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26.10.2018, 12:17 Uhr
Nico Bleutge
Text & Debatte

Ein Portraitband zur zeitgenössischen Lyrik. Mit Nico Bleutge

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Die Lyrik ist das vielleicht spannendste Feld der Gegenwartsliteratur: Nirgendwo sonst wird mit so hohen Einsätzen gespielt – und nirgendwo sonst fallen Leben und Schreiben so häufig in eins. Das Gedicht & sein Double (edition AZUR) gibt dem Genre ein Gesicht. Oder besser: 100 Gesichter. Der von Nancy Hünger und Helge Pfannenschmidt herausgegebene Band mit 100 Schwarz-Weißfotografien von Dirk Skiba zeigt die vertretenen Lyriker*innen in zweifacher Weise, mit einem Portrait in Bild und Text. Die Textauswahl blieb den Autor*innen überlassen; ein großer Teil enstand speziell für dieses Projekt.

Anhand von drei Gedichten und ihren Doubeln geben wir in den nächsten Wochen einen kleinen Einblick in den Band und die zeitgenössische deutschsprachige Lyrikszene. Den Anfang macht der in München geborene Dichter Nico Bleutge.

*

den flocken folgen, mit der bewegung von schnee
in die verschiebung gehen. einander entgegen
durch lücken. alles trägt sich zu:
die spule, das haus, die lange ausgereiften
pflastersteine. und die frage wer bist du? »du«,
um darauf zu pochen, zweimal noch, als sei der schlaf
in den brunnen gefallen. wiese ist da und der ofen,
äpfel und brote gesetzt. die funken springen
und du weißt nicht, ob du unten bist. goldregen,
großes feuertor. sie sammeln fleißig, was sich finden
läßt. die weichen ins kröpfchen, die harten
ins gebiß der langen nacht. doch warte, warte,
tarne dich gut. die flocken fallen langsam,
langsamer als du denkst. dazwischen kommt keiner,
ahnen kannst du nicht, wer schüttelt, schüttelt
und im hintergrund die monde teilt. reste vertilgen,
zwei bissen vom schnee. drei sind gewendet, vier
fressen sich langsam zurück in den schlaf. du
klopfst, poch, poch, und träumst, daß du die flocken,
die flocken samt der flocken, der flocken, zusammenkommen
läßt. in der bewegung mußt du gehen,
siehst als vogel zu. du holst alles wieder herauf

 

 

 

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Seit mehr als fünf Jahren portraitiert der Fotograf Dirk Skiba Dichterinnen und Dichter. Die Lauten und die Flüsterer, die Jungen und die nicht mehr ganz Jungen, die Etablierten und die noch Unbekannten. So entstand eine Sammlung, die ihresgleichen sucht: vielstimmig, lebendig und widersprüchlich wie die Szene selbst. Und da ein Porträt nie die Wahrheit zeigt, ist jedem Foto ein lyrisches Selbstportrait zur Seite gestellt, welches das Bild kommentiert, ergänzt oder ihm widerspricht – in einer unendlichen Suchbewegung zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. (Verlagstext)

Dirk Skiba, Studium der Sinologie, Germanistik und des Deutschen als Fremdsprache in Berlin, seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Arbeitsgebiete u.a. Kulturwissenschaft, Gegenwartsliteratur und Literaturdidaktik. Schwerpunkte als Fotograf: Autor*innenportraits und Reisefotografie.


Externe Links:

Dirk Skiba

Nancy Hünger

Nico Bleutge

edition AZUR


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