungen erstarken, auf regionaler und nationaler Ebene die Versuchung wächst, sich von der europäischen Gemeinschaft zu lösen, ist es an der Zeit, in der Literatur und in den Künsten über die uns verbindenden Ideen nachzudenken und vor allem den Reichtum auszustellen, der, bei allen Widersprüchen, Schwierigkeiten und Differenzen, erst durch das Mit-, nicht durch das Gegeneinander sichtbar wird.“

Im Jahr vor dem Brexit lenkt der England-Kenner Jan Wagner ein besonderes Augenmerk auf die britischen Inseln mit Gästen aus England, Schottland und Irland. Darunter sind Lavinia Greenlaw, Schriftstellerin und Künstlerin aus London, Hugo Hamilton, A.L. Kennedy, John Burnside sowie der Autor und Übersetzer David Constantine. Ein weiterer Fokus liegt auf der Lyrik, die beim forum:autoren als europäisches Sprachen-Konzert erklingen soll. Aus unterschiedlichen Sprachräumen, großen wie kleinen, darunter Irisch-Gälisch, Sorbisch, Ladinisch, treffen herausragende Dichterinnen und Dichter in München zusammen und lesen aus ihren Originalwerken: Erwartet werden die Tschechin Kateřina Rudčenková, der Slowene Aleš Šteger, Serhij Zhadan, poetischer Chronist der Geschehnisse in der Ostukraine, Georgi Gospodinov, der zu den meistübersetzten Literaten Bulgariens zählt, die Litauerin Agnė Žagrakalytė, der Brite Simon Armitage, Bela Chekurishvili aus Georgien und der Däne Morten Søndergaard. Auch die Kunst der Übersetzung bekommt beim forum:autoren eine Stimme: die Übersetzung von Sprachen wie auch von Literatur in Film.

Zum Ausklang eines jeden forum:autoren-Tages treffen sich Publikum und Teilnehmer in der „Stählemühle Schnapsbar“ im Luitpoldblock, in der Jan Wagner unter dem Motto „Schönes Babel in der Schnapsbar“ Prominente aus Literatur, Musik und bildender Kunst in Dialog bringt: In dreißigminütigen „Séancen mit Substanzen“ rufen die internationalen Gäste große, unsterbliche literarische Geister wie Laurence Sterne, Federico García Lorca und D. H. Lawrence herbei. Und natürlich wird es auch dort eine Hommage an die Lyrik geben: John Burnside und Michael Krüger stellen gemeinsam die große zweisprachige Anthologie „Poet’s Collection“ vor.

 

Internationale Blickpunkte: das Festprogramm des Literaturhauses

Das Festprogramm des Literaturhauses ist bedeutenden Neuerscheinungen des Herbstes gewidmet und lädt zu einem Parcours durch verschiedene Länder und Nationen – Russland, Georgien, China, Italien, Argentinien und Deutschland: Nino Haratischwili ist dabei mit ihrem neuen Buch „Die Katze und der General“, das von den Abgründen und Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs erzählt, María Cecilia Barbetta stellt ihren Roman „Nachtleuchten“ vor, eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund des politischen Umsturzes in Argentinien. Maxim Biller kommt mit „Sechs Koffer“, der Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West und über die moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren und aufgewachsen ist. Friedenspreisträger Liao Yiwu und SZ-China-Korrespondent Kai Strittmatter diskutieren über die Zukunft der Demokratie in China. Die hierzulande geführte Debatte über das Wiedererstarken rechtsnationaler Bewegungen verdichten Annette Ramelsberger und Rainer Stadler in ihrem Buch „Der NSU-Prozess. Die Protokolle“. Die beiden Journalisten gehören zu den Wenigen, die Zutritt zum Gerichtssaal hatten und die Verhandlung vom ersten Tag an verfolgt haben. Aus Italien kommt Edoardo Albinati, einer der wichtigsten Intellektuellen des Landes, mit seinem preisgekrönten Roman „Die katholische Schule“. Ein weiterer Höhepunkt wird der Auftritt von Martin Walser sein, der sein neuestes Werk „Spätdienst“ präsentiert.

