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21.03.2018, 06:33 Uhr
Karin Fellner
Text & Debatte
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© Michael Memminger

Zum Welttag der Poesie: ein Gedicht von Karin Fellner

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Lichtenberg-Figur © YvoBentele CC BY-SA 4.0

Im Jahr 2000 erklärte die UNESCO den 21. März zum Welttag der Poesie. Seitdem wird an diesem Tag jährlich an „die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen“ erinnert. Der Aktionstag soll dazu beitragen, dem vermeintlichen Bedeutungsverlust der Poesie entgegenzutreten und zu zeigen, dass sie auch im Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen wichtigen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben einnimmt. Gefeiert wird der Welttag der Poesie mit Lesungen, Ausstellungen und Rezitationen lyrischer Werke. Das Literaturportal Bayern begeht ihn mit einem Gedicht der großartigen Münchner Lyrikerin Karin Fellner.

 

 

   Lichtenberg-Figuren, wie sie

 durchschnüren,-stürzen, in Bahnen, Leitbündeln, entstacheln
 wessen Grenzen, Gesetze, wessen dendritisches Wachsen?
 Lichtwechsel ohne Licht, Brennhaar aus Nacht und Morgen,

 stieben durch Hüllen gleichwie die Wasserspinne inmitten
 entflammbarer Ufer, kopfüber Voluten, Tapeten, Büro-
 kästen durchdringen und senden, Barfüße senden durch

 Symbole, Systeme, durch starrende Farne und wendig
 schüren die Denkmaschine, ins Staunen stürzen und fast
 im Verschwinden, begriffen: ein Blind-, ein Blitzgebüsch

 

 

Karin Fellner wurde 1970 in München geboren, wo sie auch heute lebt. Sie studierte Psychologie in Konstanz und Literaturwissenschaften in München. Sie arbeitet als Autorin, Schreibcoach und Lektorin. Seit 1999 berät sie Schreibende; seit 2006 moderiert sie Lyrikveranstaltungen in München. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie u.a. den Förderpreis beim Leonce-und-Lena-Wettbewerb in Darmstadt (2005), den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur (2008) und den Medienpreis (RAI Sender Bozen) beim Lyrikpreis Meran (2012).

Bislang publizierte sie neben Beiträgen in Zeitschriften und Anthologien vier Einzelbände: avantgarde des schocks (2005), in belichteten wänden (2007), hangab zur kehle (2010) und Ohne Kosmonautenanzug (2015).

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