Info

Ein Portraitband zur zeitgenössischen Lyrik. Mit Ulrike Draesner

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbblogs/autorblog/2018/klein/skiba.jpg

Die Lyrik ist das vielleicht spannendste Feld der Gegenwartsliteratur: Nirgendwo sonst wird mit so hohen Einsätzen gespielt – und nirgendwo sonst fallen Leben und Schreiben so häufig in eins. Das Gedicht & sein Double (edition AZUR) gibt dem Genre ein Gesicht. Oder besser: 100 Gesichter. Der von Nancy Hünger und Helge Pfannenschmidt herausgegebene Band mit 100 Schwarz-Weißfotografien von Dirk Skiba zeigt die vertretenen Lyriker*innen in zweifacher Weise, mit einem Portrait in Bild und Text. Die Textauswahl blieb den Autor*innen überlassen; ein großer Teil enstand speziell für dieses Projekt.

Anhand von drei Gedichten und ihren Doubeln geben wir in den nächsten Wochen einen kleinen Einblick in den Band und die zeitgenössische deutschsprachige Lyrikszene. Auf den ersten Teil mit Nico Bleutge folgt nun die in München geborene Schriftstellerin Ulrike Draesner.

*

aus: gedichte auf eis

 

und am pier öffnet sich das meer
man muss nur durch glas treten mit code
crinklé die bucht, alle boote kielauf, blank.
wäre winter mischen ohne schlag? für morgen
zeigen computer schnee der bär im zoo träumte
längst und stakte durch die leere der gehege reifrock
lagen laub und frost um jeden stamm. fuchs erwartete
das eis. als er den flamingo biss fielen alle andren fremden
ebenfalls. ohne berührung. das war stank. so rosa haufen herz
im glas. der fuchs erschrak sein appetit reichte nicht, er sprang
ein gekrümmter bogen als tauche er in schnee. der bär
den schlaf spannte ins bärenich
ein gekrümmter bogen als tauche er in schnee. der bär
im glas. der fuchs erschrak sein appetit reichte nicht, er sprang
ebenfalls. ohne berührung. das war stank. so rosa haufen herz
das eis. als er den flamingo biss fielen alle andren fremden
lagen laub und frost um jeden stamm. fuchs erwartete
längst und stakte durch die leere der gehege reifrock
zeigen computer schnee der bär im zoo träumte
wäre winter mischen ohne schlag? für morgen
crinklé die bucht, alle boote kielauf, blank.
man muss nur durch glas treten mit code
und am pier öffnet sich das meer

 

 

 

**

Seit mehr als fünf Jahren portraitiert der Fotograf Dirk Skiba Dichterinnen und Dichter. Die Lauten und die Flüsterer, die Jungen und die nicht mehr ganz Jungen, die Etablierten und die noch Unbekannten. So entstand eine Sammlung, die ihresgleichen sucht: vielstimmig, lebendig und widersprüchlich wie die Szene selbst. Und da ein Porträt nie die Wahrheit zeigt, ist jedem Foto ein lyrisches Selbstportrait zur Seite gestellt, welches das Bild kommentiert, ergänzt oder ihm widerspricht – in einer unendlichen Suchbewegung zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. (Verlagstext)

Dirk Skiba, Studium der Sinologie, Germanistik und des Deutschen als Fremdsprache in Berlin, seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Arbeitsgebiete u.a. Kulturwissenschaft, Gegenwartsliteratur und Literaturdidaktik. Schwerpunkte als Fotograf: Autor*innenportraits und Reisefotografie.


Externe Links:

Dirk Skiba

Nancy Hünger

Ulrike Draesner

edition AZUR


Kommentar schreiben