Neben den Lesungen und Gesprächen gehört zum Literaturhaus-Festprogramm erneut der Bazar „Andere Bücher braucht das Land“ (1.-2.12.), bei dem die unabhängigen Verlage und das kreativ gestaltete Buch im Vordergrund stehen: Über 30 Verlage präsentieren besondere Bücher jenseits des Mainstreams, darunter traditionsreiche Verlage ebenso wie Neugründungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Die Preisverleihungen beim Literaturfest

Am 19. November wird der mit 10.000 Euro dotierte 39. Geschwister-Scholl-Preis an den Historiker Götz Aly für sein Buch „Europa gegen die Juden. 1880 – 1945“ vergeben. In der Begründung der Jury heißt es: „Die Erforschung der Verbrechen des Nationalsozialismus hat der Historiker Götz Aly mit bedeutenden Büchern vorangetrieben, (…). In seinem jüngsten Buch ‚Europa gegen die Juden. 1880-1945‘ zieht er eine Summe – indem er eine markante These zu den Möglichkeitsbedingungen des Holocaust umfassend belegt und begründet, mit ganz Europa im Blick.“ – Der renommierte Preis erinnert an das Vermächtnis der Geschwister Scholl und der Weißen Rose. Sinn und Ziel des Preises ist es, Bücher auszuzeichnen, die geeignet sind, dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Die Auszeichnung wird gemeinsam von der Landeshauptstadt München und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. vergeben. Am 20. November ist eine öffentliche Lesung in der Buchhandlung Lemkuhl geplant.

Am 23. und 24. November folgt der Fernsehpreis LiteraVision, verliehen von der Stadt München für beispielhafte Sendungen über Bücher und Autorinnen und Autoren. Filmemacherinnen und Filmemacher aus dem gesamten deutschsprachigen Raum bewerben sich für die beiden mit je 5.000 Euro dotierten Preise in den Kategorien Kurz- und Langfilm. 2018 wurden 87 Beiträge eingereicht. Die von der Fachjury ausgewählten 15 Filme werden auf der zweitägigen öffentlichen Jurysitzung im Literaturhaus München gezeigt und in Anwesenheit der Regisseure und Regisseurinnen diskutiert, direkt gefolgt von der Preisverleihung. Der Fernsehwettbewerb LiteraVision ist in dieser Form einzigartig in der deutschen Medienlandschaft.

Am 30. November erhält der Ambacher Verlag Büro Wilhelm den Preis für einen Bayerischen Kleinverlag. Zum zehnten Mal würdigt das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die Leistungen bayerischer Verlegerinnen und Verleger, die den Buchmarkt mit qualitätvollen Programmen bereichern. Der Verlag Büro Wilhelm stehe, so die Jury, für „Originalität wie Professionalität, hochwertige ästhetische Gestaltung und inhaltliche Substanz mit einem Programm, das Architektur, Kunst und Literatur zusammenführt und Mut zu Nischenthemen wie skurrilem Humor beweist“. Der Preisträger ist mit einem Stand auf dem Markt der unabhängigen Verlage vertreten, zu dessen Auftakt er verliehen wird.

 

Das Literaturfest München (14.11.-2.12.2018) wird veranstaltet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. und dem Literaturhaus München in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München. Geschäftsführerin des Literaturfests und Programmleiterin des Literaturhaus-Festprogramms ist Tanja Graf. Kurator des forum:autoren ist Jan Wagner. Das Programm der Abendveranstaltungen der 59. Münchner Bücherschau wird von Dr. Thomas Kraft entworfen, das Kinder- und Familienprogramm von Edith Offermann. Projektleiterin des Literaturfests und forum:autoren ist Heike Braun, Projektleiterin der 59. Münchner Bücherschau Ute Wiemer. Das Literaturfest München wird unterstützt vom Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, von PwC sowie dem British Council. Medienpartner sind Bayern 2 und Capriccio.


Externe Links:

Literaturfest München

Literaturhaus München

Münchner Bücherschau


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